Von 1910 bis 1919

Von 1910 bis 19192018-02-06T14:09:16+00:00

1910

übernachtete der »Hauptmann von Köpenick«, Wilhelm Voigt, im Gasthaus von Nikolaus Darimont in der Bismarckstraße Nr. 110 (später Gasthaus Jungfleisch).
Die Völklinger Hütte beschäftigte 4.789 Mitarbeiter, davon 4.302 Arbeiter und 487 Angestellte.
Zusammenschluss von Bürgern der Gemeinde Völklingen zum »Haus-, Wohnungs-und Grundeigentümerverein«.
Gründung der »Evangelischen Frauenhilfe Wehrden«.
Der Architekt und Hochschulprofessor, Caspar Lennarts aus Darm­stadt, erhielt auf der Weltausstellung in Brüssel die Goldmedaille für den Bau des Gymnasiums Völklingen.
Lorenz Trockle begann in Wehrden mit der Produktion von Schlackensteinen.
Zahl der Einwohner der Gemeinden der Bürgermeisterei Völklingen: Völklingen 18.104, Fürstenhausen 3.510, Wehrden 5.407, Geislautern 2.521, gesamt 29.542.

1911

Gründung des Vereins »Bürgerverein Völklingen«, mit Wahrung der Interessen für Haus-und Grundbesitz. Im Mai Zusammenschluss beider Vereine zum »Haus-und Grundbesitzverein “.
1. Oktober: Eröffnung der »Köllertalbahn« von Völklingen nach Lebach.

1912

wurde wegen des erhöhten Raumbedarfes die 1848 nach den Plänen von Regierungsbaurat Hoff aus Trier und dem Bauunternehmer Merz aus St. Johann erbaute St. Eligius-Kirche abgerissen. Der Neu­bau der St. Eligius-Kirche erfolgte an der Stelle, wo die alte Kirche gestanden hatte. Die Kirche wurde nach den Plänen des Mainzer Dombaumeisters Prof. Becker von dem Luisenthaler Bauunterneh­mer Richard Schmidt erbaut. Am 15. September wurde der Grund­stein gelegt und am 6. Juli 1913 wurde die neue St. Eligius-Kirche feierlich eingeweiht.
Hatte es zur Reichstagswahl Wahlkrawalle in Völklingen gegeben. Bürgermeister Sohns berichtete in einem Brief vom 24.4.1912 an Hermann Röchling, dass an diesen Krawallen Völklinger Hüttenar­beiter beteiligt gewesen seien, von denen sechs von der Strafkammer Saarbrücken abgeurteilt wurden und einer vom Schöffengericht Völklingen bestraft worden sei. Zwei Krawallmacher wurden freige­sprochen. Der Bürgermeister führte die Namen der neun Beteiligten an. Er bat Hermann Röchling, die neun genannten aus dem Arbeits­verhältnis zu entlassen, da »ich mir von dieser Maßnahme eine Wirkung für die Zukunft verspreche«.
Die Eigenerzeugung von Gas wurde eingestellt. Das Gaswerk blieb nur noch für Notfälle in Betrieb. Das Werk wurde zum 1. April an die Gasanstalt-Betriebsgesellschaft (GBG) verpachtet. Die GBG bezog das Gas von den Röchlingschen Eisen-und Stahlwerken.
Wurde die Stromversorgung in Völklingen kontinuierlich ausge­baut. Die Poststraße und Wilhelmstraße (1998 Rathausstraße ) wur­den an das Stromnetz angeschlossen.

1913

in Anbetracht der außerordentlichen Verdienste, die sich Herr Jus­tizrat Wilhelm Henrich um die Sparkasse erworben hat, beschloss die Gemeindevertretung am 26. Juli einstimmig, Herrn Justizrat Henrich zum Ehrenbürger der Gemeinde Völklingen zu ernennen.
Wurde von der Gemeindeverwaltung ein für die damalige Zeit recht ansehnliches, idyllisch am Köllertalerwald gelegenes Freibad erbaut.
Bau des 192 Meter langen Heidstock-Tunnels unter dem »Haar­berg«. Bei seiner Inbetriebnahme im Jahre 1914 entfiel die Gleiskreu­zung der »Köllertalbahn« in der Luisenstraße (Karl-Janssen-Straße) mit der Hauptbahn Saarbrücken-Völklingen.
Baubeginn der Saarbrücke Völklingen-Fürstenhausen vor dem ersten Weltkrieg; sie stand an der Stelle, an der die heutige Brücke steht. Am 1. Februar 1915 wurde die Brücke dem Verkehr überge­ben.
Gründung der »Evangelischen Frauenhilfe« Fürstenhausen-Fenne.
21. Juni: wurde das DRK Schwesternheim und das Kreisisolier­haus auf dem Heidstock feierlich eingeweiht.
13. September: Beginn der Leuchtgaslieferung der Völklinger Hütte an die Gemeinde Völklingen.

