Obwohl mehrere nationalsozialistisch eingestellte Personen seit 1926/1927 aus beruflichen Gründen in Völklingen tätig waren und Bürger des Völklinger Verwaltungsbezirks der Partei bereits angehörten, kam es erst Ende des Jahres 1929, genauer gesagt am 1. Oktober 1929, zur Gründung einer eigenständigen NSDAP-Ortsgruppe Völklingen. Von diesem Ereignis nahm die Völklinger Presse jedoch keine Notiz.

Die Bestrebungen dürft en nicht von ungefähr kommen, da die Partei bereits seit 1929 in der industriell geprägten Gemeinde verstärkt Werbung für sich machte. So waren laut einem Geschäft sbericht der Gauleitung für das Jahr 1929 zehn Sprechabende in Völklingen durchgeführt worden. Außerdem hatte die saarländische Parteileitung am 1. Dezember 1929 mit einem eigens gekauft en Filmvorführgerät wenigstens einmal einen Propagandafilm über den vierten Reichsparteitag des Jahres 1929 in Völklingen vorgeführt. Erste Rednerkurse wurden seinerzeit durch den seit September 1927 amtierenden stellvertretenden Gauleiter Karl Brück (Mitglied seit dem 2. Februar 1927) in Völklingen abgehalten.

Die offi zielle Genehmigung der Vereinsstatuten erfolgte mit Schreiben vom 20. März 1930, nachdem der Ortsgruppenleiter Heinrich Henry erst am 15. Februar 1930 bei der Bürgermeistereiverwaltung um Erlaubnis nachgesucht hatte. Vermutlich hatte am 1. Februar 1930 die erste Mitgliederversammlung stattgefunden, wodurch die Statuten des politischen Vereins offiziell in Kraft traten und der Vorstand gewählt wurde. Dies könnte auch erklären, weshalb die Völklinger Ortsgruppe nicht im Rechenschaftsbericht der Saar-Gauleitung für das Jahr 1929 unter den Neugründungen erwähnt wird. Ferner wird auch plausibel, dass Walter Kramer und Ernst Hildebrandt erst am 1. Februar 1930 in die NSDAP aufgenommen worden sind und nicht zum eigentlichen Gründungszirkel gehörten.

Eine Keimzelle der 1929 gegründeten Völklinger NSDAP-Ortsgruppe ist in der Saarbrücker Organisationseinheit zu suchen. Von den Völklinger Gründungsmitgliedern war bereits vorher fast die Hälfte der Personen in der Ortsgruppe Saarbrücken organisiert gewesen, ehe sie mit der Konstituierung der Völklinger Ortsgruppe in diese überwiesen wurden.

Mehrere Parteigenossen der neugegründeten Völklinger Ortsgruppe, die am 1. Februar 1930 18 Mitglieder zählte, lassen sich zunächst als Angehörige der Saarbrücker Ortsgruppe nachweisen. Neben dem ersten Ortsgruppenleiter Heinrich Henry (Mitgliedsnummer 70.557) war dies der Ortsgruppenstellvertreter und Hüttenarbeiter Artur Stoffel (Mitgliedsnummer 70.559), die beide am 15. November 1927 der NSDAP beigetreten waren. Ebenfalls zu diesem Datum war der gelernte Schlosser Wilhelm Heitz (Mitgliedsnummer 70.560) in die Hitler-Partei eingetreten.

Heinrich Henry, der am 18. April 1906 in Dudweiler geboren worden war, war Träger des goldenen Parteiabzeichens. Er fiel im Sommer des Jahres 1941 als Gefreiter. Henry, der 1932 für den Landesrat kandidiert hatte, war später Mitglied der NSDAP-Ortsgruppen Ludweiler, Dudweiler, Fischbach und erneut Saarbrücken. Nach der Rückgliederung 1935 wurde er zum ehrenamtlichen Beigeordneten bzw. Amtsältesten des Amtes Ludweiler ernannt. Mit einem Umzug nach Dudweiler musste er dieses Amt 1936 niederlegen.

