Die Völklinger Bürgermeister

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Die Völklinger Bürgermeister2018-01-09T08:32:53+00:00
Die Völklinger Bürgermeister

Fulcolingas Band 1

ROLAND ISBERNER
unter besonderer Mitarbeit
von CHRISTIAN REUTHER

Die Völklinger Bürgermeister
von Jakob Kühlwein bis Raymund Durand

Biografische Skizzen

Grußwort von Oberbürgermeister Klaus Lorig

Oberbürgermeister Klaus Lorig

Oberbürgermeister Klaus Lorig

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Sie halten den ersten Band der neuen stadtgeschichtlichen Reihe „Fulcolingas“ unseres Stadtarchivs in den Händen. Der Reihentitel lehnt sich an die erste Erwähnung des Ortes Völklingen aus dem Jahre 822 an, als Kaiser Ludwig der Fromme, ein Sohn Karl des Großen, die Förster der Vogesen von gewissen Diensten und Leistungen befreite. Fast 1200 Jahre ist es her, dass diese Urkunde in dem kleinen königlichen Hofgut Fulcolingas ausgestellt wurde. Der Name leitet sich von dem Personennamen Fulkilo ab und deutet eine Entstehung des Ortes in frühfränkischer Zeit an. Der Ortsname bedeutet daher soviel wie Siedlung des Fulkilo.

Das Interesse an der Geschichte unserer Stadt hat sich in den letzten Jahren merklich vergrößert. Durch die vielen Veranstaltungen und Veröffentlichungen unserer Volkshochschule und die gute Arbeit unseres Stadtarchivs, das die Basis für die Erforschung unserer Ortsgeschichte bildet, sind Grundlagen geschaffen worden, um dieses Verlangen nach der eigenen Geschichte zu befriedigen.

Der erste Fulcolingas-Band beschäftigt sich mit einer umfangreichen Reihe meiner Amtsvorgänger sowie Beigeordneten und Amtsverwaltern, die in dem seit 1876 errichteten heutigen Alten Rathaus ihren Dienstsitz genommen hatten. Der Autor Roland Isberner, der durch unser Stadtarchiv vielfältig und tatkräftig unterstützt wurde, umspannt bei seinen Betrachtungen somit einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren Völklinger sowie deutscher und saarländischer Geschichte. Beginnend mit Verwaltungsoberhäuptern der preußischen Zeit werden auch Bürgermeister der Völkerbundszeit, des Nationalsozialismus, der erneuten Saar- und der bundesrepublikanischen Zeit in dreißig akribisch zusammengetragenen Kurzbiografien vorgestellt und so manches unbekanntes an das Tageslicht gebracht.

Mehrere Straßenschilder und Plätze in Völklingen tragen die Namen ehemaliger Bürgermeister. Doch können viele mit den Genannten keine Verbindungen knüpfen. Das vorliegende Werk bietet einen ersten Zugang zu den Personen, die die Geschicke unserer Heimatgemeinden gelenkt haben.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Blättern oder Lesen des Buches und hoffe, dass Sie die ein oder andere neue Erkenntnis gewinnen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Oberbürgermeister Klaus Lorig

Fulcolingas – Schwerpunkte Völklinger Stadtgeschichte

VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner

Karl-Heinz Schäffner

Christian Reuther

Christian Reuther

Die Ersterwähnung des Ortes Völklingens in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen am 27. Oktober 822 steht Pate für die Namensgebung einer neuen Publikationsreihe des Völklinger Stadtarchivs. Im Gegensatz zu den bereits existierenden „Völklinger Schätzen“, die weitergeführt werden, widmet sich die Reihe „Fulcolingas“ ausführlicher einzelnen Themenschwerpunkten der Völklinger Stadtgeschichte.

