Das Lagernetz in Völklingen

Das Lagernetz in Völklingen2019-01-06T10:13:00+00:00

Im gesamten Saarland gab es während des Zweiten Weltkriegs mindestens 370 Lager, in denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene unter katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren. Für Völklingen werden bisher 30 Lager in der Literatur genannt. Für die seit 1974 eingemeindeten heutigen Stadtteile Ludweiler und Lauterbach werden außerdem sechs bzw. sieben weitere Lager aufgeführt. Diese Zahlen sind aber, wie z. B. ein Blick in die überlieferten „Ausländerkarteien“ und weitere Dokumente zeigt, einer genauen Überprüfung zu unterziehen. Mitunter konnte ein und dasselbe Lager unterschiedliche Bezeichnungen haben.

Liste der im Stadtgebiet Völklingen existierenden Lager (Stand: 10. Januar 1943).

Liste der im Stadtgebiet Völklingen existierenden Lager (Stand: 10. Januar 1943).

Die Lager befanden sich in Völklingen – wie in anderen Städten und Ortschaften – in eigenen Barackenlagern auf Betriebsgeländen, in für Massenunterkünfte tauglichen Örtlichkeiten, wie etwa in Sälen von Schulen, Gaststätten, Kinos oder Turnhallen, in Privathäusern, an Sportstätten oder auf alten Firmengeländen. Die RESW verfügten außerdem über Lager an den Standorten ihrer Nebenbetriebe bzw. in Gemeinden, die in relativer Nähe zu den Einsatzstätten lagen. Das Lagersystem in Völklingen umfasste bei der Räumung der Stadt Ende des Jahres 1944 ein breites Netz an Zivilarbeiterlagern und -unterkünften sowie einige wenige Kriegsgefangenenlager. Diese Lager mit ihren Menschen waren für die einheimische Bevölkerung allgegenwärtig und im Alltag präsent, sei es weil die Gefangenen vom Lager zu ihren Einsatzstätten marschierten oder weil lokale Gewerbetreibende bei der Einrichtung und Unterhaltung sowie der Verpflegung in den Unterkünften involviert waren.

Kriegsgefangenenlager

Die ersten Lager in Völklingen wurden im Spätsommer 1940 für Kriegsgefangene eingerichtet. Dies war für das Evakuierungsgebiet, die „Rote Zone“, typisch, da dort erst im Juli 1940 Kriegsgefangene eingesetzt werden durften. Bereits Anfang Juli 1940, im Zuge der bevorstehenden Wiederbesiedlung von Teilen der seit 3. September 1939 geräumten Stadt Völklingen, bemühte sich der Völklinger Bürgermeister, Dr. Helmut Eder, um die Errichtung eines ständigen Kriegsgefangenenlagers für 200 bis 300 Mann in seinem Verwaltungsbereich, um die bevorstehenden Aufräumarbeiten und Sicherungsmaßnahmen durchführen zu können. Das Lager bestand Ende Juli allerdings noch nicht, da Eder in einem Schreiben bemerkte, dass die Gefangenen täglich aus Forbach abgeholt wurden, wozu der Verwaltung sechs Lastkraft wagen zur Verfügung standen. Am 26. Juli 1940 ging ein Schreiben des Saarbrücker Landrats bei der Stadtverwaltung ein, in dem mitgeteilt wurde, dass die Vermittlung der Kriegsgefangenen künftig über das Arbeitsamt in Saarbrücken stattzufinden hatte (das seinerseits an einen Beauftragten im Stalag weiterleitete) und dass der Bedarf an Gefangenen umgehend gemeldet werden musste. Um Kontingente zugeteilt zu bekommen, hatte der Antragsteller einen Anforderungsantrag beim Arbeitsamt einzureichen, wo über die Zuteilung entschieden wurde. In einem solchen forderte Eder die Zuweisung von 250 Mann, worunter sich v. a. Bauhandwerker befinden sollten, um bei der Durchführung von Instandsetzungs- und Aufräumungsarbeiten im Zuge der Wiederbesiedlung der geräumten Stadt eingesetzt zu werden. Ursprünglich beabsichtigte der Völklinger Bürgermeister, das leer stehende ehemalige Versandgebäude der Fenner Glashütte (ehemals Saaraktien Glashütte) in Unterkünfte umzuwandeln. Der Standort wurde als günstig angesehen, da von dort aus auch die Amtsbezirke Ludweiler, Gersweiler und Püttlingen mit Kriegsgefangenen versorgt werden konnten, und Völklingen als Verteilungsstelle dienen sollte. Die Amtsvorsteher dieser Bezirke hatten sich auf einer Bürgermeisterdienstbesprechung auf die Unterhaltung eines gemeinsamen Lagers verständigt. Die Nutzung von Teilen der stillegelegten Fenner Glashütte als Gefangenenlager scheiterte allerdings vorerst an einer nicht erteilten Freigabe des Geländes durch die Wehrmacht. Erst später wurde auf dem Werksgelände ein Zivilarbeiterlager durch die RESW eingerichtet. Wohl nachdem klar war, dass der Betrieb der Fenner Glashütte nach der Evakuierung 1939 nicht mehr aufgenommen werden würde, konnte man ein Lager dort einrichten. Spätestens seit Dezember 1942 lässt sich ein Lager mit der Bezeichnung Lager Fenner Glashütte belegen.