Artur Stoffel (geb. 12. Dezember 1903 in Güdingen, gest. 15. Mai 1972 in Völklingen) wurde offenbar am 1. Mai 1931 aus der Partei ausgeschlossen. Wilhelm Heitz (geb. 1. November 1892 in Völklingen, gest. 11. Januar 1957 in Völklingen) gehörte der Partei zunächst bis zum 30. November 1930 an. Am 1. September 1932 wurde er erneut unter der neuen Mitgliedsnummer 1.292.910, die zu einer extra für das Saargebiet reservierten Nummernreihe zählte, aufgenommen. In seinem Epurationsverfahren gab er später an, vom 15. November 1927 bis 30. November 1929 und dann wieder vom 1. Januar 1932 bis 1945 Parteimitglied gewesen zu sein. Heitz war vor 1930 SA-Mann und 1932 wenige Monate bei der SS.

Weitere Mitglieder der Völklinger Ortsgruppe, die vorher der Saarbrücker Ortsgruppe angehört hatten, waren die Hüttenarbeiter Johann Kühner (Mitgliedsnummer 73.823) und Ernst Ruppenthal (Mitgliedsnummer 73.821), deren Eintritt am 1. Januar 1928 erfolgt war. Kühner (geb. 7. Januar 1900 in Völklingen, gest. 11. April 1945 in Hasselmühle/Oberpfalz) trat am 31. August 1931 aus der NSDAP aus. Am 1. November 1935 wurde er wieder unter der Mitgliedsnummer 6.911.866 aufgenommen. Am 30. Juli 1936 wurde Kühner als Unfallvertrauensmann für Betrieb bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken in sein Amt eingeführt. Ernst Karl Ruppenthal wurde am 27. Oktober 1902 in Völklingen geboren. Der Hüttenarbeiter verstarb am 1. Mai 1967 in Völklingen. Auch Ruppenthal könnte im Betrieb als Unfallvertrauensmann tätig gewesen sein.

Einige Monate später war der Konditorgehilfe Richard Julius Bracher zum 1. Juni 1928 (Mitgliedsnummer 89.405) NSDAP-Mitglied geworden. Die Brüder Erich (Mitgliedsnummer 96.548) und Werner Huppert (Mitgliedsnummer 96.547) waren am 1. August 1928 als NSDAP-Mitglieder in die Ortsgruppe Saarbrücken der Partei aufgenommen worden. Erich Richard Rudolf Huppert wurde am 13. Mai 1907 in Vieille Verrerie (Kleinrosseln) geboren. 1929 war er erster Vorsitzender der Vereinigung der Funkfreunde von Völklingen und Umgebung e. V. Als sein Todesdatum gilt der 18. Juni 1944. Erichs jüngerer Bruder Werner Georg Jakob Huppert wurde am 13. März 1909 ebenfalls in Vieille Verrerie geboren. Nach Kriegsausbruch führte Werner Huppert im Rang eines Obersturmführers des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) eine Kolonne an, die mit der Säuberung von Metzgereien in den evakuierten Ortschaften des Kreises Saarbrücken betraut war. Spätestens 1942 war er als NSKK-Hauptsturmführer Adjutant der Motorstandarte Saar. Für Aufbauarbeiten der NSKK-Einheiten in Lothringen sollte ihm das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ohne Schwerter verliehen werden. Werner Huppert starb am 18. Juni 1975 in Saarbrücken. Beide Brüder hatten offenbar Schwestern geheiratet.

Wenigstens vier Mitglieder der Ortsgruppe waren zum 1. Oktober 1929 in die NSDAP (Ortsgruppe Völklingen) eingetreten. Neben dem auf der Völklinger Hütte tätigen Schlossermeister Emil Kramer59 waren dies Karl Leppla (Mitgliedsnummer 153.531), Johann Theobald (Mitgliedsnummer 153.532) und Jakob Peter Eberhardt (Mitgliedsnummer 155.431). Leppla war in der Kassenbuchhaltung bei den RESW in Anstellung. Theobald war als (Ober-) Laborant ebenfalls für Röchling tätig. Eberhardt, ein ehemaliger Landwirt und offenbar Heilgehilfe, fungierte später als Wachtmeister bzw. Justizoberwachtmeister. Am 1. November 1929 wurde der in Besseringen lebende Hüttenarbeiter Peter Seiler (Mitgliedsnummer 166.562) in die Völklinger Ortsgruppe aufgenommen.

