Kurzportraits der Stadtteile

Kurzportraits der Stadtteile2017-11-03T10:05:30+00:00

Völklingen-Innenstadt

Die Ursprünge von Völklingen-Innenstadt liegen wohl im Bereich des Alten Brühl, wo archäologische Grabungen inzwischen bis ins 8. Jahrhundert vorgestoßen sind. Von hier aus wuchs der Ort über die Kirchgasse den Hang hinauf zur heutigen Innenstadt. Der Name Völklingen wird zum ersten Mal im Jahre 822 erwähnt, als Kaiser Ludwig der Fromme in „Fulcolingas“ einen Königshof und ein Verwaltungszentrum errichtete. Zwischen Hofstattstraße und Moltkestraße befand sich der „Völklinger Hof“, wo der herrschaftliche Meier wohnte und Steuern und Naturalien in Empfang nahm. Völklingen – der Name stammt wohl von einem fränkischen Sippenführer Fulko oder Fulkilo – war im Mittelalter nicht nur durch Landwirtschaft, sondern auch durch Handwerk und Handel geprägt. 1535 erhielt der Ort das Marktrecht.

Im Jahre 1804 wohnten 613 Menschen in Völklingen, und hundert Jahre später waren es durch die beginnende Industrialisierung schon über 10.000. Als im Jahre 1881 die Röchling-Familie das zuvor stillgelegte Eisenwerk erwarb, begann für die Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit, die fast ein Jahrhundert anhielt.

Das Neue Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung

Das Neue Rathaus, Sitz der Stadtverwaltung

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1986 erlosch der letzte Hochofen der alten Völklinger Hütte, deren zentrale Anlagen im Jahre 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurden. Das Unternehmen Saarstahl setzt die Produktion von hochwertigen Stählen mit internationalem Erfolg fort.

Bedeutende Wahrzeichen der Stadt sind das Alte Rathaus, die Eligiuskirche, die Versöhnungskirche und das achtstöckige Verwaltungszentrum (Neues Rathaus). In der Innenstadt leben rund 12.400 Menschen.

Fenne

Die Fenne, der kleinste Stadtteil Völklingens, hat in seiner rund 300-jährigen Geschichte seinen Charakter mehrfach verändert. Das ursprüngliche Feuchtgebiet („fenni“ bedeutete im Althochdeutschen „Sumpf“) war zunächst von den Fürstenhausener Bauern als Nachtweide ihres Viehs genutzt worden. Vom frühen 18. Jahrhundert an befand sich hier der „Fenner Hof“, dessen Stallungen, Wohnhäuser und Ländereien bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts erhalten blieben und erst dann den industriellen Ansiedlungen weichen mussten. Im Jahre 1812 ließ Napoleon die Karlsbrunner Glashütte nach Fenne verlegen, die hier mit wechselnden Besitzern im Laufe der Zeit aufblühte und vor allem Tafelund Flaschenglas fabrizierte. Um 1890 produzierten hier über 400 Beschäftigte rund 2,5 Millionen Kilogramm Glaswaren.

Zugleich war aus der Landwirtschaft des Fenner Hofes unter anderem eine Marmeladenfabrik hervorgegangen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit rund 250, später sogar mit 520 Mitarbeitern Süßwaren wie die berühmten „Lolly Gutzjer“ und den „Fenner Harz“ herstellte. Sie wurde 1973 geschlossen. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurde die Glashütte nach fast 130-jähriger Tradition stillgelegt und zu einem Rüstungswerk umgebaut.

Modellkraftwerk Fenne

Modellkraftwerk Fenne

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In den letzten Jahrzehnten dominiert die Kraftwerkindustrie mit ihren Modellkraftwerken den Ort, der inzwischen zu einer Wohngemeinde geworden ist. Doch die Vergangenheit ist präsent: Beim Umgraben ihrer Gärten fördern Fenner Bürger immer wieder zur Freude der Heimatkundler historische Glasprodukte zutage. Und manchmal sogar noch viel ältere Fundstücke wie Speerspitzen aus der Jungsteinzeit und Belege römischer Besiedlung. Zahlreiche ehemalige Glasmacherhäuser sind bis heute erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Zurzeit zählt der Ort rund 870 Einwohner.