Die ersten französischen Kriegsgefangenen wurden daher zunächst nicht in einem Barackenlager, sondern in gewerblichen Örtlichkeiten in der Bismarckstraße 63 und der Adolf-Hitler-Straße 31 (heute: Poststraße) einquartiert. Es handelte sich dabei zum einen um den Saal Theis oder die Druckerei Immich und zum anderen um das Westdeutsche Dauermilchwerk Melchior, Husmann & Co. Ein Gefangenenlager, Milchhof Völklingen bestand seit spätestens 31. August 1940. Spätestens seit Ende November, Anfang Dezember 1940 war man dabei, ein Barackenlager am Schuttplatz am Rotenhof/Rotenberg zu errichten. Die Arbeiten wurden größtenteils durch die Völklinger Baufirma Karl Stockum (Püttlingerstraße 56) ausgeführt. Das Lager, das für rund 300 Mann ausgelegt war, konnte zum 7. März 1941 mit Gefangenen belegt werden. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen, denn im April 1941 meldete die Stadtverwaltung den Bedarf von einer Tonne Eisen bei der Eisenverteilungsstelle für Gemeinden und Gemeindeverbände beim Deutschen Gemeindetag für die Einrichtung eines Gefangenlagers an. In der Begründung hieß es, dass das Eisen zur Einrichtung der Unterkünfte dringend benötigt würde.

Nachdem zunächst für kurze Zeit eine Verteilungsstelle für Kriegsgefangene in Forbach eingerichtet und im Oktober aufgelöst worden war, wurden die Kriegsgefangenen anschließend durch das Mannschaftsstammlager (Stalag) XII D Trier gestellt. Anschließend wurde das Lager für einige Zeit, da es zunächst dem Stalag-Bereich XII B in Frankenthal zugeordnet war, als Arbeitskommando Nr. 1306 geführt. Seit September 1941 war das Stalag XII F Bolchen (ab April 1942 nach der Zusammenlegung der Lager Frankenthal und Bolchen als Forbach) für die Verwaltung der Kriegsgefangenen in Völklingen zuständig. Mit diesem Wechsel ging offenbar auch eine Umbenennung des Arbeitskommandos einher. Das städtische Kriegsgefangenenlager bildete nunmehr das Arbeitskommando Nr. 907 des dortigen Stammlagers. Es wurde auch als Stadtkommando bezeichnet. Dem Lager unterstanden seit Sommer 1942 neben französischen Kriegsgefangenen auch russische. Spätestens seit August 1943 gab es auch ein Lager für italienische Gefangene, die ebenfalls dem Arbeitskommando 907 zugeteilt wurden.

Seit Juli 1942 war man wegen des baldigen Eintreffens von rund 300 sowjetischen Kriegsgefangenen mit der Errichtung eines Russenlagers am Rotenberg beschäftigt. Aufgrund des Runderlasses I Ra 5423/II/42/600 (vermutlich vom Reichsminister des Innern) vom 16. Juni 1942 hatten die Gemeinden für die Unterbringung und Verpflegung der Ent- und Beladekolonnen (russische Kriegsgefangene) zu sorgen. Bereits ein Runderlass des Reichsministers des Innern vom 4. Juni 1942 hatte u. a. die Bildung von Kolonnen zur Beschleunigung des Eisenbahnwagen-Umlaufs angeordnet. Dabei sollten in erster Linie Kriegsgefangene eingesetzt werden. Zur Beschleunigung des Eisenbahnwagen-Umlaufs, d. h. dem effektiveren Ausnutzen der Eisenbahnwaggons, wurden auch der Stadtverwaltung und den RESW solche Kolonnen zugewiesen, die dem Nahverkehrsbeauftragten in Wiesbaden unterstanden.