1914

Als am 2. August der erste Weltkrieg ausbrach, hatte die Reichsregierung in Berlin die politische Macht verloren. Das Militär bestimmte das Gesche­hen. Maßstab war der Schlieffen-Plan (Schlieffen, Alfred Graf von, Feld­marschall von 1883 -1913, Generalstabschef von 1891 -1905). Nach ihm sollte die französische Armee in zwei Monaten besiegt und Frankreich zur Kapitulation gezwungen werden.
Am 31. Juli ließ Kaiser Wilhelm II die Mobilmachungsorder für die deut­schen Streitkräfte verlesen.

Der Chefarzt des Röchling´schen Krankenhauses, Herr Dr. Zieles­sen, wurde vom Kaiser am 6. Mai zum Sanitätsrat ernannt.
Bau der »Waldschule« am Hasseleich.
1914 -1918: Von der Baugenossenschaft 04 wurde auf dem Wehrde­ner Berg eine Wohnsiedlung mit 34 Häusern mit 52 Wohnungen errichtet.
18. -20. Juli: Das 29. Gauturnfest des Saar-Blies-Gaues wurde in Völklingen auf dem neuen Kaiser-Wilhelm-Sport-und Spielplatz ausgetragen.
Bis vor dem zweiten Weltkrieg gründeten sich in der Gemeinde Völklingen sechs Löschzüge. Die Mannschaftsstärke der freiwilli­gen Feuerwehr betrug 275 Mann.

Gebr. Röchling Bank in der Wilhelmstraße im Jahr 1914

Das Knappschaftskrankenhaus, St. Josef-Krankenhaus, Real-Gymnasium, das kath. Vereins­haus und das Schlafhaus der Hütte wurden als Reserve-Kriegslazarett belegt.
3. August: wurde die Viktoria-Schule infolge des Kriegsausbruches auf Anordnung der Königlichen Regierung geschlossen. Die Räume im Gymnasium wurden vom dem Roten Kreuz zu Lazarettzwecken verwendet. Die Viktoria-Schule wurde in 7 Räumen der Volksschule in der Schulstraße untergebracht.
28. September: beschloss der Gemeinderat die Anlegung eines Ehrenfriedhofes.

1915

5. Januar: wurde an der Brücke nach Fürstenhausen von dem Brü­ckenwärter Knoblauch (ehemaliger Fährmann) Brückengeld erho­ben.

1916

um die Aussaat zu schützen, beschloss der Gemeinderat das Abschießen von Spatzen. Der Förster zahlte für jeden abgelieferten Spatz 10 Pfennige.
Der erste Fliegerangriff auf Völklingen erfolgte in der Nacht vom 10. auf 11. September. 13 Bomben wurden abgeworfen ohne Schaden anzurichten.
Auf dem Wehrdener Berg wurde eine Fliegerabwehrkanone aufge­stellt.
28. September: Der Kreisarzt Dr. Ledermann teilte dem Landrat mit, dass das Kreisisolierhaus auf dem Heidstock (Ecke Stählinger ­Klausenerstraße) zur Aufnahme von Ruhr-Kranken als Reserve-Lazarett zur Verfügung gestellt werden sollte. Zur Betreuung waren ein Arzt und zwei Schwestern aus Völklingen vorgesehen.
11. November: Fliegerangriff auf Völklingen. Im Mühlgewann kam dabei der Junge Georg Paul Grossmann zu Tode. Am Realgymnasi­um entstand nur Gebäudeschaden.
27. auf 28. Dezember: Fliegerangriff auf Völklingen. Der Material­schaden an den Gleisanlagen Völklingen-Saarbrücken und auf dem Hüttengelände war sehr hoch.
Zahl der Einwohner in der Gemeinde der Bürgermeisterei Völklin­gen: Völklingen 18.468, Fürstenhausen 3.500, Wehrden 5.400, Geis­lautern 2.781, gesamt 30.149.

1917

1. März: wurde der SPD Ortsverein Völklingen gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Völklinger Ludwig Weber gewählt.
Auf dem kleinen Kreuzberg in Völklingen, auf dem Hohberg in Fürstenhausen und auf dem Hirzeckberg in Geislautern wurden Fliegerabwehrkanonen aufgestellt.
3. März: wurde die Kondensation der Kokerei durch Fliegerbom­ben zerstört.
26. Mai: um 23:45 Uhr (Pfingstsamstag) Fliegerangriff auf Wehrden. Das Haus Rink in der Grabenstraße wurde total zerstört. Jakob Hau und die Kinder Eduard Steilen, Alois Becker, Johann Becker, Karl Becker kamen dabei zu Tode.
Wurde am Bahnhof eine DRK-Baracke aufgestellt und eingerichtet. In der Baracke waren 2 Schwestern und ein Pfleger tätig.
Bei einem Fliegerangriff auf Völklingen wurden einige Häuser in der Hofstattstraße und Bismarckstraße zerstört.
2. November: Errichtung von Unterständen zum Schutz gegen feindliche Fliegerüberfälle. Bereits vorhandene Schutzstellen, z. B. Bahnunterführungen, wurden hergerichtet.
Zahl der Einwohner in der Gemeinde der Bürgermeisterei Völklin­gen: Völklingen 19.936, Fürstenhausen 3.483, Wehrden 5.700, Geis­lautern 2.749, gesamt 31.869.

