Von 1940 bis 1949

Von 1940 bis 19492018-02-06T14:13:06+00:00

1940

9. April: Beginn der deutschen Aggression gegen Dänemark und Norwegen.
10. Mai: mit dem Überfall Deutschlands auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg begann auch der »Frankreichfeldzug«.

Im Dezember und Januar wurden die Hüttenleute aus der Evaku­ierung zurück beordert.
13. März: Das Thomas-Stahlwerk und weitere Walzenstraßen wur­den wieder in Betrieb genommen.
14. März: hatte ein unerhört starker Orkan den Kamin der Tiefofen­anlage umgeworfen. Die niederstürzenden Massen richteten erheb­lichen Schaden an. Neben den Verletzen wurde der Tod von sieben Belegschaftsmitgliedern beklagt. Das Stahlwerk mußte stillgelegt werden und konnte erst am 26. März wieder in Betrieb gehen.
Ein Artilleriegeschoss der Franzosen zertrümmert am Pfingstmon­tag das Musikgeschäft Oberhofer in der Bismarckstraße.
10./11. Juni: 32 Brandbomben wurden auf die Hütte abgeworfen. Schaden entstand nicht. Der französische Heeresbericht vom 11. Juni meldete darüber: Unsere Geschwader haben Bombardements aus­geführt über den Gebieten Mannheim, Neustadt, Frankfurt und über den Hochöfen von Völklingen.
August: trafen die ersten Familien aus den Bergungsgebieten in Völklingen ein.
Herbst: Die ersten Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten wurden in Völklingen eingerichtet. Später wurden auch Lager für sowjetische Kriegsgefangene sowie Lager für Zwangsarbeiter errichtet.

Standtorte der Lager in Völklingen:

  • Lager Ost I Louis-Röchling-Straße
  • Lager Ost II
  • Lager hinter dem Schlafhaus
  • Lager Nauweiler Gewann
  • Lager Bismarckstraße
  • Lager Schule Wilhelmstraße 30
  • Lager Wehrden
  • Lager Geislautern
  • Lager Le Hoc
  • Lager Bismarckstraße 44
  • Lager Schulzenfeld
  • Lager Kraftwerk Fenne
  • Lager Reichsbahn Völklingen
  • Lager Firma Tacke
  • Lager Fenne
  • Lager Am Leh
  • Lager Glashütte Fenne (Fa. Kreis)
  • Lager Saal Theis, Bismarckstraße
  • Lager Roma, Bismarckstraße
  • Lager Bürgerbräu am Alten Markt
  • Lager Drahtwerke Luisenthal
  • Lager Firma Wuppermann, Bismarckstraße
  • Lager Firma Trockle (Wehrden)
  • Lager Obervölklingen
  • Lager Firma Hafner (Fürstenhausen)
  • Lager Heimer Lager Rotenhof (Am Schutt)
  • Lager Katholisches Vereinshaus
  • Lager Dyckerhoff & Widmann

1941

11. Februar: Das deutsche Afrikakorps war in Nordafrika gelandet.
6. April: Beginn des deutschen Überfalls auf Jugoslawien und Griechen­land.
22. Juni: Hitlerdeutschland begann den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.
1. Oktober: Auf Verfügung des Reichsstatthalters in der Westmark wurde ab sofort die deutsche Normalschrift (Latein) gelehrt.
November: Einschließung der 6. Armee und von Teilen der 4. Panzerarmee bei Stalingrad durch die Sowjetarmee.

Dr. Johann Latz, geb. am 1.7.1890 in Saarwellingen und verstorben am 27. 11.1993 in Saarbrücken, Bürgermeister in Sulzbach, vertrat die Bürgermeisterstelle in Völklingen.