In diesem Zusammenhang kam es zu einer notwendigen Erweiterung des französischen Kriegsgefangenenlagers und der Einrichtung von Baracken für diese russischen Kriegsgefangenen. Da die Meldung der Ankunft der russischen Gefangenen anscheinend recht spät in Völklingen eintraf und aufgrund des herrschenden Arbeiter- und Materialmangels, konnten die nötigen Unterkünfte nicht den Anforderungen entsprechend fertiggestellt werden. Die russischen Kriegsgefangenen waren bis zur endgültigen Fertigstellung der Baracken zunächst in einem Kriegsgefangenen-Ausweichlager in Wehrden untergebracht. An den hölzernen Barackengebäuden im Lager, die spätestens im November fertiggestellt waren, mussten allerdings auf Anordnung der Wehrmacht einige Verbesserungen vorgenommen werden. Im August rechnete man noch mit einer Zuteilung von 300 russischen Gefangenen, im November waren es offenbar schon 360. Diese Zahlen wurden allerdings nicht erreicht.

Das städtische Kriegsgefangenenlager am Rotenhof im September 1943.

Das städtische Kriegsgefangenenlager am Rotenhof im September 1943.

Größere Umbaumaßnahmen am Kriegsgefangenenlager wurden Ende des Jahres 1941 bzw. zu Beginn des Jahres 1942 vorgenommen. Ab Oktober 1942 bis etwa zum Jahresende erfolgten weitere Änderungen im Lagerbereich, in dem die französischen Kriegsgefangenen untergebracht waren. In den folgenden Jahren, v. a. seit der Zuweisung von IMI, wurden Erweiterungen durchgeführt.

Im September 1943 erstreckte sich das Lager, das in direkter Nachbarschaft zu den 1924/25 errichteten Reihenhäusern am Rotenhof stand, über eine Fläche von knapp einem halben Hektar. Innerhalb des Lagers gab es drei intern getrennte Bereiche, die wohl den jeweiligen Nationen entsprechend zugeteilt waren. Spätestens 1944 verfügte das Lager zu Luftschutzzwecken über einen Luftschutzraum und einen Splitterschutzgraben.

Die Bewachung des Stadtlagers wurde durch Mannschaftsteile von Landschützenbataillonen der Wehrmachtgestellt. In den Einnahmeanordnungen über Verpflegung und Unterkunft lassen sich verschiedene Truppeneinheiten nachweisen. So waren z. B. die Landschützenbataillone 342 Forbach, 433 Saarlautern, 780 Püttlingen, 381 Dillingen und 381 Wallerfangen mit den Wachaufgaben im Lager am Rotenberg betraut.

Der Auf- und der ständige Aus- und Umbau des Stadtlagers sowie die Versorgung der Gefangenen spielten im wirtschaftlichen Leben der Stadt (und auch darüber hinaus) einen nicht unbedeutenden Faktor. So profitierten Bauunternehmen oder Holzhandlungen davon, dass Baumaterialien benötigt wurden. Kleine Geschäfte, Kolonialwarenhandlungen, Bäckereien, Metzgereien oder Lebensmittelgroßhandlungen belieferten das Lager mit Lebensmitteln und Waren aller Art. Drogerien lieferten Sanitärartikel oder Chlorkalk für die Desinfektion. Kohlen und Koks zur Beheizung der Öfen in den Baracken mussten herbeigeschafft werden. Installationsgeschäfte kümmerten sich um die Instandhaltung von Lichtanlagen im Lagerbereich. Diese Versorgungskette dürfte zum größten Teil auch für die anderen Lager im Stadtgebiet gegolten haben.

Rechnung der Fa. Schwarz & Zinke über die Warenlieferung zur Versorgung der IMI im städtischen Kriegsgefangenenlager.

Rechnung der Fa. Schwarz & Zinke über die Warenlieferung zur Versorgung der IMI im städtischen Kriegsgefangenenlager.

Rechnung des Heinrich Lang wegen der Lebensmittellieferung zur Versorgung der französischen Kriegsgefangenen im städtischen Kriegsgefangenenlager.

Rechnung des Heinrich Lang wegen der Lebensmittellieferung zur Versorgung der französischen Kriegsgefangenen im städtischen Kriegsgefangenenlager.

