Ein gusseisernes Zwillingspaar

Ein gusseisernes Zwillingspaar2018-04-18T14:45:31+00:00

Friedrich Wilhelm IV., jener preußische Monarch also, der in den 1830er Jahren als kunstsinniger Kronprinz die neu erworben „rheinischen“ Provinzen bereiste – und später als König die deutsche Kaiserkrone ablehnte – war dem politischen Potential romantischer Geschichten stets zugetan. Sein Berliner Baudirektor, der große Karl-Friedrich Schinkel hatte es dann regelmäßig auszubaden, wenn seine königliche Majestät Ihr ganz spezielles Steckenpferd ritt.

Prompt entdeckte Kronprinz Friedrich Wilhelm anlässlich eines vermutlich höchst unromantischen Besuchs des Industriellen Jean-Francois Boch in Mettlach, die dort „zwischengelagerten“ Gebeine eines tapferen ritterlichen Vorfahrens der Hohenzollern. Schinkel erhielt daraufhin den Auftrag die Klause zu Serrig als angemessene Grablege zu ertüchtigen und – quasi nebenbei – als royales Dankeschön, einen gusseisernen Springbrunnen zu gestalten, der seither den Abteipark von Mettlach ziert.

Der Brunnen ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert, er ist, als ein Werk Schinkels, und als solches in jedem Reiseführer aufgelistet und er wurde seinerzeit in eben jener „preußischen Eisengießerey“ hergestellt, die auch – Jahre zuvor – die beiden exotischen Feuermaschinen zum Kohletransport produziert hatte.

Wenn man so will, ist der prächtige Schinkelbrunnen ein später „Zwilling“ des nüchternen Dampfwagens, es ist nicht einmal ausgeschlossen, sogar wahrscheinlich, dass altgediente Arbeiter sich an beiden Objekten für die Saar zu schaffen machten.

Die 1789 im Berliner Oranienburg (heute Invalidenstraße, Ecke Chauseestraße) gegründete Eisengießerei war ein typischer Manufakturbetrieb, der, in überwiegend staatlichem Auftrag und bereits halbindustriell, Rüstungsgüter aller Art herstellte. Eine erhaltene Skizze zeigt den Hof der Anlage mit überraschend kleinen Abmessungen. Die Geburtsstätte sowohl von innovativen Dampfwagen als auch aufwendigen Brunnenanlagen stellt man sich deutlich repräsentativer vor. Zum Lieferumfang der „Fabrik“ zählten aber nicht nur gusseiserne Kanonenrohre und ihre Munition, auch Gebrauchsgegenstände und betont kunsthandwerkliche Objekte wie Ofenplatten, Denkmäler und zierliche, in Eisenfeinguss ausgeführte Medaillons gehörten zum Repertoire. Nach den einigermaßen ernüchternden Erfahrungen mit der Dampfmaschinentechnik, war dem Werk leider keine goldene Zukunft als Lokomotivfabrik à la Borsig beschieden. Als überdies die preußische Armee in den Jahren vor 1870 auf die legendären krupp´schen Gussstahlgeschütze umstellte, entfi el auch das bis dato so einträgliche Rüstungsgeschäft. 1874 stellte das Unternehmen seinen Betrieb ein.

Königliche Eisengießerei Berlin

Das erhaltene Werbetäfelchen aus Feinguss stammt aus den goldenen Jahren des Werks nach den Befreiungskriegen um 1816. Es illustriert die überraschende Bandbreite der Produktion. Das kleine „Merchandisingprodukt“ wurde offenbar in größerer Auflage hergestellt und präsentiert unter anderem selbstbewusst einen Dampfwagen, das unmittelbare Vorgängermodell der Geislauterner Maschine.

Werbetäfelchen aus Feinguss

Die gewichtige Werbebotschaft erbrachte zugleich den gleichsam handgreiflichen Beweis der Qualität des Gießereibetriebs. Die handwerkliche Qualität der Berliner Arbeit ist heute am Mettlacher Schinkelbrunnen unschwer abzulesen. Man kann davon ausgehen, dass auch die Einzelteile des Dampfwagens ähnlich hochwertig gefertigt waren. Vielleicht sogar mit dem einen oder anderen „Schnörkel“ mit schicken Bordüren oder profilierten Gesimsen aufwarten konnte. Unglücklicherweise erwiesen sich derlei Details als nicht maßgeblich für die mechanische Funktionstüchtigkeit einer Maschine.

Die Gießerei bewegte sich gewissermaßen „out of area“ ihrer Möglichkeiten und der redliche Versuch ein Ziel zu erreichen, für das niemand eine Ausbildung, geschweige denn die Werkzeuge besaß, musste scheitern.