1942

der Winter 1941/42 war ein kalter Winter, mit Temperaturen um -20°. An vielen Orten war die Brennstoffbeschaffung mit Schwierig­keiten verbunden. Die Saar und der Köllerbach waren auch in Völk­lingen zugefroren.
Es fielen mehrere Brandbomben in die Etzelstraße.
Im August wurden die Flakstellungen der Flakuntergruppe Völk­lingen, Schw. Flak-Abt. 623-8.8cm in der Püttlingerstraße, hinter der Schubertstraße, Bouser Höhe, Wehrdener-Berg, Fürstenhausen-Klarenthal und Heidstock besetzt.
Lehrlinge der Fa. Röchling und der Fa. Kreis und Schüler der Ober­tertien vom Gymnasium Saarlouis besetzten als Luftwaffenhelfer mit die Stellungen der 2 cm Heimatflak Kreuzberg, Parkhaus, (Schil­lerpark), Beethovenstraße, Bunker am Schulzenfeld, Bau 120 Hütte, Brücke Fürstenhausen und Wehrden.
11. Dezember: Zum 70. Geburtstag wurden Hermann Röchling die Ehrenbürgerrechte der Stadt Völklingen verliehen.

1943

Eine Stollenanlage gegen Fliegerangriffe und als Splitterschutz wurde unter dem Hindenburgplatz erbaut. Ein-und Ausgänge waren an den vier Ecken des Hindenburgplatzes.
28. Februar – 4.März: Alle Schulen wurden zwecks Einsparung von Brennmaterial an diesen Tagen geschlossen. Fliegeralarm bei Tag und Nacht.

1944

6. Juni: Landung der westalliierten Truppen in der Normandie. Die zweite Front existierte nun.
Herbst: Die Front im Westen hatte die Mosel im Bereich Thionville, Metz, Nancy erreicht.
In den ersten Novembertagen wurden die ersten Volkssturmeinheiten mit Männern ab 16 und über 60 Jahren zusammengestellt.

11. Mai: Bei einem Luftangriff auf den Völklinger Bahnhof , der nicht getroffen wurde, fielen die Bomben in den Haller in Wehrden. 15 Häuser wurden total zerstört und 55 schwer beschädigt. 24 Tote gab es zu beklagen. Im Bunker der Fa. Riewer kamen die meisten Familienmitglieder zu Tode. Vier Bomben fielen rechts und links der Püttlinger Landstraße, hinter dem Gasthaus »Wildpark«.
22. Mai: Wiederum Luftangriff auf Wehrden, ca. 150 Bomben fielen, es entstand großer Sachschaden.
23. Mai: Luftangriff auf Fürstenhausen-Fenne, ca. 250 Spreng-und Brandbomben wurden abgeworfen. Vermutlich sollte der Bahnhof Fürstenhausen getroffen werden. Glücklicherweise fielen die meis­ten Bomben aufs freie Feld. Fünf Tote waren zu beklagen.
16. Juli: An einem Sonntag um 9.30 Uhr Luftangriff auf Völklingen. Mehrere Jagdbomber griffen die Hütte und das »Fremdarbeiterla­ger« im Nauweiler-Gewann an. 14 russische Kriegsgefangene und Fremdarbeiter kamen zu Tode. Eine Bombe fiel auf den Bunker am Eisweiher. Personenschaden war nicht zu beklagen. Drei Bomben fielen auf die »Bouser Höhe«; eine Bombe auf den Bunker am Sport­platz, zwei Bomben fielen in das Wohngebiet der Grazer Straße, Steiermark Straße, Kärntener Straße (heute Merziger Straße), Worm­ser und Dillinger Straße. Die Häuser wurden schwer beschädigt,  einige total zerstört.
Waren in der Stadt Völklingen 72 Zivilopfer durch Fliegerangriffe und Artilleriebeschuss zu beklagen. 40 in Völklingen, 7 in Luisent­hal, 6 in Fürstenhausen, 19 in Wehrden.
September: wurden Frauen, Hitler-Jugend und alle Männer bis 65 Jahre zum Schanzen von Panzergräben dienstverpflichtet.
15. und 17. Oktober: Durch zwei Bombenangriffe wurden mehrere Häuser in der Saarbrücker Straße und »In der Humes« zerstört. Menschenleben waren nicht zu beklagen.
Oktober: Die Völklinger Hütte wurde stillgesetzt. Nur eine 100 Mann starke Notbelegschaft verblieb auf der Hütte.
November: Viele Völklinger verließen zum zweiten Mal ihre Heimat. Die Stadt lag unter beständigem Artilleriebeschuss, wobei großer Schaden an Wohnhäusern, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen entstand.
1. Dezember: Da die Kampffront näherrückte, wurden die letzten Einwohner zum zweiten Mal ins Reichsinnere evakuiert. Viele blie­ben jedoch in Völklingen zurück. Im Knappschaftskrankenhaus verblieb eine Notbelegschaft. Das St. Michael-Krankenhaus wurde als Verbandsplatz eingerichtet. Sanitäter holten die Verwundeten aus den vordersten Linien. Nachdem sie hier den ersten Verband er­halten hatten, wurden sie zum Hauptverbandsplatz nach Humes gebracht.