Keine Angaben über Eintrittsdaten liegen für Ludwig Hagel, Mathias Christian Lellinger und den gebürtigen Bayern Oswald Johannes Lesmeister vor, deren Namen sich in der Mitgliederliste vom 1. Februar 1930 befinden. Von Oswald Lesmeister wissen wir, dass er aus der NSDAP ausgetreten oder ausgeschlossen worden sein muss und sich später wieder der Partei anschloss, denn das Kassenjournal der Völklinger Ortsgruppe aus dem Jahr 1935 gibt als sein Eintrittsdatum den 1. Juli 1932 an.

Der bereits am 6. August 1925 in die Partei eingetretene Dr. Hermann Passow (Mitgliedsnummer 12.933) war augenscheinlich kein Gründungsmitglied der NSDAP Ortsgruppe Völklingen. Hermann Passow, geboren am 19. November 1895 in Blankenburg im Harz, trat 1925 in die Ortsgruppe der württembergischen Stadt Balingen ein, deren Ortsgruppenleiter er anscheinend bis zu seinem Umzug nach Völklingen war. In Balingen arbeitete er von 1924 bis 1926 bei einem örtlichen Zementwerk. Am 4. April 1934 wurde ihm das goldene Parteiabzeichen verliehen. Passow fungierte als Gau- und Kreisredner, Gauwirtschaftsberater, war Beisitzer im Untersuchungs- und Schlichtungsausschuss (Uschla) sowie später in seiner Völklinger Zeit als Kreisschulungsleiter und Arbeitsrichter. Der Leiter der Zementfabrik der Völklinger Hütte wurde 1935 zum Gemeinderatsmitglied in Völklingen und zwei Jahre später nach der Stadtwerdung zum Ratsherren bestimmt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und Passows Rückführung kehrte dieser nicht wieder nach Völklingen zurück. Im September 1940 lebte Passow in Karlstadt am Main bei Würzburg, wo er für die Portland-Zement-Fabrik tätig war. Seinen Völklinger Ratsherrensitz legte er nieder. Passow starb am 16. Oktober 1940 in Würzburg.

Offenbar auch nicht sofort in die neue Ortsgruppe übergetreten ist Julius Stock (geb. 17. November 1849 in Mackenrode, gest. 22. September 1935 in Völklingen), ein Buchhändler aus Obervölklingen. Dieser war schon am 29. November 1926 unter der Mitgliedsnummer 47.858 in die NSDAP (Ortsgruppe Saarbrücken) eingetreten. Stock, der laut Mitgliederkartei am 1. Juni 1933 aus der Partei ausgetreten ist, wurde aber in Obervölklingen als Träger des goldenen Parteiabzeichens angesehen, allerdings taucht sein Name nicht unter den Ehrenzeichenträgern auf. Sein Grab wurde jedoch auf Kosten der Stadt Völklingen gepflegt.

Werksausweis der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke des Mathias Lellinger.

Werksausweis der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke des Mathias Lellinger.

Nachruf der Stadtverwaltung Völklingen auf Dr. Hermann Passow.

Nachruf der Stadtverwaltung Völklingen auf Dr. Hermann Passow.

Zwischen einzelnen Personen der ersten Ortsgruppenmitglieder lassen sich verwandtschaftliche Beziehungen herstellen. So waren, wie bereits kurz erwähnt, die beiden Brüder Erich und Werner Huppert unter den Gründungsmitgliedern zu finden. Die Huppert-Brüder waren beide am 1. August 1928 in die NSDAP (Ortsgruppe Saarbrücken) eingetreten. Nach einem kurzzeitigen Ausschluss aus der Partei am 1. April bzw. 1. März 1930 – Werner Huppert war bei der Zahlung der Beiträge in Rückstand geraten – traten sie am 1. November bzw. am 1. Oktober 1931, unüblicherweise unter Beibehaltung ihrer Mitgliedsnummern, wieder der Partei bei (Ortsgruppe Fürstenhausen). Offensichtlich waren sie nicht gänzlich aus der Partei ausgeschlossen worden.