Wann genau das Kriegsgefangenenlager, das sich hinter dem Schlafhaus der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke in der Bismarckstraße befand eingerichtet wurde, ist bisher nicht zu ermitteln gewesen. Es wurde vor dem städtischen Kriegsgefangenenlager eingerichtet und bestand seit spätestens 3. September 1940. Das Lager war den Vorschrift en entsprechend mit Stacheldraht und einem Bretterzaun umzäunt. Ein aus sechs Soldaten, einem Unteroffizier und einem Feldwebel bestehendes Wachkommando übernahm in der frühen Zeit die Bewachung der Gefangenen.

Das Lager bildete zunächst das Arbeitskommando 1305 und später 902, in dem von 1940 bis 1945 mindestens 1.266 französische Gefangene und 871 IMI einquartiert worden waren.585 Auf dem Lagergelände waren zunächst französische Kriegsgefangene untergebracht. Mitte Oktober 1942 bot das Lager Platz für 400 Gefangene, während einige Wochen zuvor noch 450 Mann Platz hatten. Über ein Jahr später hatte sich die Lagerkapazität auf eine Sollbelegungsstärke von 253 reduziert. Neben französischen waren nun auch russische Gefangene dort untergebracht. Das Lager bestand Ende 1943 aus sieben Fillod-Stahlbaracken, einer Mannschaft sbaracke, einer Aufenthaltsbaracke, zwei Waschbaracken, einem Abort und einer Kantine. Die Kantine und eine Friseurstube wurden erst später eingerichtet. Außerdem waren eine Baracke für die Schreibstube, die durch französische Gefangene geleitet wurde, und eine Revierstube unter Leitung eines deutschen Zivilarztes vorhanden.

Die seit Oktober 1943 dem Arbeitskommando 902 zugewiesenen italienischen Militärinternierten wurden zunächst in den bis dahin für zivile Arbeiter genutzten Baracken der Lager Schlafhaus (2 und 2a) und dem Lager Le Hoc I einquartiert. Im städtischen Kriegsgefangenenlager wurden ebenfalls IMI der RESW einquartiert. Im Januar 1944 wurden die Lager 2 und 2a sowie Le Hoc I allerdings wieder geräumt. Die IMI wurden nach Fenne verlegt, von wo aus sie mit Ausnahme einiger für Umschulungsmaßnahmen vorgesehener Gefangener wieder Mitte März 1944 in das Lager am Schlafhaus kamen. Auch das IMI-Lager verfügte über ein Krankenrevier.

Die russischen Kriegsgefangenen, die auf der Völklinger Hütte arbeiten mussten, waren teilweise im Lager der Stadt auf dem Rotenhof untergebracht. Hierfür zahlten die RESW der Stadtverwaltung regelmäßig einen Beitrag zur Stellung der Unterkunft. Um auf das Hüttengelände zu gelangen, wurden die Kriegsgefangenen täglich zum Torhaus 3 (Bismarckstraße) der Hütte gebracht, um von dort aus von Werksangehörigen abgeholt und ihren Arbeitsplätzen zugewiesen zu werden. Nach Arbeitsende wurden sie wieder zur Eingangsstelle des Werksgeländes geführt und kehrten in das Gefangenenlager im nördlichen Stadtgebiet zurück.

In Völklingen kamen russische Kriegsgefangene, deren Verwendung als Arbeitskräfte auf dem Boden des Deutschen Reiches zunächst abgelehnt worden war, im Gegensatz zu Saarbrücken, möglicherweise vor den zivilen Ostarbeitern an bzw. war deren Einsatz vorgesehen. In anderen Reichsteilen wurden russische Gefangene bereits 1941 zu Arbeitseinsätzen herangezogen wurden. Einem Lagebericht für den Monat November 1941 an den Saarbrücker Landrat zufolge waren neuerdings 400 russische Kriegsgefangene eingetroffen. Wie lange diese Gefangenen in Völklingen blieben und ob sie überhaupt eintrafen, bleibt allerdings unklar. Vielleicht stehen die Ausgaben für die Erweiterung des städtischen Kriegsgefangenenlagers vom Dezember 1941 damit in Verbindung. Erst im August 1942 lassen sich wieder 75 sowjetischen Kriegsgefangenen in städtischen Diensten nachweisen.

Bis Ende 1943 oder Anfang 1944 gab es in Völklingen lediglich zwei Kriegsgefangenenlager. Mit dem Sturz des Mussolini-Regimes im Juli 1943 und dem Festsetzen der italienischen Soldaten im September standen ab Herbst 1943 zahlreiche italienische Militärinternierte für den Arbeitseinsatz im Reich zur Verfügung. Das vermehrte Eintreffen machte sich auch in Völklingen bemerkbar. Neben dem IMI-Kommando 907, das ebenfalls auf dem Rotenhof einquartiert war, und dem IMI-Kommando 902 der Völklinger Hütte befanden sich zwei weitere Arbeitskommandos in Völklingen. Beide lassen sich erst 1944 belegen. Das eine befand sich in Fenne und bildete das Arbeitskommando 2083. Das andere Arbeitskommando, das sich aus Franzosen und IMI rekrutierte, lässt sich in Geislautern lokalisieren und trug die Nummer 2097.