Fürstenhausen

Die Ursprünge von Fürstenhausen können heute noch bis in die römische Zeit zurückverfolgt werden. Am Fuße des Hunerscharbergs, an dessen Hang der Ort hinaufsteigt, führt eine kleine Straße mit der Bezeichnung „In der Olk“ Richtung Saar und setzt sich auf der anderen Flussseite fort. Mit „Olk“ wurde im keltoromanischen Sprachgebrauch eine Gartenanlage oder ein Weinberg bezeichnet. Entlang dieser Straße entwickelte sich der heutige Stadtteil. Die Saar konnte an dieser Stelle über eine Furt überquert werden. Später stand eine Fähre zur Verfügung, die bis zum Bau einer Eisenbetonbrücke 1913 in Betrieb war. Der Ortsname geht wahrscheinlich auf das Wort Förster, vielleicht aber auch – wegen der geographischen Lage – auf „First“ zurück.

Blick auf Fürstenhausen

Blick auf Fürstenhausen

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Urkundlich erwähnt wurde der Ort zum ersten Mal im Jahre 1333. Die Nähe zum Warndt veranlasste im 18. Jahrhundert die Grafen von Saarbrücken, von hier aus Jagd- und Forstwirtschaft zu betreiben. Fürstenhausen war bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts überwiegend landwirtschaftlich geprägt und wurde danach zu einer Industriesiedlung. Die Menschen wohnten wegen der schönen geographischen Lage gerne hier, bis der Bergbau unter dem Ort zu massiven Schäden an allen Gebäuden führte. Ende 2007 wohnten hier noch rund 2.200 Menschen, rund 500 weniger als 15 Jahre zuvor.

Nach der Stilllegung der Grube Warndt-Luisenthal im Jahre 2005 hoffen die Bewohner auf ein allmähliches Abklingen der Bergschäden. Verschiedene Förderprogramme stellen die Weichen in eine Nachbergbau-Ära.

Geislautern

Geislautern wurde schon im Jahre 1280 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als der Sohn des Ritters Walter von Wolmeringen die Vogtei von Luttern an Heinrich von Folchelingen verkaufte. Die Bezeichnung „Luttern“ („rein, klar“) wurde wenig später um die Vorsilbe „Geiß“ („fließendes Wasser“) erweitert. Die natürlichen Bedingungen gaben den Bewohnern bis ins 20. Jahrhundert hinein reichlich Arbeit und Brot. Neben Land- und Forstwirtschaft spielten der Bergbau und die Eisenindustrie eine entscheidende Rolle. Von 1575 an wurde hier Eisen geschmolzen, und im Jahre 1884 wurde die Hütte hauptsächlich deswegen stillgelegt, weil der nötige Eisenbahnanschluss fehlte. An diese lange Tradition erinnern heute noch Flurnamen wie Masselgarten, Hammergraben und Schellenburg. 1819 wurde der so genannte Geislauterner Dampfwagen gebaut, der beinahe als erste deutsche Lokomotive in die Geschichte eingegangen wäre. Im frühen 18. Jahrhundert wurde Geislautern sogar zum ersten Hochschulstandort des Saarlandes und zum wichtigen Technologiezentrum der Region. Napoleon ließ hier 1807 die „Ecole pratique des mines“ einrichten, an der kaiserliche Ingenieure ausgebildet wurden.

Hundert Jahre später gründete der mit Albert Einstein verwandte Nathan Hansen wegen des guten Rosselwassers die Hansena-Brauerei, die mit einem neuen Brauverfahren (verkürzte Lagerzeit) berühmt wurde.

Geislautern ist heute eine beliebte Wohngemeinde (rund 3.070 Einwohner), die von der Nähe des „Naherholungsgebietes Warndt“ profitiert.

Eisenplastik

Eisenplastik

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Heidstock

Der Heidstock ist einer der jüngsten Stadtteile Völklingens, obwohl historische Fundstücke – wie beispielsweise Reste einer alten Fliehburg – bis auf die spätrömische Zeit zurückweisen. Die Gerhardstraße, heute noch zentrale Achse des Ortes, war ursprünglich eine hochwasserfreie Verbindungsstrecke nach Saarbrücken. Im Jahre 1734 wird zum ersten Mal ein Schulgarten am Anfang der Gerhardstraße „bei dem Heydenstock“ erwähnt, also auf einem höher gelegenen Brachland. Allmählich besiedelt aber wurde der Berg erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den Start der Montanindustrie mit Gruben und Hütten. Noch heute erinnern die „Grubenhäuser“ mit ihren roten Backsteinmauern an jene Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die allgemeine Besiedlung. Inzwischen ist hier kaum noch ein Bauplatz frei. Rund 4.600 Menschen leben auf dem Heidstock.