Der zerstörte Brückenkopf in Wehrden im Jahr 1945

3. Dezember: Das Postamt Völklingen wurde nach Lam­brecht in der Pfalz evakuiert.
6. Dezember: Deut­sche Truppen räum­ten Geislautern, amerikanische Trup­pen rückten ein. Geislautern wurde Kampfgebiet.
Dezember: Die Eisenbahnbrücke nach Hostenbach wurde von Pionieren der Wehrmacht gesprengt.
24. Dezember: Einwohner von Geislautern wurden auf Anordnung der US-Truppen nach Lauterbach und St. Avold evakuiert.
28. Dezember: wurden Karl Theodor Röchling und Heinrich Koch in einer Motorgrube der Schwellenadjustage ermordet aufgefunden.

1945

4. Mai: Bildung eines Regierungspräsidiums in Saarbrücken, das dem zwei Tage danach gebildeten Oberpräsidium Mittelrhein-Saar mit dem Sitz in Neustadt a. d. Weinstraße unterstellt wurde.
7./8. Mai: Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands in Reims im Hauptquartier von US-General Dwight D. Eisenhower, dem Oberbefehlshaber der alliierten Truppen in Europa, wurde die Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht gültig. Die Einstellung aller Kampfhandlungen sollte am 8. Mai um 23:01 Uhr erfolgen.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai wurde in der militärischen Schule in Berlin Karlshorst beim Oberkommando der Roten Armee der Kapitula­tionsakt wiederholt. Mit dieser Unterzeichnung war der 2. Weltkrieg in Europa beendet.
Das Land, das in Besatzungszonen eingeteilt wurde, war ein Trümmerhau­fen. Der deutsche Staat existierte nicht mehr. Die Zukunft für das zerstörte Land schien hoffnungslos.
25. Juli: Lösung des Regierungspräsidiums in Saarbrücken aus der Unter­stellung gegenüber dem Oberpräsidium Mittelrhein-Saar und Erhebung zur obersten Zivilbehörde des Saarlandes.
29. Juli: die französische Militärregierung übernahm die Verwaltung des Saarlandes. Aufgabe des Bürgermeisters war es, die überkommenen Ver­hältnisse erträglich zu machen.
30. Juli: Der französische Oberkommandierende in Deutschland unterstell­te die Röchling´schen Eisen-und Stahlwerke GmbH in Völklingen und alle in der französischen Zone gelegenen Vermögenswerte der Leitung und Befehlsgewalt der französischen Militärregierung.
31. Juli: Das Saargebiet stellte eine eigene verwaltungsmäßige Einrichtung dar.
30. August: Ernennung von Oberst Gilbert Grandval zum Délégué Supé­rieur pour le Gouvernement de la Sarre.
1. September: Bildung der »Direction de l’ Eco­nomie et des Finances« im Saargebiet.
18.September: Georges Thédrel wurde zum Administrateur Séquestre über die Röchlingwer­ke ernannt.

20. September: Errichtung einer Landesversiche­rungsanstalt für das Saargebiet.
27. Dezember: Errichtung der Saarknappschaft.
31. Dezember: Errichtung eines Oberversiche­rungssamtes für das Saargebiet.

1. Januar: Carl-Theodor Röchling und Heinrich Koch wurden auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt.
Januar: Tägliche Jabo-Angriffe auf Völklingen. Sie schossen mit Bordwaffen auf alles, was sich bewegte. Motorisierte 2 cm Flak fuhr durch die Straßen von Völklingen. Die Leute, die in Völklingen zurückgeblieben waren, versorgten sich zum Teil mit Lebensmitteln aus dem Lager von Schwarz & Zinke. Viele Bewohner suchten Zuflucht im Josefs-Haus und in St. Michael. Im Keller vom Amtsgericht war die Wehrmachtskommandantur untergebracht. Nach US ­Luftaufnahmen vom Januar 1945 waren alle Brücken in Völklingen gesprengt. Das im Bahntunnel auf dem Heidstock stehende Eisen­bahngeschütz schoss mehrmals täglich. Geislautern und Wehrden hatten schwer unter der zweimaligen Eroberung durch amerikani­sche Truppen gelitten. Der Sachschaden war sehr hoch, viele Häuser waren total zerstört. Im März nahm der Artilleriebeschuss auf Völ­klingen zu. Schwere Einschläge im Krankenhaus St. Michael und in der Stadt.