Der Einsatz von Kriegsgefangenen im wiederbesiedelten Gebiet war offenkundig in den ersten Monaten von Komplikationen begleitet, der zu Unmut bei den Leitern der Stammlager und den Rüstungskommandos führte. Wiederholt muss es vorgekommen sein, dass Firmen und Verwaltungen eigenmächtig Kriegsgefangene an andere Einsatzorte entsandten, ohne sich vorher bei den zuständigen Stalags bzw. Arbeitsämtern eine Genehmigung eingeholt zu haben. Der Völklinger Bürgermeister verstieß wohl öfters gegen diese Vorgaben, wie ein Schreiben des Arbeitsamtes Saarbrücken vom 13. Dezember 1940 nahe legt. Darin wurde sogar bei weiteren Vergehen mit dem sofortigen Abzug der Kriegsgefangenen gedroht. Ein weiterer Verstoß Eders wurde aktenkundig, als dieser Kriegsgefangene aus Trier, die eigentlich für mehrere Ämter bestimmt waren, abholte und sämtliche Gefangenen für Völklingen bestimmte.

Lager zur Unterbringung ziviler Arbeitskräfte

Erst nach der Einrichtung von Kriegsgefangenenlagern im städtischen Gebiet wurden für zivile Arbeiter erste Unterkünfte angelegt. Genaue Daten, wann diese errichtet wurden, sind nicht überliefert. Durch das Heranziehen verschiedener Quellen lassen sich jedoch die Zeitpunkte für die Entstehung der Lager eingrenzen.

Eine Zuteilung ausländischer Arbeitskräfte durch das Arbeitsamt war an die Bedingung der Unterbringung der Arbeiter durch den Arbeitgeber gebunden. Dies stellte v. a. die Verwaltung der Völklinger Hütte immer wieder vor Probleme. Einen Ausweg aus dieser für das Werk misslichen Lage des begrenzten Raumes in Massenquartieren stellte der Bau von großen Barackenlagern dar.

Schon in einer Aufsichtsratssitzung vom 11. Dezember 1941 berichtete der Völklinger Betriebsführer von Gemmingen-Hornberg, dass eines der Hauptprobleme neben der Arbeiterrekrutierung die Unterbringung der hinzukommenden Arbeitskräfte bildete. In einem Merkblatt aus dem Jahr 1941 wurde bereits festgehalten, dass ausländische Arbeitnehmer möglichst geschlossen in Lägern unterzubringen waren. Es musste darauf geachtet werden, dass die verschiedenen Nationen getrennt voneinander untergebracht waren. Bei den RESW wurde dies nicht eingehalten, weswegen Ende Januar 1942 eine Beschwerde seitens des Arbeitsamtes und der Feldkommandantur 591 (Nancy) einging. Das Unternehmen ordnete intern an, bei den künftigen Zuweisungen dies einzuhalten und Trennungen vorzunehmen.

Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Unterbringung ihrer Arbeiter – Ehefrauen französischer Arbeiter sollten provisorisch in einem Hotel untergebracht werden – forderte die Afa im Oktober 1942 von der Abteilung Technisches Büro sogar die Einrichtung einer Art Durchgangslager. Ein solches wurde auch seitens des Arbeitsamtes gefordert. Bis zu seiner Räumung Anfang Januar 1943 diente das Lager Tacke als Durchgangslager. Die RESW beabsichtigten daher im Februar 1943 an Torhaus 6 (Bahnhof ) ein Auffanglager zu errichten. Bis jedoch mit dem Aufbau begonnen werden konnte, sollte eine leer stehende Baracke des im Aufbau befindlichen Lagers Am Schulzenfeld diesen Zweck erfüllen. Wenig später war das sogenannte Dänenlager Am Leh – dieses war vermutlich mit dem sogenannten Serbenlager Nr. 13 identisch und hatte von Oktober 1942 bis Anfang Februar als Jugenderziehungslager gedient – als Auffanglager im Gespräch. Diese Funktion kann es nur kurz inne gehabt haben, da das Lager im April 1943 für Franzosen freigemacht wurde. Noch im Oktober 1943 ist von einem nicht näher zu lokalisierenden Durchgangslager die Rede.