Mit der neuen Reihe stellen wir uns der Aufgabe, die vielen vorhandenen Lücken in der lokalen Geschichte zu schließen. Dabei ist eine Auseinandersetzung nur möglich, wenn eine solide Quellenbasis vorhanden ist. Diese, zumindest für den Bereich der Stadt Völklingen, zu schaff en ist Aufgabe des Stadtarchivs. Seit 2006 ist das Archiv durch eine Neuausrichtung intensiv mit der Erfassung und Erschließung der alten Aktenbestände beschäftigt, um Heimatforschern und der wissenschaftlichen Forschung gleichermaßen das benötigte Material zur Verfügung zu stellen. Durch die Einwerbung nichtamtlicher Unterlagen, die stellenweise als Gegenpol zum amtlichen Archivgut angesehen werden können, erweitert sich das Überlieferungsprofil und somit der Erkenntnishorizont über die Vergangenheit Völklingens und ihrer Stadtteile. Wenig genutzt wird bislang die alte Überlieferung des 1974 aufgelösten Amtes Ludweiler. Auch hier bestehen noch viele Möglichkeiten, die Heimatgeschichte aufzuarbeiten. Daneben kann dieser Bestand ergänzend für andere Kommunen, die im ehemaligen Landkreis Saarbrücken lagen, herangezogen und ausgewertet werden.

Das Autorenspektrum der Fulcolingas-Reihe soll dabei vom Heimatforscher bis zum Wissenschaftler reichen. Die Gestaltung der Bände hat dabei stets interessierte Bürgerinnen und Bürger im Blickfeld, weswegen die Texte umfangreich bebildert werden. Der wissenschaftliche Apparat soll jedoch auch weiterführende Diskussionen und Auseinandersetzungen ermöglichen. Das Spektrum von Fulcolingas wird sämtliche Epochen der Stadtgeschichte abdecken, wobei jedoch der momentanen Quellensituation geschuldet, Schwerpunkte auf dem 19. und 20. Jahrhundert liegen werden.

Karl-Heinz Schäffner und Christian Reuther

Einleitung durch Roland Isberner

Roland Isberner

Roland Isberner

Geht man durch die Innenstadt von Völklingen, trifft man auch auf Straßennamen, mit denen Ortsfremde nichts anfangen können, die aber vielen Völklingern durchaus geläufig sind, so der Otto-Hemmer-Platz oder die Cloos-, Kühlwein- und Karl-Janssen-Straße. Die meisten Alteingesessenen werden es wissen, die weniger Kundigen erfahren über die angefügten Begleitschilder, dass es sich um frühere Bürgermeister von Völklingen handelt. Kommt man bei einem Spaziergang durch den oberen Teil der Klein’schen Anlagen, wird man am dort befindlichen Gedenkstein wegen der schlecht lesbaren Beschriftung aber nicht ohne weiteres erkennen, dass er an den Bürgermeister Jakob Kühlwein erinnert. Ähnlich sieht es aus im Bürgerpark, dem früheren Gemeindefriedhof. Dort findet man keinen Hinweis, dass unter den vorhandenen Grabsteinen auch die von Jakob Kühlwein und Karl Janssen stehen. Darüber hinaus ist eigentlich nur wenig – auch in der Literatur – über die Völklinger Bürgermeistern bekannt. Diese Lücke soll das Buch schließen.

Die Reihe der hier gesammelten Biografien beginnt mit der Amtsausübung von Bürgermeistern im ersten Gemeindehaus und endet mit der offiziellen Indienststellung des neuen Rathauses, der ersten Ratssitzung am 28. März 1972. Eingeschlossen in die Betrachtung habe ich neben den offiziellen Bürgermeistern auch die kommissarisch eingesetzten Bürgermeister sowie diejenigen, die entweder als erster Beigeordneter in der Vakanz bis zur Neuwahl oder während der Zeit einer Abwesenheit durch Krankheit oder Kriegseinsatz eines Bürgermeisters die Geschäfte der Bürgermeisterei weitergeführt haben.

Das Buch beginnt mit Jakob Kühlwein, dem wohl bekanntesten der älteren Bürgermeister, der am 15. Dezember 1876 die erste Gemeinderatssitzung im Sitzungssaal des neuen Gemeindehauses, der baulichen Keimzelle des heutigen Alten Rathauses, mit einer Ansprache eröffnete. Den Abschluss macht Raymund Durand, der als der Letzte in dieser Reihe sein Amt im Alten Rathaus ausübte, damals noch als Bürgermeister unter Oberbürgermeister Hans Fischer.