19. März: Amerikanische Truppen waren an allen Seiten durchge­stoßen. In aller Eile verließen deutsche Soldaten Völklingen und zogen durchs Köllertal. Die Bahnbrücke am Ortseingang Püttlingen wurde morgens um 9.00 Uhr gesprengt.
20. März: Morgens um 9.00 Uhr wurde Völklingen von amerikanischen Truppen kampflos besetzt. Eine Offiziersabordnung setzte sich mit Verwaltungsdirektor Wilhelm Limburg in Verbindung. Die amerikanische Militärregierung ernannte Wilhelm Lim­burg zum Bürgermeister der Hüttenstadt. Wilhelm Limburg wurde 4. August 1889 in Dudweiler geboren und starb am 13. Okto­ber 1958 in Völklingen.
Pfarrer Jakob von der ev. Kirche sprach mit 1944-1945 dem Kommandanten, der eine kirchliche Betätigung erlaubte. Der amerikanische Stadtkommandant und die Soldaten waren im Realgymnasium untergebracht. Die Küche für die Soldaten stand im Gasthaus »Goldener Stern«.
Im März wurden alle Bäume rechts und links der Straße vom Stadi­on bis zur Schubertstraße wurden abgesägt, um das Landen eines kleinen Flugzeuges zu ermöglichen. Der Stellplatz für das kleine Flugzeug war unterhalb der Treppe in der Schubertstraße.
Einführung der Sperrstunde, von 19.00 bis 7.00 Uhr.

Frühjahr 1945: Die Völklinger Bürger Franz Braß und Wilhelm Kiefaber riefen etwa im April im Namens einer »Vereinigten Kom­munistischen und Sozialdemokratischen Partei, Ortsgruppe Völklin­gen« zur Beendigung des Krieges auf.
Amerikanische Truppen verteilen die Proklamation Nr. 1 an die Bevölkerung.
22. Mai: Gegen 14.00 Uhr fuhr ein Pferdewagen in der Saarstraße auf ein Mine, dabei kam Elisabeth Schulligen (Krämer) zu Tode Nach diesem Unfall wurde die Saarstraße von Minen geräumt.
Mai: Bau einer Notbrücke über die Saar.
30. Juni: Von den fünf großen Hütten war im Jahr 1945 nur die Völk­linger Hütte betriebstüchtig. Das Werk kam unter Leitung und Befehlsgewalt des Gouvernement Militaire (Décision Nr. 10b). Zum Sequesterverwalter wurde Georges Thédrel ernannt. Belegschaft der Hütte: 1.772 Arbeiter, 413 Angestellte, insgesamt 2.185 Mitarbei­ter. Der Beschäftigungsgrad erreichte zu diesem Zeitpunkt 30 %. Die Ernährungsgrundlage war mehr schlecht als recht und sogar bedrohlich mit Blick auf Kinder und Kranke.
10. Juli: Die amerikanische Besatzung wurde von den Franzosen abgelöst. Die letzten Amerikaner verlassen Ende August, Anfang September Völklingen. Die französische Militärregierung ernannte Ernst Kunkel, SPD, zum Bürgermeister von Völklingen. Ernst Kun­kel wurde am 17. Mai 1908 in Dudweiler geboren und verstarb am 29. April 1984 in Dudweiler. Verwaltungsobersekretär, 1946 Oberre­gierungsrat bei der Verwaltungskommission des Saarlandes, 1947 Abgeordneter im 1. Saarländischen Landtag, später Ministerialdi­rektor im Innenministerium.
19. Juli: Erhebung von Brückengeld. Zur teilweisen Finanzierung der bereits entstandenen und der noch bevorstehenden Ausgaben ist die Erhebung eines Brückengeldes notwendig. Für das Passieren der Notbrücke bei Fürstenhausen und Wehrden sind ab 23. Juli bis auf Weiteres die Gebühren festgesetzt worden.
Hermann Röchling wurde von US-Truppen als Kriegsverbrecher verhaftet und längere Zeit in Nürnberg in Haft gehalten, aber nicht angeklagt. Im Laufe des Jahres 1947 wurde er an die französische Besatzungsmacht ausgeliefert.
6. August: Straßenumbenennung in der Stadt Völklingen.
Juli/August: Franzosen besetzten das St. Michael-Krankenhaus, das Parkhaus, das Finanzamt; der ganze Marktplatz war eingezäunt bis Lager Gusenburger.