Kath. Kirche St. Paulus

Kath. Kirche St. Paulus

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Lauterbach

Lauterbach liegt unmittelbar an der französischen Grenze und ist der Stadtteil, der am weitesten vom Verwaltungszentrum entfernt ist. Die rund 2.670 Einwohner können sich zwar über die schöne Landschaft am Rande der Warndtwälder freuen; ein Wermutstropfen aber ist die Umweltbelastung durch die Industrieanlagen im lothringischen Carling, unter der die Bevölkerung gelegentlich zu leiden hat.

Die Ursprünge von Lauterbach gehen bis in die römische Zeit zurück. Besiedelt aber wurde der Ort erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Glasmachern, die hier hundert Jahre lang – ohne großen Erfolg – ihr Gewerbe ausübten. Wenig ertragreich wegen des kargen Bodens war auch die Landwirtschaft, so dass sich erst mit dem Aufschwung des Bergbaus im 19. Jahrhundert die Lage für die Lauterbacher verbesserte. Viele arbeiteten in französischen Kohlegruben, und noch heute gibt es zahlreiche freundschaftliche und verwandtschaftliche Bindungen über die Grenze hinweg.

Touristen und Fremde staunen immer wieder über die Paulinuskirche, den so genannten Warndtdom. Diese unverhältnismäßig große Kirche in neoromanischem Stil wurde 1912 unter materiellen Opfern von der nicht gerade wohlhabenden Bevölkerung gebaut.

Steinplastik „Der Glasbläser“

Steinplastik „Der Glasbläser“

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Ludweiler

Im Jahre 2004 wurde in Ludweiler das 400-jährige Bestehen des Ortes gefeiert. Ludweiler entstand eigentlich aus einer Wirtschaftsförderungsmaßnahme des Grafen Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken. Er erlaubte 1604 zwölf französischen Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens aus ihrer Metzer Heimat fliehen mussten, „im Warneth“ ein Dorf zu gründen. Mehr Einwohner – das bedeutete für den Grafen auch mehr Geld, zumal die Einwanderer geschickte Handwerker und Glasmacher waren.

Später zogen auch deutschsprachige Schweizer nach „Ludwigsweiler“ und im 19. Jahrhundert schließlich viele Katholiken, die hauptsächlich am Ortsrand siedelten. Der Ortskern lag im Bereich der Hugenottenkirche und des Friedhofs, die Schule befand sich auf dem Marktplatz. Lange Zeit war nur das Gebiet rechts der Hauptstraße bebaut, weil die andere Seite als zu feucht galt.

Im Jahre 1784 gibt es in Ludweiler nach einer Bevölkerungsliste 64 Ehepaare, 20 Witweiber, acht alte Mädel, vier Witmänner, 87 konfirmierte Söhne und Töchter und 177 noch nicht konfirmierte Kinder. Heute leben hier rund 6.070 Einwohner. Der Ort wurde 1816 preußisch und erhielt eine eigene Amtsbürgermeisterei, zu der neben Ludweiler die Orte des Gemeindeverbandes Großrosseln gehörten. Die kommunale Selbständigkeit endete 1974, als im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform Ludweiler trotz des Widerstandes der Bevölkerung in die Stadt Völklingen eingegliedert wurde.

Heute verfügt der Stadtteil Ludweiler über eine weitgehend intakte Infrastruktur und Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis zum Gymnasium und zur Gesamtschule. Von großer archäologischer Bedeutung sind zahlreiche Funde aus vorgeschichtlicher Zeit, darunter ein etwa 300.000 Jahre altes Steinwerkzeug. Dieser „Ludweiler Faustkeil“ ist heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken zu besichtigen.

Hugenottenkirche

Hugenottenkirche

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Luisenthal

Luisenthal verdankt seinen heutigen Namen eigentlich dem guten Sprachgefühl der Bevölkerung. Im Jahre 1717 gründete eine wohlhabende Dame hier einen Hof und benannte ihn nach ihrer Tochter Louise „Louisenthal“. 1836 verfügte der Völklinger Bürgermeister, dass dieser östlichste Teil der Stadt „Obervölklingen“ heißen solle. Die Bevölkerung aber blieb bei dem schöneren Namen, und so gaben die Behörden nach über hundert Jahren nach: Seit 1951 heißt der Stadtteil wieder offiziell Luisenthal.