Die große Anzahl der rekrutierten französischen Zivilarbeiter wurde im Jahr 1941 zunächst in Massenquartieren untergebracht. Durch den ständigen Bau von Barackenlagern – umfangreiche Planungen über geschlossen Läger fanden seit 1943 statt – beabsichtigten die RESW offenbar, nach und nach die in gepachteten Sälen untergebrachten Arbeiter lagermäßig einzuquartieren. Im Mai 1944 waren noch 1.373 ausländische Arbeiter auf 29 Säle (auch außerhalb Völklingens) verteilt. Das Vorhaben konnte nicht realisiert werden, wie die Lagerbelegung vom 30. November 1944 zeigt. Darin finden sich weiterhin zahlreiche, mit ausländischen Arbeitern belegte Säle. Zu diesem Zeitpunkt verfügten die RESW über 6.935 Unterbringungsmöglichkeiten (inklusive der Reviere und der Säuglings- und Entbindungsheime) in Völklingen und anderen Orten.

Welche Summen das Völklinger Stahlunternehmen für den Bau, die Erweiterung und die Einrichtung von Lagern ausgegeben hatte, teilte es im Jahresbericht der Geschäftsführung des Unternehmens für das Jahr 1943 den Anteilseignern mit. Demnach hatte man bislang mehr als RM 5 Millionen investiert.

Die folgende Zusammenstellung der in Völklingen gelegenen Lager beginnt mit den im Stadtbezirk vorhandenen Barackenlagern mit ihren beengten Lebensverhältnissen und identifiziert die sonstigen als Massenunterkünfte genutzten Räumlichkeiten. Die Privatquartiere, in denen noch 1943 zahlreiche ausländische Arbeiter wohnten, werden nicht berücksichtigt. Die meisten Unterkünfte wurden durch die RESW genutzt. 1947 übermittelte die Stadtverwaltung der französischen Militärbehörde eine Aufstellung der Lager für ausländische Kriegsgefangene und Zivilarbeiter, die sich im Stadtbereich Völklingen befanden. Dort werden neben zwei Kriegsgefangenenlagern 23 DAF-Lager für ausländische Arbeiter sowie ein Krankenrevier und ein Säuglings- und Entbindungsheim aufgeführt. Diese Liste ist kein Abbild der Realität. In Wirklichkeit war das Netz der Lager in Völklingen viel dichter gewebt.

Der Übersichtlichkeit halber hatten die RESW eine Durchnummerierung der von ihr betriebenen Barackenlager und Unterkünfte vorgenommen. So lassen sich neben den großen Barackenlagern I, II und III und dem als Serbenlager Nr. 13 bezeichneten Arbeiterlager auch Lager mit den Nummern 14 und 16 nachweisen. Aus einer Lager- und Unterkunft sliste des Technischen Büros vom 15. Oktober 1942 wird ersichtlich, dass der Betrieb eine gesonderte Zeichnung Nr. 23 führte, in der den einzelnen Lagern Nummern zugewiesen wurden. So wurde dem Lager Am Leh bzw. dem Serbenlager die Nr. 13 in diesem Kataster zugeordnet. Somit erhellt sich auch die in den Akten auft retende Bezeichnung. Nach Oktober 1942 kam es teilweise auch zu neuen Einteilungen. Die späteren Schlafhauslager 2 und 2a hatten anfangs nämlich die Zuordnungen 12 und 12a erhalten. Die Zahl von 62 Fremdarbeiterlagern, die Pierre Chavan in seiner 1948 getätigten Aussage im Rastatt-Prozess gegen Röchling nannte, gewinnt somit einiges an Aussagekraft. Bei dieser Nummerierung der Lager wurden die nicht in Völklingen gelegenen Unterkünfte ebenfalls berücksichtigt. Ebenso wurden einfache Lagerhallen in der Zählung erfasst.

Stempel der DAF des Ausländerlagers Am Schulzenfeld.

Stempel der DAF des Ausländerlagers Am Schulzenfeld.

Stempel der DAF des Ausländerlagers in der Turnhalle in Obervölklingen.

Stempel der DAF des Ausländerlagers in der Turnhalle in Obervölklingen.

Die Deutsche Arbeitsfront (DAF), die mit der Leitung der Lager betraut war, hatte das Lagersystem in verschiedene Bereiche eingeteilt. Der Stadtbezirk Völklingen lässt sich mindestens zwei DAF-Lagerbereichen zuweisen. Die Lager Thomasmühle und Am Schulzenfeld gehörten dem Lagerbereich Völklingen an. Das Lager in der Turnhalle Obervölklingen dagegen war dem Lagerbereich Luisenthal-Klarenthal zugeteilt. Zudem gab es in Völklingen den Sitz der Oberlagerführung.