Ein weiteres Brüderpaar waren Emil (Mitgliedsnummer 153.529) und Walter Kramer (Mitgliedsnummer 190.858). Beide waren Söhne des Metzgers Georg Kramer und der Philippina Weiß. Während über den am 9. Oktober 1909 in Völklingen geborenen Walter Kramer wenig bekannt ist, engagierte sich sein älterer Bruder Emil in der Partei auf lokaler Ebene stark. Letzterer wurde am 5. Juli 1903 in Völklingen geboren. Nach dem Besuch der katholischen Volksschule kam er im Jahr 1917 zur Völklinger Hütte, wo er mit Ausnahme einer zweijährigen Unterbrechung bis zum Einzug zur Wehrmacht 1940 in Anstellung war. Im Juni 1927 legte er im Schlosserhandwerk die Meisterprüfung ab. Kramer galt als Mitbegründer der Völklinger Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO). Im Jahr 1931 übernahm er die Funktion des Ortsgruppengeschäft sführers der Völklinger Ortsgruppe. Im November und Dezember 1931 fungierte er sogar als Ortsgruppenleiter. Anschließend soll er 1932 als Block- und von 1933 bis 1934 als Zellenleiter aktiv gewesen sein. Zur Zeit der DF übernahm er das Amt eines Sektionsleiters. Nach der Saarrückgliederung wurde der Schlossermeister als Mitglied des Betriebsausschusses der RESW bestimmt. Außerdem war er von 1935 bis 1937 in der Ortswaltung der DAF tätig. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung im Saargebiet zum 1. Augst 1935 wurde Emil Kramer zunächst zum Gemeinderat und am 7. April 1937 zum Ratsherrn ernannt. Ab dem 3. März 1939 wurde er unter Verzicht auf sein Ratsherrenamt zum ehrenamtlichen Beigeordneten der Stadt Völklingen bestimmt. Zwischen 1936 und 1938 war Kramer Ortsgruppenleiter in Fürstenhausen, wo er seit der Stadtwerdung auch Bezirksvorsteher war. Nach dem Tod des Ortsgruppenleiters Emil Nickleß 1938 übte er für kurze Zeit die Geschäftsführung der Ortsgruppe Völklingen-Ost aus. 1938 wurde er zum Ortsgruppenleiter Völklingen-West bestimmt und im Jahr 1940 zur Wehrmacht einberufen. Im November 1944 geriet Kramer in amerikanische Gefangenschaft, aus der er Juni 1946 entlassen wurde. Anschließend befand er sich von Oktober 1946 bis November 1947 im Internierungslager Theley.

Außerdem waren mit dem Ortsgruppenleiter Heinrich Henry und Mathias Christian Lellinger zwei über ihre späteren Ehefrauen verschwägerte Personen in der Ortsgruppe vertreten.80 Henry und Lellinger verfügten darüber hinaus über Kontakte in die alte NSDAP-Ortsgruppe Überherrn, wo ein weiterer Verwandter (ein Schwager der Ehefrauen), der Architekt Heinrich Kaspar Meckel (Mitgliedsnummer 59.260), aktiv tätig war.

Ein Vergleich mit anderen überlieferten Statuten saarländischer Ortsgruppen aus der Zeit bis 1934 zeigt, dass diese bis auf einige marginale Abweichungen, auf eine Einheitssatzung der Parteileitung des Saargebietes bzw. der 1926 noch identischen Saarbrücker Ortsgruppe zurückzugehen scheinen.82 Letztere datierte möglicherweise vom 30. Juni 1926.

In neun Paragraphen setzte die Partei das Reglement für ihre Ziele und ihr Wirken fest. Hauptbeschäftigung sollte sein, den völkischen Gedanken in das Volk zu tragen. Unter Anerkennung der Völkerbundsherrschaft verschrieb man sich dem Kampf gegen den Materialismus und den volkszersetzenden Judengeist. Die saarländische Arbeiterschaft sollte vom Marxismus befreit werden. Parteiunterschiede sollten verringert werden und die Jugend zu sittlichen und schaffensfreudigen Menschen erzogen werden. Erreichen wollte die Partei ihre Zielvorstellungen durch regelmäßige aufklärerische Vorträge, Unterhaltungsabende und Wanderungen. Für einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von drei Franken bzw. 1,5 Franken für Mitglieder unter 21 Jahren konnte der Partei jeder, der sich zur deutschen Volks- und Schicksalsgemeinschaft bekannte und reinen deutschen Blutes war, beitreten.