Im Haus Henkes in der Bismarckstraße war die Ostkommandantur untergebracht. Der Stadtkommandant der Franzosen wohnte im Haus von Rechtsanwalt Ludwig Daub in der Schlagetherstraße. Das Direktorenhaus vom Realgymnasium war das Offizierskasino. Im Haus von Walter Hacker in der Danziger Straße 14 war die Sûre­té untergebracht; hier mussten sich alle heimkehrenden Soldaten melden. Die ehemaligen NSDAP-Mitglieder mussten wöchentlich erscheinen.
Chef der Sûreté war Monsieur Roth, der mit seiner Familie im Haus von Friedrich Konter, Danziger Straße 39, wohnte. Im Haus von Albert Heisel, Danziger Straße 20 war die Coopérative (Einkaufsstel­le) für Familien der Franzosen eingerichtet.
Die Franzosen wohnten in beschlagnahmten Wohnungen und ließen ihre Familien nachkommen. In den letzten Häusern in der Saarstra­ße war das Brückenwachkommando der Franzosen für die Brücke Fürstenhausen untergebracht.
Auf Anordnung der Franzosen wurden Wohnungen, Wohnungsein­richtungen, Radios, Fotoapparate, Fahrräder, Autos und Motorräder beschlagnahmt. Auch wurden Willkürakte gegen Zivilisten began­gen. Die Maßnahmen sorgten für allerlei Zündstoff. Des öfteren gab es schwere Schlägereien zwischen französischen und amerikani­schen Soldaten.

Pflichtarbeit für alle Männer und Jugendlichen ab 16 Jahren für Aufräumungsarbeiten an Straßensperren und Panzergräben.
12. September: wurde Franz Braß, KPD, ehrenamtlicher Beigeord­neter der Stadt Völklingen.
Herbst: Durch Funkenflug aus einem »Schlänkadibbsche«, das in eine Kiste mit Schwarzpulver fiel, verbrannte sich der Junge Alfons Walbert so sehr, dass er an den Folgen starb (Bunker Heinestraße). Beim Spielen mit herumliegender Munition gab es viele Verlet­zungsfälle bei Kindern.
Oktober: Wiederaufnahme des Schulbetriebs in nicht geheizten Schulsälen. Die Brennstoffversorgung war äußerst schwierig.
6. Oktober: Formulare zur Durchführung der Zivilregistrierung wurden ausgegeben. Wer diese nicht ausfüllte, erhielt keine Lebens­mittelkarten.
16. Oktober: Hitlerjugend und Bund deutscher Mädel über 10 Jahren haben sich sofort zu melden. Bei Nichtbefolgung wurden schwere Strafen angedroht.
5. November: Alle Nazi-Schriftstücke und -Bücher mussten sofort abgegeben werden. Alle Gewerbetreibenden wurden aufgefordert, ihre Betriebe erneut auf dem Rathaus zu melden.
12. November: Einschränkung der Ausgangszeit von 19.00 Uhr abends auf 5.30 Uhr morgens. Fahrradschein und Radfahrsteuer­marken wurden eingeführt.
14. November: Alle Pferdefuhrwerke und Pferde mussten angemel­det werden. Alle Betriebsinhaber, die mehr als 50 Leute beschäftig­ten, mussten sich auf dem Rathaus in Völklingen melden.
21. November: Die Stadt Völklingen und Rockershausen wurden wieder mit Leuchtgas von der Hütte versorgt.
24. November: In Völklingen wurden französische Sprachkurse eingerichtet. Kriegsschäden an den Häusern waren auf dem Bauamt zu melden.
7. Dezember: Alle Kraftfahrzeuge waren auf dem Rathaus zu mel­den. Sirenensignale für die Feuerwehr wurden bekannt gemacht.
8. Dezember: Zählung und Meldung aller bewohnbaren Wohnun­gen auf dem Rathaus.
11. Dezember: Allgemeine Vieh­zählung wurde durchgeführt. Viele Tiere wurden versteckt und nicht gemeldet.
20. Dezember: Ausgabestellen für die Lebensmittelkarten wurden bekannt gegeben. Son­derzuteilung von Zucker und Fleisch.