Die DAF überließ ab 1941 den RESW in der Stadt von ihr betriebene Lager, die in der Zeit nach der Wiederbesiedelung Völklingens, eingerichtet worden waren. Nachdem am 9. Februar eine Vereinbarung zwischen der DAF und der Hütte getroffen worden war, übernahm das Unternehmen die Lager unter der Bedingung, dass diese instand gehalten wurden, das notwendige Inventar beschafft wurde und schlüsselfertige neue Läger nach den Richtlinien der DAF gebaut werden sollten. Die DAF behielt sich die Verwaltung, die soziale Betreuung der Einquartierten, die Lagerdisziplin und die Verpflegung vor. Das Personal war der DAF unterstellt. Diese ernannte die Lagerführer, mit denen die RESW öfters Schwierigkeiten hatten. In den Lagern galt eine Lagerordnung, die die Bewohner einzuhalten hatten.

Die Kooperation zwischen den RESW und der DAF, der die Betreuung der Ausländer oblag, in Lagerangelegenheiten verlief nicht reibungslos. So sind z. B. zwischen der Abteilung Lagerbetreuung und dem Oberlagerführer Schäfer Unstimmigkeiten oder Beschwerden der DAF wegen des ungenügenden Einsatzes von Lagerbetreuern belegt. Bei den RESW wurde im April 1943 eine regelmäßige Kontrolle der Ausländerlager mit Ausnahme des Straflagers in Etzenhofen durch die Betriebschefs angeordnet. Dabei sollten die Fremdarbeiter besonders über die Verpflegung befragt werden, da die DAF offenbar Zusatzrationen an Schwer-, Schwerst- und Nachtarbeiter zurückhielt. Gleichzeitig waren die Sanitäranlangen und die Baracken zu inspizieren. Beanstandungen mussten in einem Kontrollbuch notiert werden. Diese Begehungen stießen auf Ablehnung seitens der DAF.

Durch eine weitere Abmachung am 21. September 1943 versuchte man, die Zuständigkeit in Fragen der Lagerbetreuung zu regeln. Dabei stellte Staatsrat Friebel von der DAF-Reichsleitung fest, dass die Befehlsgewalt innerhalb der Lager dem Betriebsführer bzw. dessen Beauftragten oblag und Maßnahmen nach der sachlichen Seite anzuordnen waren. Unterstützen sollte ihn der Oberlagerführer, der gemeinsam mit seinen Lager- und Unterlagerführern die Anordnungen auszuführen hatte. Für die ordnungsgemäße Durchführung war der Lagerführer dem Betriebsführer gegenüber verantwortlich. Nach der politischen Seite war der Oberlagerführer jedoch alleine der DAF unterstellt und dieser verantwortlich. Die DAF-Beauftragten waren zuständig für die Aufgaben der Betreuung, die sich auf Unterkunft, Verpflegung, Behandlung und Freizeitgestaltung erstreckten. Für die kulturelle Betreuung der Franzosen hatten die RESW aber auch eine eigene Person ernannt.

Für den 15. September 1944 war gemäß einer allgemeinen Verfügung eine Übernahme der Lagerbetreuung durch die Unternehmen vorgesehen. Dazu kam es allerdings in Völklingen nicht, da die DAF eine Übergabe wegen im Revier herrschender Verhältnisse dies ablehnte.

Serbenlager / Spanienlager / Lager (1) Thomasmühle / (Russen-)Lager I (Bismarckstraße) / Lager Ost I

Das erste große Barackenlager für zivile ausländische Arbeitskräfte wurde 1941 unter der Bauleitung des Betriebes 41 (Baubetrieb) der RESW geschaffen. Dieses an der Bußerstraße [Bismarckstraße] gelegene Ausländerlager wurde zunächst als Serbenlager, Lager I (Serbenlager) oder Serbenlager 1 bezeichnet, da es zur Unterbringung von 1.000 in Aussicht stehender serbischer Arbeiter konzipiert worden war. Die Bauarbeiten wurden im August 1941 in Angriff genommen. Das Lager, das sich auf dem Hüttenareal befand, war spätestens seit September 1941 fertiggestellt und bewohnt. Vermutlich war es unmittelbar nach dem Balkanfeldzug errichtet worden. Im Dezember 1941 quartierte man außerdem die ersten spanischen Arbeiter, die als Ersatz für die Serben vorgesehen waren, dort ein. In diesem Zuge erhielt das Lager offenbar die interne Bezeichnung Spanienlager. Nachdem offenbar klar war, dass der Einsatz der serbischen Arbeiter geringer ausfallen würde als ursprünglich vorgesehen, verlegte man die Unterkunft für serbische Arbeiter an die verlängerte Louis-Röchling-Straße. Das dortige neue Quartier führte fortan die Bezeichnung Serbenlager meist in der Verbindung mit Nr. 13.