Der erste Völklinger Ortsgruppenvorstand setzte sich 1930, wie satzungsgemäß festgeschrieben, aus sieben Personen zusammen. Zum ersten Vorsitzenden, wie die Ortsgruppenleiter in der Anfangsphase bezeichnet wurden, wurde der in Ludweiler wohnhafte Heinrich Henry gewählt. Als dessen Stellvertreter agierte der Völklinger Artur Stoffel. Als Schrift führer wirkte der in Völklingen lebende Richard Bracher. Kassenwart war Johann Kühner aus Völklingen. Den Vorstand komplettierten die drei Beisitzer Ernst Hildebrandt (Mitgliedsnummer 190.859), Wilhelm Heitz und der in Besseringen gemeldete Peter Seiler. Wie die erhaltene Mitgliederliste vom 1. Februar 1930 zeigt, war die Ortsgruppe somit nicht auf die Gemeinde Völklingen bzw. den Bürgermeistereibezirk Völklingen begrenzt. Den Gründungsmitgliedern gehörten auch Leute aus Ludweiler, Besseringen und Klarenthal an.

Auff ällig ist, dass relativ viele Arbeiter bzw. Angestellte des Hüttenwerks unter den ersten Mitgliedern der Völklinger Ortsgruppe identifiziert werden können. Sofern zu den Personen Berufsangaben festgestellt werden können, lässt sich bei gut der Hälfte eine Tätigkeit im Umfeld der Völklinger Hütte nachweisen bzw. vermuten. Darunter befinden sich fünf als Arbeiter identifizierbare Personen und zwei Laboranten, ein Schlossermeister und ein Volontär. Neben Arbeitern und Angestellten der RESW finden sich ein Konditor, ein Polsterer, mehrere kaufmännische Angestellte, ein ehemaliger Landwirt, ein Schlosser und ein Metzger. Diese strukturelle Zusammensetzung entspricht weitestgehend den von Gerhard Paul gemachten Aussagen zur Mitgliederstruktur der NSDAP im Saargebiet vor 1933. Dem Bild der Männerpartei vor 1933 entspricht, dass sämtliche Gründungsmitglieder männlich waren.

NameBerufNSDAP-EintrittMitgliedsnummer
Ludwig Hagel(Chemie-)Techniker
Mathias LellingerBürogehilfe, Laborant
Oswald LessmeisterHüttenarbeiter
Heinrich HenryLaborant, kaufmännischer
Angestellter, Kassierer
15. November 192770.557
Artur StoffelArbeiter, Hüttenarbeiter15. November 192770.559
Wilhelm HeitzSchlosser, Gemeindearbeiter,
Hausmeister
15. November 192770.560
Ernst RuppenthalHüttenarbeiter1. Januar 192873.821
Johann KühnerMaschinist, Arbeiter,
Hüttenarbeiter
1. Januar 192873.823
Richard BracherKonditor, Konditorgehilfe1. Januar 192889.405
Werner Huppertkaufmännischer Angestellter1. August 192896.547
Erich Huppertkaufmännischer Angestellter1. August 192896.548
Emil KramerSchlossermeister1. Oktober 1929153.529
Karl LepplaVolontär, Kaufmann1. Oktober 1929153.531
Johann TheobaldLaborant, Oberlaborant1. Oktober 1929153.532
Jakob Peter EberhardtLandwirt a.D., Invalide,
Heilgehilfe, Wachtmeister,
Justizoberwachtmeister
1. Oktober 1929155.431
Peter SeilerMaschinist, Arbeiter,
Hüttenarbeiter
1. November 1929166.562
Walter KramerMetzger, Metzgermeister1. Februar 1930190.858
Ernst HildebrandtPolsterer1. Februar 1930190.859

Die Gründungsmitglieder der NSDAP-Ortsgruppe Völklingen nach Mitgliedsnummern sortiert.

Der bei Röchling tätige Schlossermeister Emil Kramer gab in seinem Entnazifi zierungsverfahren in der Nachkriegszeit zu Protokoll, er wäre der Partei aufgrund der allgemeinen schlechten Wirtschaft sverhältnisse beigetreten. Einen gewissen Einfluss auf Kramers Parteieintritt und möglicherweise auch zur Bildung der Ortsgruppe selbst, hatten seinen Angaben zufolge aus dem Deutschen Reich stammende Ingenieure, die bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken beschäftigt waren. Hier ist u.a. an den alten Kämpfer Dr. Hermann Passow zu denken, der im Oktober 1926 als Chemiker nach Völklingen gekommen war, um die Leitung der damals im Aufbau befindlichen Zementfabrik der RESW zu übernehmen. Tatsächlich lassen sich zumindest in der Zeit nach 1935 einige der ersten Ortsgruppenmitglieder dem Betrieb der RESW zuordnen, namentlich Mathias Lellinger, Ludwig Hagel und Johann Kühner.