Einer der Gründe, das chronologische Feld dieses Buches zur jüngeren Zeit hin einzugrenzen, besteht darin, dass für die Einsicht in die Archivakten zu Personen genau festgelegte Schutzfristen bestehen. Sie betragen für Archive im Saarland mindestens zehn Jahre nach dem Tod. Weit einengender sind die Schutzfristen für die Standesamtsakten, nämlich 110 Jahre für Geburtenregister und dreißig Jahre für Sterberegister. Für die heute noch lebenden ehemaligen Bürgermeister bestand also gar keine und bspw. für Fischer und Durand nur eine begrenzte Einsichtsmöglichkeit in die aufbewahrten Personalakten. Die andere zeitliche Eingrenzung, nämlich die ältere Zeit vor Kühlwein nicht in die Betrachtung einzubeziehen, ergab sich zwangsläufig aus dem Wunsch, in überschaubarer Zeit zu einem Abschluss des Buches zu kommen.

Will man Näheres über unsere Bürgermeister erfahren, wird man nur wenig in den verschiedenen stadtgeschichtlichen Publikationen finden. Eine selektive Anzahl meist kurzer, aber guter Beschreibungen findet man in dem Buch „Völklingen. Vom Königshof zur Hüttenstadt“, 1950 geschrieben von Hanspeter Buchleitner. Hier fand ich den Grundstein für meine anfänglichen Nachforschungen, der zunächst lediglich aus einer tabellarischen Auflistung bestand.

Die insgesamt aufgewandten Arbeiten sind rückblickend kaum noch zu überschauen. Man muss sich vorstellen, dass neben den einfachen Nachforschungen in den Archiven, hier vordringlich im Landesarchiv in Saarbrücken-Scheidt, umgehend die Suche in den verschiedenen Rathäusern und Standesämtern nach den Personalakten und genealogischen Urkunden begann. In der Regel habe ich da große Unterstützung erfahren, was mich immer wieder zum Weitermachen ermutigte. Hier darf ich besonders die häufige Hilfe der Herren Michael Sander und Peter Wettmann-Jungbluth vom Landesarchiv Saarbrücken dankend erwähnen.

Bei der Suche nach Daten zeigte sich, dass im Detail in diversen Publikationen der so genannten Sekundärliteratur immer wieder Fehler oder Widersprüche entdeckt wurden, die dazu zwangen, sich Kopien der Originaldokumente zu beschaffen, also z. B. die Geburts- oder Sterbeurkunden. Andererseits ergab sich bei fehlenden Daten, wie bspw. bei dem kaum bekannten Fritz Haas, der nach Bürgermeister Sieberin kurze Zeit die Amtsgeschäfte der Stadt Völklingen führte, die ebenso zeitraubende wie undankbare Aufgabe, eine Spur nach der anderen zu verfolgen. Bei Haas waren das alleine um die dreißig Anfragen an Archive und Gemeinden – meistens ergebnislos.

Ein nicht geringer Teil der Arbeit bestand darin, Nachkommen unserer ehemaligen Bürgermeister ausfindig zu machen. Nicht immer von Erfolg gekrönt, aber manchmal doch mit einem sehr erfreulichen Ergebnis, wie z. B. bei Karl Janssen mit dem Auffinden seiner Tochter und seines Enkels.

In den letzten Monaten hat mich sehr erfolgreich unser Stadtarchivar Herr Christian Reuther unterstützt. Er hat mit sehr viel eigenem Einsatz zu vielen Punkten mitgeholfen, das Buch inhaltlich zu erweitern und redaktionell für den Druck vorzubereiten. Auch konnten erst durch seinen Einsatz im Völklinger Stadtarchiv, aber auch in anderen Archiven, in diversen Akten zahlreiche weitere Details gefunden werden, die zum Thema der Bürgermeister gehörten und ich allein nicht entdeckt hätte. Große Freude hatten wir beide, als 2014 im Stadtarchiv die bis dahin in Vergessenheit geratenen Ambrotypien von Jakob Kühlwein und seiner Frau aus der Zeit um 1855 aufgefunden wurden. Wir meinen, dass sie eine nicht unbeträchtliche Aufwertung des Buches bedeuten!

Trotz umfangreichem Suchen und Aufwand ist es schließlich nicht gelungen, alle Fragen zu beantworten und einzelne Vorgänge, bspw. die Umstände hinsichtlich des Todes von Bürgermeister Sohns, vollständig zu klären oder die eine oder andere genealogische Lücke zu schließen. Unbefriedigend ist auch die Tatsache, dass von Bürgermeister Carl Stürmer bisher kein gutes Foto gefunden wurde. Ebenso wenig konnte für den 1921/22 amtierenden Fritz Krawutschke eine Aufnahme ausfindig gemacht werden, auch wenn angenommen werden darf, dass im Historischen Archiv der AG der Dillinger Hütte eine solches existiert.