Der Ort hatte zwar zeitweise eine chemische Fabrik und eine Glashütte, bis heute entscheidend geprägt aber wurde er vom Bergbau. Die Bergverwaltung hatte hier sogar eine besondere Schule eingerichtet, in der die Töchter der Bergleute zu „tüchtigen“ Hausfrauen erzogen werden sollten.

Eine Gedenkstätte erinnert an eine der größten Katastrophe des Bergbaus: Im Februar 1962 kamen in Luisenthal bei einer Schlagwetterexplosion 299 Bergleute ums Leben. Ende 2007 zählte der Ort rund 1.670 Einwohner.

Denkmal für das Grubenunglück im Jahr 1962. Für jedes der 299 Opfer des Unglückes ein weißer Stein.

Denkmal für das Grubenunglück im Jahr 1962. Für jedes der 299 Opfer des Unglückes ein weißer Stein.

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Röchlinghöhe

Mit rund 1.400 Einwohnern ist die Hermann-Röchling-Höhe nach dem Stadtteil Fenne der zweitkleinste Stadtteil Völklingens. Die frühere „Bouser Höhe“ wurde 1956 nach Hermann Röchling, dem Besitzer der damaligen Völklinger Hütte, umbenannt. Röchling wollte die Stammarbeiter der Völklinger Hütte auf Dauer an das Unternehmen binden, indem er ihnen großzügige Hilfe zum Eigenheimbau gewährte.

Ab 1937 begannen die Arbeiten, größtenteils in Eigenleistung und nach der Schicht, wobei schon nach zwei Jahren die ersten 128 Häuser – jeweils zweigeschossig mit Garten – fertig gestellt waren. Die ursprüngliche Idee einer Kleinstadt konnte wegen des Krieges nicht konsequent verwirklicht werden.

Nach dem Krieg wurde der Ort immer mehr allgemein besiedelt. Die Bewohner genießen ihren ruhigen, mitten im Wald gelegenen Ort, wobei die üppige und liebevolle Gartengestaltung noch an das ursprüngliche Siedlungskonzept erinnert.

Überragt wird der Ort von der Kirche St. Konrad, die weit über das Saartal sichtbar ist.

Arbeitersiedlung

Arbeitersiedlung

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Wehrden

Nach Ludweiler ist der Stadtteil Wehrden mit 5.230 Einwohnern der zweitgrößte Völklingens. Wehrden ist einer der ältesten Siedlungen der Region. Im Jahre 1234 wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde zum ersten Mal erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Vermutlich geht er zurück auf das mittelhochdeutsche Wort „wert“, das eine Flussinsel bezeichnete. Die Saar konnte an dieser Stelle wegen Geröllaufschüttungen der Rossel leicht überquert werden, so dass der Ort eine zentrale Bedeutung erhielt, zumal sich hier mehrere Verkehrswege kreuzten. Zusätzlich stand im Bereich der heutigen Saarstraße eine Fähre zur Verfügung, die erst im Jahre 1869 ihren Betrieb einstellte, nachdem die preußische Regierung den Bau einer Brücke genehmigt hatte.

Saarufer in Wehrden

Saarufer in Wehrden

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Mit dem Aufschwung der Hütte und des Bergbaus im 20. Jahrhundert breitete sich das ehemalige Haufendorf vom Ortskern zu beiden Seiten der Schaffhauser Straße hinauf aus. Die Eigenständigkeit der Wehrdener Bevölkerung zeigte sich unter anderem in der Heftigkeit, mit der sie sich – mehr als alle anderen Gemeinden – im Jahre 1937 gegen die Eingemeindung wehrte. Während der Ort durch die Nähe zur Völklinger Hütte stark unter Schmutz und Lärm zu leiden hatte, wird Wehrden nach dem Erlöschen der Hochöfen im Jahre 1986 oft als „Aschenputtel“ der Stadtteile bezeichnet.

Durch ein Förderprogramm und das Engagement der Bevölkerung wird der Ortskern am Saarufer immer mehr zu einer touristischen Attraktion mit städtebaulichem Glanz. Dazu gehören auch der beliebte Saarradweg, die elegant gestaltete Schiffsanlegestelle und die unmittelbare Nähe zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Zum sommerlichen Saarfest kommen jedes Jahr mehrere zehntausend Besucher nach Wehrden.