1946

11. Januar: Offizielle Zulassung von drei neuen Parteien: 1. Christliche Volkspartei; 2. Sozialdemokratische Partei; 3. Kommunisti­sche Partei
17. Januar: Übernahme des Eigentums an den Saargruben und Einbezie­hung des Saarlandes in das französische Zoll-und Währungssystem.
26. Januar: Volkszählung im Saargebiet.
16. Februar: Frankreich teilte den übrigen Alliierten mit, dass ab sofort das Saarland »der Zuständigkeit des Kontrollrates entzogen« sei.
17. März: Aufnahme des Sendebetriebs bei “Radio Saarbrücken”.
27. April: Eintreten von CVP, SPS und Einheitsgewerkschaft für den Wirtschaftsanschluss an Frankreich.
16. Mai: Beginn der Rastatter Kriegsverbrecher-Prozesse.
18. Juli: Angliederung von 142 Gemeinden der Provinz Rheinhessen-Nassau in das Saargebiet.
22. Oktober: Französische Zollkontrolle an saarländisch-deutscher Grenze.
29. Oktober: Volks-und Berufszählung im Saarland.
22. Dezember: Wurde der Personenverkehr zwischen dem Saarland und den übrigen Besatzungszonen eingeschränkt. Für den Grenzübertritt musste ein Passierschein beantragt wurden.

Januar: wurde Dr. Ernst Röchling in Haft genommen, im Mai als unbelastet entlassen (wegen Unterstützung von Oberstleutnant von Hofacker wurde Ernst Röchling in seiner Wohnung in Paris am 20. Juli 1944 durch die NS-Justiz verhaftet und verurteilt).
22. Juni: Genehmigung zur Errichtung einer Omnibus-Linie Pütt­lingen-Völklingen-Wadgassen erteilt.
8. Juli: Einsatz eines »Personenzuges« aus Werklok und vier Güter­wagen im Pendelverkehr von Heusweiler bis Bahnhof Heidstock.
26. Juli: Wurden auf neuer Verordnungsgrundlage Rudolf Trenz (CVP), Hermann Ifkowitsch (KPD), und Paul Burg (SPS) als Beige­ordnete eingeführt.
15. September: Erste Gemeinderatswahlen nach dem Krieg im Saarland.

Wahlergebnisse der Stadt Völklingen:
Stimmen bzw. Wahlberechtigte: 19.744
Ungültige Stimmen: 869 = 4,7 %
Gültige Stimmen: 17.811 = 95,3 %
Es erhielten gültige Stimmen bei der Wahl:
CVP: 9.078 = 50,97% = 15 Mandate
SPS: 5.146 = 28,87 % = 9 Mandate
KPD: 2.386 = 13,30 % = 4 Mandate
Freie Liste: 1.219 = 6,84 % = 2 Mandate

22. September: wurde in einer Sitzung des Stadtrates Dr. Anton Tinnes (CVP) als Bürgermeister gewählt. Dr. Anton Tinnes geboren in Reisbach (Kreis Saarlouis) am 2.4.1899, gestorben in Bad Kreuznach am 9. 8.1960. 1922 Markscheider und Geolo­ge,1942-1946 Markscheider in Völklingen, Vermessungsdirektor der Stadt Saarbrücken.
22. September: wurde Dr. Ernst Röchling im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Rastatter Prozesses wieder gefangen gesetzt.
29. September: Wurden in der Sitzung des Stadtrates die Beigeordneten gewählt: Sebastian Theis (SPS) 1. Beigeordneter, Emma Jakobs (KPD) 2. Beigeordnete, Karl Pöhlmann (CVP) 3. Beigeordneter, Franz Forster (PA) (Vereinigung der partei­losen Antifaschisten) 4. Beigeordneter, bis 01.04.1948 Josef Metzen (CVP) 5. Beigeordneter.
Die Stadt Völklingen hatte 35.570 Einwohner.

