Völklinger Kinogeschichte: Die Fakten

Völklinger Kinogeschichte: Die Fakten2018-02-10T00:26:59+00:00

1910 entsteht mit dem „Zentraltheater“ in der Moltkestraße Nr. 9 das erste festinstallierte und modern ausgestattetes Völklinger Kino mit 440 Sitzplätzen (Inh. Sebastian Theis). Die Tradition der Wanderbühnen reicht sogar wesentlich weiter zurück.

1920, das „Capitol Theater“ in Wehrden (bis 1990) belebt das Geschäft. (Inh. Peter Rupp)

Es ist ein traditioneller Zwitter aus Gastwirtschaft und Kinosaal (heute Moschee).

Der Kinobetreiber Sebastian Theis erwirbt nach dem ersten Weltkrieg in der Moltkestraße auch das Eckgebäude Nr. 7 (beide bis 1966 im Besitz der Familie).

1923 entsteht so das „Metropol-Theater“ beide Kinosäle firmierten in der Folge als „Vereinigte Lichtspiele“ Der eigentlich geplante Neubau an der Stelle des heutigen „Residenz-Theaters“ konnte damals so wenig realisiert werden wie 1932.

1928 eröffnet in Lauterbach das „Uniontheater“ in der Hauptstraße 282.

Ebenfalls 1928 lässt Sebastian Theis das Jubiläum des Turnvereins professionell per (Stumm)Film dokumentieren.

100 Jahre Völklinger Filmtheater

Das Zentral 1912.

Vor 1930, das „Uniontheater“ am Wehrdener Brückenkopf nimmt seinen Betrieb auf.

1931, Sebastian Theis erwirbt die wenige Jahre zuvor erbaute Villa an der Hohenzollernstraße 8 als privaten Wohnsitz.

1937 eröffnet in Ludweiler das „Warndt Theater“ in der Kirchstraße 3, ab 1952 in der Lauterbacherstraße 129.

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Links: Das Union in Wehrden (Seitenansicht) 1931.
Mitte: Festumzug in der Poststrasse 1928.
Rechts: Das Union 1931.

1938 werden Sebastian Theis (als Sozialdemokraten) von der NS-Reichsfilmkammer endgültig alle Konzessionen entzogen. Ein von der NS-Partei bestallter „Pächter“ führt die Geschäfte.

1941 Kinoneubau der „Westmark Filmbühne“ (785 Sitzplätze, Inh. Ernst Gill) in der Rathausstraße 25 (damals Adolf-Hitler-Straße, heute Woolworthgebäude).

Diskriminierende Behandlung der nicht linientreuen Völklinger Kinobetreiber durch Bürgermeister Eder.

1945, Sebastian Theis kann seine Kinos in der Moltkestraße wieder selbst betreiben.

Die „Filmbühne“ (ohne Westmark) steht zunächst unter französischer Sequesterverwaltung. Das rückerstattete Kino wurde später abgerissen.

Ein großer Kinosaal wurde 1963 in den Woolworth Neubau integriert. Obwohl das Kino modern ausgestattet war, erfolgte bereits 1966 die Stilllegung.

Sprachübungen

Von 1945 bis 1947 gab es sogenannte „französische Sprachübungen“ vor dem Hauptfilm in einigen saarländischen Kinos. Die Besucher mussten Vokabeln laut nachsprechen, was natürlich kaum einer machte. Die Besatzer waren bestrebt, dass die Bevölkerung schnellstmöglich französisch lernte. Aufgrund des Desinteresses gab man dieses Vorhaben jedoch schnell wieder auf.

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Re-Education

Neben den Sprachübungen erwarteten den Saarländer noch weitere Strapazen im Filmtheater. Den Besatzern war es sehr wichtig, dass jeder Deutscher über die Gräueltaten informiert wurde. Damit niemand sagen konnte, er hätte nichts gewusst, informierte man in Dokumentarfilmen, die nach der Befreiung in Konzentrationslagern gedreht wurden, über die grauenhaften Zeugnisse. Niemand konnte sich diesen Filmen entziehen, ein nachträgliches Einlassen, trotz vorhandener Kinokarte, war nicht möglich. Wer den Spielfi lm sehen wollte, musste die „Re-Education“ ertragen.

1952 wird von Sebastian Theis am Alter Markt 15 mit den „Bürgerbräu Lichtspielen“ ein weiteres Kino eröffnet.

Das „BB“ bestand bis 1962 und musste schließlich dem Hochstraßenbau weichen. Berühmt ist das Kino durch einen Besuch von Hans Albers, der seinen Film „Nachts auf den Straßen“ bewarb.

1957 eröffnete endlich das „Residenz-Theater“ in der Karl-Janssen- Straße 9 (ca. 720 Sitzplätze, Inh. Sebastian Theis). Die Realisierung der Idee hatte sich über drei Jahrzehnte hingezogen!

1959 (Tag X) gehen die Kinobesuchszahlen innerhalb einer Saison von 1,2 Mio. auf 600.000 Gäste zurück. Das „Atrium“ Kino am Wehrdener Brückenkopf (Nachfolger des „Union“) existiert nur ein Jahr.

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Metropol innen.

1963 gründen Günther Theis und seine Frau Inge die Firma „Theis-Filmtheaterbetriebe GmbH“.

Ende der 60er Jahre beginnt das Kinosterben in Völklingen. Parallel dazu gehen die Besuchszahlen kontinuierlich zurück.

1980 wird das „Residenz“ verpachtet und zu einem Mehrsaalkino umgebaut.

2006 wird es nach einem dramatischen Besucherrückgang für zwei Jahre stillgelegt und erst 2008 unter neuer Leitung wiedereröffnet.

Von 1957 bis 2007 muss Völklingen einen Besucherschwund von fast 98 Prozent hinnehmen (!)

Seit 2000 trägt das Völklinger Autokino im Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Kinotradition weiter.

2010, die Kinogeschichte in Völklingen wird 100 Jahre.

Kinos der Völklinger Innenstadt

100 Jahre Völklinger Filmtheater