1918

29. Oktober: Die Matrosen der Hochseeflotte in Wilhelmshaven weigerten sich, zu einer letzten Schlacht auszulaufen.
9. November: rief der SPD Politiker Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstages in Berlin die »Deutsche Republik« aus. Abdankung des Kaisers und Thronverzicht des Kronprinzen: Das Kaiserreich ist zu Ende.
10. November: floh Kaiser Wilhelm II nach Holland ins Exil.
11. November: im Wald von Compiègne wurde zwischen der deutschen Führung und den alliierten Militärs ein Waffenstillstand abgeschlossen, der die Kampfhandlungen an der Westfront und damit den 1. Weltkrieg beendete. Die Friedensverhandlungen wurden in Frankreich geführt und enden am 28. Juni 1919 mit dem Versailler Vertrag.
Die Franzosen herrschten vom 22. November 1918 bis zur Ratifikation des Versailler Diktates am 10. Januar 1920 unbeschränkt im Saargebiet (Saar­land).
20. Dezember: in Berlin tagender Reichskongress der »Arbeiter und Solda­tenräte« endet mit dem Beschluss, am 19. Januar Wahlen zu einer deut­schen Nationalversammlung durchzuführen.

23. Mai: Fliegerangriff auf die Hütte und Völklingen. Bom­bensplitter trafen den Lazarettzug auf dem Bahnhof, wobei ein Bremser und eine Krankenschwester den Tod fanden. Am Bahn­hof selbst entstand kein Schaden.
Juli: fiel der Unterricht an den Schulen in Völklingen wegen nächtli­cher Luftalarme an 14 Tagen und im September an 6 Tagen teilweise aus.
30. September: Fliegerangriff auf Völklingen. Das Realgymnasium und einige Häuser in Völklingen wurden stark beschädigt.
22. November: zogen die französischen Besatzungstruppen in Völklingen ein. Die französische Einquartierung, die aus den Infan­terieregimenten 135, 165 und 183 mit 350 Pferden bestand, wurden in Bürgerquartieren und Schulsälen untergebracht. Für die 350 Pferde wurde der Walddistrikt 15a an der Püttlinger Landstraße zur Verfügung gestellt.
Der telephonische Fernverkehr wurde gesperrt, der Eisenbahn-und Postverkehr stark eingeschränkt und eine Postzensur eingerich­tet.
Bei der Überschreitung der beiden Brücken nach Wehrden und Fürstenhausen durfte niemand Geldscheine von 5 Mark und mehr mit sich führen.
Die beiden Völklinger Zeitungen trugen den Vermerk: »Erscheint mit Erlaubnis der französischen Militärbehörde«.
Die Gemeindevertretung wurde ins Rathaus gerufen, um Befehle französischer Kommandanten entgegenzunehmen.
Der Völklinger Bürgermeister Sohns wurde angeklagt und verhaf­tet und hat sich im Gefängnis in Saarbrücken am 20. Juli 1919 erschossen.

1919

24. März: Die Gemeindevertretung hat die Erhöhung der Lebens­mittelverkaufsstellen für rationierte Lebensmittel beschlossen. Im Bürgermeisterbezirk Völklingen sind an Lebensmittelverkaufsstellen vorhanden: Völklingen 74, Obervölklingen 9, Fenne 7, Fürstenhau­sen 10, Wehrden 31 und Geislautern 12. In diesen Verkaufsstellen gelangen sämtliche rationierten Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Zucker, Fett, Teigwaren, Graupen, Grieß und sonstige Nährmittel zur Abgabe an die Bevölkerung. Nur wenn es sich um leicht ver­derbliche Lebensmittel handelte, hat der Verkauf nur in Völklingen stattgefunden.
7. April: kam wegen Lohndifferenzen auf den Saargruben ein Gene­ralstreik zum Ausbruch. Etwa 400 Bergleute wurden verhaftet und ausgewiesen.
Das Verhältnis zur Besatzungsmacht war von Anfang an kühl und wurde durch zahlreiche Ausweisungen noch gespannter. Es ver­schlechterte sich erheblich, als es am 7. Oktober zum Generalstreik mit Tumulten und Plünderungen kam.
Einwohnerzahl der Gemeinden der Bürgermeisterei Völklingen: Völklingen 19.805, Fürstenhausen 3.372, Wehrden 6.160, Geislautern 2.964, gesamt 32.701.