In dem von Passow geleiteten Betrieb waren von der 126 Mann starken Belegschaft zwölf NSDAP-Mitglieder, wie eine 1936 vorgenommene Untersuchung durch einen Praktikanten bei der Abteilung für Arbeitskunde/Arbeitsvermittlung zeigt.

Über die Motivationen zum Eintritt in die NSDAP lassen sich somit fast keine Aussagen treffen. Möglicherweise spielte stellenweise soziale Unsicherheit eine Rolle, wie im Falle von Werner Huppert, der bei Parteieintritt wahrscheinlich arbeitslos war.

Die Altersstruktur unter den ausschließlich männlichen Mitgliedern vom 1. Februar 1930 zeigt, dass die Partei Anfang Februar 1930 relativ jung war. Lediglich fünf Mitglieder waren älter als 30 Jahre. Acht Mitglieder waren jünger als 25. Der älteste Angehörige der Ortsgruppe war 42, das jüngste Mitglied 18 Jahre alt.

Detaillierte Angaben, wie viele Völklinger Einwohner der NSDAP zwischen 1925 und 1945 angehörten, lassen sich aufgrund fehlender zeitgenössischer Statistiken und Berichte nur schwer ermitteln. Eine Momentaufnahme des Jahres 1935 stellt ein überliefertes Kassenbuch der Ortsgruppe Völklingen dar. Folgt man diesem
gehörten 982 Personen im Zeitraum Mai bis Oktober 1935 der NSDAP in Völklingen, Obervölklingen, Fürstenhausen und Fenne an.

Eine aus dem Jahr 1946/1948 stammende Liste der im Stadtbezirk Völklingen wohnenden Parteimitglieder dürfte ein unzureichendes Bild liefern, da sie einen Mitgliederstand der Nachkriegszeit wiedergibt. So ist es möglich, dass sich darunter Personen befinden, die erst nach dem 20. März 1945 nach Völklingen kamen, wie sich dies am Beispiel des Heinrich Gardlo nachvollziehen lässt. Dieser war von 1927 bis 1945 Mitglied der NSDAP gewesen, allerdings scheint es, als sei er erst 1948, nachdem er aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, in Völklingen ansässig geworden.

JahrgangAnzahl der Mitglieder
18882
18901
18921
19001
19021
19033
19051
19061
19071
19081
19092
19101
19121

Altersstruktur der NSDAP-Ortsgruppe
am 1. Februar 1930.

EintrittsjahrAnzahl
19272
19293
19302
193119
193223
1933462
193425
Gesamt536

Parteieintritte vor 1935 nach den Erfassungen von Parteimitgliedern nach 1945.

Diese Zusammenstellung führt insgesamt 2.790 laufende Nummern an. Nach einer Bereinigung fehlender oder doppelter Nummern reduziert sich diese Zahl ein wenig nach unten. Bei den Eintrittsdaten ergeben sich ebenfalls Unstimmigkeiten. So wurde bei Karl Adorff im Kassenjournal des Jahres 1935 als Eintrittsdatum der 23. April 1933 angegeben, wohingegen die Zusammenstellung des Jahres 1946 das Jahr 1934 nennt. Im Falle des Eduard Altena wird in der Nachkriegsliste das Jahr 1936 aufgeführt, während das Kassenbuch das Jahr 1933 angibt. Im Falle des Albert Anton oder des Rudolf Arndt hingegen stimmen beide Aufstellungen mit dem Eintrittsjahr 1933 bzw. 1931 überein. Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, dass viele Mitglieder als Eintrittsdatum eine Aufnahme nach der Rückgliederung angegeben haben, obwohl sie bereits vor der Bildung der Deutschen Front 1934 und dem Ruhen der NSDAP eine Mitgliedschaft beantragt hatten bzw. in die Partei eingetreten waren. Für eine gründliche Auswertung der Liste bedarf es noch intensiver Nachforschungen.