Die Homestory 19072017-09-19T17:31:02+00:00
Alwine Caroline Charlotte Vopelius

Alwine Caroline Charlotte Vopelius

Sie feierten gerade erst ihre goldene Hochzeit: Alwine (70) und Carl (80) Röchling. Er, der erfolgreiche Unternehmer und Macher des Völklinger Eisenwerks, sie, die liebende und treusorgende Ehefrau und Mutter. Trotz immenser Verantwortung und großer Schaffenskraft hört „Mr. Testosteron“ zuhause auf seine Frau. Wie schafft sie das bloß?

Wenn Carl auf seiner Hütte eintrifft, dann ist Schluss mit lustig. Dann wird noch mehr geplocht und geackert, denn der Chef ist pingelig, seinen klaren Augen entgeht nichts. Er ist der Taktgeber der eisernen Lady, das Herz und Hirn des Hüttenimperiums, bei dem so viele Völklinger in Lohn und Brot stehen. Apropos Ladys:

Die sind immer ganz verzückt, wenn Carl sich gelegentlich zum Billardspiel verabredet. In Reihen stehen sie dann vor den Kneipen-Fenstern und sind außer Rand
und Band, wie geschickt Carl mit Queue und Kugeln umgeht. Was für ein cooler Großindustrieller! Geschäftlich mag Carl ein „taffer“ Kerl sein, privat jedoch ordnet er sich bereitwillig seiner Frau Alwine unter.

Bei „Schnepfenpüree, Aalgelee, famose Idee“ bekommt sie immer ganz leuchtende Augen!

Der Bullterrier wird zum lammfrommen Schoßhündchen! Besonders in der Küche liest Carl seiner Alwine jeden Wunsch von den Lippen ab, kocht für sie jedes Wochenende ihr Lieblingsessen. Carls pikante Beichte: „Sie hat mir mal verraten, dass sie es am liebsten hat, wenn ich kurzen Hosen vor dem Herd stehe und das Knastlied aus Heirat wider Willen von Engelbert Humperdinck singe. Bei „Schnepfenpüree, Aalgelee, famose Idee“ bekommt sie immer ganz leuchtende Augen“.

Auch sonst gibt die 10 Jahre jüngere Alwine im Haus den Ton an. Sie stellte kurz nach der Heirat sogar Regeln auf, an die sich ihr Ehegatte strikt halten muss. Länger als zwei Wochen möchte sie nicht von ihrem Ehegatten getrennt sein und der Bart darf auch nicht zu lang werden.

Außerdem besteht die energische Alwine auf ihrer Selbstverwirklichung. Sie ist in vielen sozialen Projekten engagiert, strickt das ganze Jahr über mit dem Röchlingwappen bestickte Ohrenwärmert. „Es ist mir ein persönliches Anliegen für heiße Ohren in der zivilen Bevölkerung zu sorgen“, erzählte sie einmal in einem Interview.

Jeden Sonntagnachmittag verbringt das Paar ohne ihre zahlreichen Kinder in Saarbrücken an der schönen Saar. Entweder spazieren sie am Ufer oder kraulen im Sommer Seite an Seite in den Fluten des Flusses.

„Wenn man lange verheiratet ist, wächst man entweder zusammen oder entfernt sich. Um das zu verhindern, braucht es Gemeinsamkeiten, Romantik und vor allem Intimität“ erklärte Alwine nach der Geburt Eduards, des 14. Kindes.

Doch einen Gefallen kann Carl seiner Alwine nicht tun. „Alwine findet mich zu attraktiv, sie beschwert sich andauernd, dass mir die Frauen nachschauen. Sie meint, ein Mann muss seinen Körper vernachlässigen, damit die Frau an seiner Seite besser aussieht!“ In diesem Punkt muss er seine Alwine enttäuschen. Schließlich müsse man ja auch an die Frauen vor den Fenstern und seinen Ruf denken. Doch eigentlich steht Testosteron-Carl ganz gerne unter dem Pantoffel seiner Frau, allerdings nicht ganz ohne Eigennutz:

„Ich verrate Ihnen mal was, erzählt er. Haben Sie eine glück iche Ehefrau, dann haben sie als Mann ein gutes Leben. Ich ziehe die Schuhe vor der Haustür aus und bringe sogar die Kinder ins Bett wenn sie einmal in der Woche bei der Marching-Band-Probe ist. Alwine ist nämlich Tambour-Majorette“.

In Carls Ehering ist eingraviert: Amantes amentes (Liebende sind Verrückte), es ist bereits sein fünfter, die anderen vier verlor er beim Schwimmen in der Saar. Kaum zu glauben, dass hinter so einer harten (Eisen) Schale, ein weicher Kern steckt. Der erfolgreiche Unternehmer hat eben eine ganz besondere Vorstellung von Männlichkeit. So bestätigt Alwine:

„Ein Mann muss den Mut haben, er selbst zu sein und er muss Wort halten. Und das macht mein Carl, er ist mir seit 25 Jahren treu.“

Auf die Frage, wie sie sich eigentlich kennengelernt haben, schmunzelt Carl: „Ich sah sie das erste Mal als Tambour-Mädchen. Als sie da vorne so energisch den Taktstock schwang, wusste ich, das ist die Richtige! Normalerweise brauche ich immer etwas länger, um schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, aber hier sprach eine Stimme zu mir: Carl, wach auf!“

Alwine ergänzt schwärmerisch: „Er hatte so wunderschönes schwarzes Haar und die zwei dichten Backenkoteletten hatten es mir sofort angetan. Außerdem hatte meine Freundin Hedwig schon ein Auge auf ihn geworfen, da hieß es keine Zeit zu verlieren!“

Carl und Alwine sind ein Traumpaar, daran gibt es keinen Zweifel. Und mit ihrem Geheimrezept werden sie wohl auch noch die Diamantene Hochzeit feiern. Da fällt es Carl dann sicher auch nicht schwer, in kurzen Hosen am Herd zu stehen.

Alwine und Carl vor dem Gartenhäuschen im Haus am Triller, rechts Hedwig

Alwine und Carl vor dem Gartenhäuschen im Haus am Triller, rechts Hedwig