1947

12. Januar: Erklärung des französischen Außenminister Bidault über den wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an Frankreich ohne territoriale Eingliederung.
21. Februar: Einführung der Gemeindeordnung im Saarland.
1. März: Einrichtung einer Landeszentralbank Saar, Liquidierung der Reichsbank.
23. Mai: Ernennung der Verfassungskommission durch die Militärregie­rung.
6. Juni: Rückgliederung von 61 Gemeinden an die Rheinpfalz, Angliede­rung von 13 rheinland-pfälzischen Gemeinden an das Saarland.
16. Juni: Ausweisung von 485 Familien aus dem Saarland aus Gründen der »Sicherheit der Besatzungstruppen«.
16. Juni: Die Saarmark tritt im Saarland an die Stelle der Reichsmark.
1. Juli: Übernahme des französischen Nationalfeiertags (14.Juli) im Saar­land.
5. Oktober: Wahlen zum saarländischen Landtag.

Wahlergebnisse der Stadt Völklingen:
Wahlberechtigte 22.223
Ungültige Stimmen 2.218 = 10,4 %
Gültige Stimmen 19.071 = 89,6 %
Es erhielten gültige Stimmen:
CVP: 8.670 = 45,5 %
SPS: 6.854 = 35,9 %
KP: 2.090= 11,1%
DPS: 1.457 = 7,6 %

8. November: Annahme der Verfassung durch den saarländischen Landtag.
15. November: Errichtung der Verwaltung der Saarbergwerke (Régie des Mines de la Sarre).
16. November: Einrichtung eines saarländischen Tabak-und Zündholzmonopols.
20. November: Einführung der französischen Währung im Saarland. Der Umtausch war mit 1:20 festgelegt.
17. Dezember: Inkrafttreten der saarländischen Verfassung.
18. Dezember: Erstes CVP-SPS-Kabinett unter Johannes Hoffmann.
31. Dezember: Ende der Militärregierung über das Saarland.

21. April: Eisenbahnverbindung von Heusweiler nach dem Bahnhof Völklingen wieder notdürftig hergestellt.
Mai 1947: Wurde Hermann Röchling an die französische Besat­zungsmacht ausgeliefert.
1. August: Errichtung von Betriebsräten im Saarland. Albert Mourer wurde der 1. Betriebsratsvorsitzender der Völklinger Hütte.
24. August: Gründungsversammlung der Gewerkschaft Christli­cher Saarbergleute in Burbach.
25. September: Verkauf von Plaketten durch Angestellte der Stadt anlässlich der Einweihung des Denkmals der Opfer des Faschismus. Der Bürgermeister hat für den Fall der Arbeitsverweigerung strenge disziplinarische Maßnahmen angedroht.

28. September: Das Denkmal für die »Opfer des Faschismus«, geschaffen von dem Völklinger Bildhauer Peter Kunz, wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von dem Bürgermeister Dr. Anton Tinnes eingeweiht.
September: Die Notwendigkeit lässt neue Wohnviertel entstehen: Erweiterung des Stadtkerns nach Osten über die Schubertstraße hinaus bis auf Klein-Scheidt, im Westen durch den Bau der Werks­wohnungen »Georges-Thédrel-Siedlung« im Schulzenfeld.
25. November: Einweihung der Brücke nach Wehrden.
30. Dezember: Hochwasserkatastrophe: Pegelstand in Völklingen 9,12 Meter. Die von den Amerikanern erbaute Notbrücke in Fürstenhausen wurde weggerissen.