Das Buch mag als Anstoß dienen, diese Punkte zu vervollständigen. Besonders wünschenswert wäre es natürlich, wenn anschließend auch die Biografien der Völklinger Bürgermeister vor Kühlwein erforscht und veröffentlichungsreif ausgearbeitet werden könnten.

Völklingen, im Januar 2015
Roland Isberner

Übersicht über die (Ober-)Bürgermeister, Amtsverwalter und die Bürgermeistergeschäfte führenden Beigeordneten

1851 – 1879Jakob KÜHLWEIN
(16. März 1820 – 20. Oktober 1879)
Bürgermeister
1879Ferdinand FRANZ
(15. Oktober 1828 – 19. Januar 1885)
Ehrenamtlicher Beigeordneter
1879 – 1903Carl STÜRMER
(27. März 1843 – 12. September 1917)
Bürgermeister
1903Louis RÖCHLING
(21. Dezember 1863 – 6. September 1926)
Ehrenamtlicher Beigeordneter
1903 – 1908Siegfried CLOOS
(14. Mai 1854 – 23. Februar 1908)
Bürgermeister
1908Otto JOST
(15. November 1865 – 27. Mai 1935)
Besoldeter Beigeordneter
1908 – 1919Friedrich SOHNS
(7. Dezember 1870 – 20. Juli 1919)
Bürgermeister
1914 – 1920Otto KLONZ
(13. Dezember 1865 – 10. Juli 1951)
Besoldeter Beigeordneter
Paul KONDRUHN
(6. Oktober 1885 – 12. Februar 1939)
(Bürgermeister)
1920 / 1921Josef SCHULTES
(30. September 1872 – 25. September 1962)
Ehrenamtlicher Beigeordneter
1921 – 1922Friedrich Otto KRAWUTSCHKE
(25. Juli 1874 – 19. Dezember 1953)
Bürgermeister
1921 / 1922Otto HEINRICHS
(2. November 1893 – 21. März 1953)
Amtsverwalter
1922Robert STUMM
(11. Januar 1884 – 15. Juli 1942)
Ehrenamtlicher Beigeordneter
1922 – 1933Karl JANSSEN
(19. Mai 1878 – 29. April 1933)
Bürgermeister
1933Dr. Walter MÜLLER
(16. August 1902 – 22. August 1976)
Besoldeter Beigeordneter
1933 – 1936Josef SIEBERIN
(14. Juni 1886 – 24. August 1937)
Bürgermeister
1936 / 1937Fritz HAAS
(6. Juli 1903 – 30. August 1977)
Amtsverwalter
1937Julius WEBER
(18. Juli 1904 – 15. Januar 1942)
Bürgermeister
1937 – 1941/1945Dr. Helmut EDER
(8. Mai 1902 – 3. Januar 1960)
Bürgermeister
1941 – 1942 / 1943 – 1945Dr. Johann LATZ
(1. Juli 1890 – 27. November 1963)
Bürgermeister (Geschäftswahrung)
1942 – 1943Karl GRAF
(13. März 1895 – 5. Juni 1964)
Bürgermeister (Geschäftswahrung)
1945Franz BRAß
(9. März 1891 – 12. Februar 1953)
1945Wilhelm LIMBURG
(4. August 1889 – 13. Oktober 1958)
Bürgermeister
1945 – 1946Ernst KUNKEL
(17. Mai 1908 – 29. April 1984)
Bürgermeister
1946 – 1949Dr. Anton TINNES
(2. April 1899 – 12. August 1983)
Bürgermeister
1949 – 1956Rudolf TRENZ
(10. Juni 1882 – 6. Januar 1966)
Bürgermeister
1956Heinz SPECHT
(5. Januar 1920 – 18. Mai 2001)
Ehrenamtlicher Beigeordneter
1956 – 1968Otto HEMMER
(19. März 1912 – 25. Dezember 1968)
Bürgermeister und Oberbürgermeister
1965 – 1974Hans FISCHER
(10. September 1913 – 7. Dezember 2002)
Bürgermeister und Oberbürgermeister
1968 – 1989Raymund DURAND
(4. Februar 1924 – 20. November 2008)
Bürgermeister und Oberbürgermeister