1948

1. Januar: Ernennung Grandvals zum Hohen Kommissar, französisch-saarländisches Justizab­kommen. Die »Régie des mines de la Sarre« nimmt ihre Tätigkeit auf.
6. Januar: Der französische Militärgouverneur im Saarland, Gilbert Grandval, weist den Pfarrer Franz Bungarten wegen politischer Betätigung aus dem Saarland aus.
15. Januar: Die deutschen Scheidemünzen und Banknoten verlieren im Saarland gesetzlichen Kurs und Zahlungskraft.
9. März: Vorläufige Regelung des Pressewesens.
16. März: Einführung des saarländischen Personalausweises.
1. April: Errichtung der Zollunion zwischen Frankreich und dem Saar­land.
12. Mai: Errichtung einer Abteilung Wiederaufbau im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten des Saarlandes.
28. Mai: Bildung der »Industrie-und Handelskammer des Saarlandes«.
11. Juni: Erklärung des französischen Außenministers Bidault über die endgültige Ausgliederung des Saarlandes aus dem deutschen Staatsver­band.
28. Juni: Vorverlegung der deutsch-französischen Zollgrenze an die deutsch-saarländische Grenze.
2. Juli: Bei der Urteilsverkündung in Rastatt wurden Dr. Hermann Röch­ling zu 7 Jahren Gefängnis, Freiherr von Gemmingen und Dr. Wilhelm Rodenhauser zu je 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Direktor Ernst Röchling und Dir. Albert Maier erhielten Freispruch. Das Urteil wurde aber nicht rechtskräftig, weil die Anklagevertretung Berufung einlegte.

Sommer: wurde die von der Firma Seibert gefertigte Stahlbau-Bogenbrücke über die Saar nach Fürstenhausen montiert.

Saarländischer Personalausweis aus dem Jahr 1948

1949

1. Januar: Gewährung von Frauenzulage und Kinderzuschüssen in die Sozialversicherung des Saarlandes.
25. Januar: Im Prozess von Rastatt verkündete das Berufungsgericht das neue Urteil: Hermann Röchling 10 Jahre Gefängnis, Ernst Röchling 5 Jahre Gefängnis, Freiherr von Gemmingen und Dr. Wilhelm Rodenhauser je 3 Jahre Gefängnis, Albert Maier Freispruch. Die Untersuchungshaft gab Herrn Freiherr von Gemmingen die Freiheit. Dir. Dr. Wilhelm Rodenhau­ser verbüßte die über ihn verhängte Strafe voll bis zum 12. September 1949.
5. März: Abschluss des französisch-saarländischen Postabkommens.
27. März: Wahlen zu den saarländischen Gemeinderäten.

Wahlberechtigte in Völklingen: 24.634
Wahlbeteiligte: 21.451 = 87,1 %
Ungültige Stimmen: 1.919 = 8,9 %
Gültige Stimmen: 19.532 = 91.1 %
Es erhielten gültige Stimmen:
CVP: 8.393 = 43,0 % 14 Mandate
SPS: 6.450 = 33,0 % 11 Mandate
KPD: 2.357 = 12,1 % 4 Mandate
DPS: 2.332 = 11,9 % 3 Mandate

23. Mai: Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik.
30. Juni: Wiedereinrichtung der Konsumgenossenschaften im Saarland.
1. Juli: Einführung einer Wiederaufbauabgabe für die Zwecke des saarlän­dischen Wiederaufbaus.
15. September: Wahl von Konrad Adenauer zum Bundeskanzler.
17. Oktober: Proklamation der DDR.
8. November: Ministerpräsident Johannes Hoffmann trat in einer Regie­rungserklärung im Landtag für die Aufnahme in den Europarat und für eine stärkere Autonomie des Saarlandes ein.
7. Dezember: Hatte Papst Pius XII den saarländischen Ministerpräsiden­ten Johannes Hoffmann in Privataudienz empfangen.
21. Dezember: An Stelle der Herkunftsbezeichnung »Made in Germany« trat für die im Saarland erzeugten und für die Ausfuhr bestimmten Produkte die Herkunftsbezeichnung »Made in the France-Sarre Economic Union«.

1949-1950: Wasserwerk Differten zur Eigen­versorgung der Stadt in Betrieb genommen, Wasserbohrungen in den Bistwiesen.
6. April: Nach der Kommunalwahl wurde im Stadtrat gewählt: Rudolf Trenz (CVP) zum ehrenamtlichen Bürgermeister; Franz Braß (KPD) zum 1. Beigeordneten; Adolf Schütz (KPD) zum 2. Beigeordneter; Emma Jakob (KPD) zur 3. Beigeordneten. Rudolf Trenz, Bürgermeister, geboren in Spiesen am 10. Juli 1882, verstorben in Völklingen am 6. Januar 1966.
Juli: Aufnahme der Erzeugung von Kaltprofilen auf der Hütte unter Dir. Charles Sauzeau.