Das ursprüngliche Serbenlager lag in der Nähe der Thomasmühle, weswegen es später auch als Lager Thomasmühle identifiziert wurde. Weiterhin führte es die Bezeichnung(en) (Russen-)Lager (Ost) I teilweise mit dem Zusatz Bismarckstraße. Dies deutet auf eine neue Ausrichtung des Quartiers im Jahr 1942 hin als zunehmend Ostarbeiter nach Völklingen zum Arbeitseinsatz rekrutiert wurden. Die Belegung mit Ostarbeitern könnte erst nach April 1942 erfolgt sein, da in diesem Monat noch drei französische Zivilarbeiter mit einer Unterkunft im Lager I nachgewiesen werden können. Seit März 1943 verfügte das Lager über einen Splitterschutzgraben und möglicherweise über einen Unterstand.

Mitte 1942 und noch zu Beginn des Jahres 1943 war das Lager an der Thomasmühle mit einer Sollbelegung von 800 bzw. 881 das größte Barackenlager der Hüttenstadt. Ende des Jahres konnten 821 Menschen aufgenommen werden. Im Augenblick der Evakuierung hatte das Lager eine Aufnahmekapazität von 726. Der Rückgang könnte sich daraus erklären, dass sich in dem Lager seit Mitte 1943 ein Entbindungsheim befand, für das Raum zur Verfügung gestellt werden musste. Laut Aussage des ehemaligen Leiters der Abteilung Architektur, Wilhelm Ludwig Wurm, wurden im Lager die Kanalisations- und Straßenanlagen ausgebaut und durch die Anlage von Blumen- und Gemüsebeeten Verschönerungen vorgenommen. Um Wärmeverluste zu vermeiden sollen unter Überwindung grosser Schwierigkeiten die Wände der Baracken ergänzt worden sein. Im Lager gab es eine Küche. Trotz der ergriffenen Maßnahmen war die hygienische Situation äußerst bedenklich, v. a. was die Auswirkungen auf den gesundheitlichen und physischen Zustand der Arbeiter anging.

Bis Mitte Dezember 1942 sollten schwangere Arbeiterinnen noch größtenteils in ihre Heimat abgeschoben werden. Anschließend mussten die Mütter ihre Kinder im Deutschen Reich zur Welt bringen, damit die Arbeitskraft nicht verloren ging. Für die Säuglinge sollten Still-Einrichtungen und Kleinkinderbetreuungs-Einrichtungen einfachster Art geschaffen werden, in denen sie strikt von deutschen Kindern getrennt unterzubringen waren.

Wie hoch der Anteil von Schwangeren in Völklingen war, die wieder in ihr Heimatland geschickt wurden, lässt sich aufgrund fehlender Quellen nicht beziffern. Fest steht, dass 1942 nicht in allen Fällen schwangere Ostarbeiterinnen und Polinnen abgeschoben wurden. Bis zum 15. Dezember 1942 lassen sich 20 Geburten in Völklingen nachweisen, bei denen die Mutter Ostarbeiterin, Ukrainerin oder Polin war. Keine Angaben ließen sich über die Anzahl freiwilliger oder erzwungener Schwangerschaftsabbrüche ermitteln. Nach einer Aussage von Dr. Harald Ossenbühl, dem ehemaligen Chefarzt des Hüttenkrankenhauses, vom 29. Mai 1947 wurden durch diesen selbst im Röchling’schen Krankenhaus keine Aborte vorgenommen. Allerdings bestand die Möglichkeit, nach Stellung eines Antrages, Abtreibungen vorzunehmen, die dann in einem Speziallazarett in der Pfalz durchgeführt wurden. Vermutlich wurden die Schwangerschaftsunterbrechungen im Ostarbeiterkrankenhaus in Waldfischbach bei Pirmasens durchgeführt.

Die Aufstellung von Baracken für ein Entbindungsheim für Ostarbeiter bei den RESW, das im Komplex des Lagers Thomasmühle errichtet wurde, dürfte in die Zeit um Mitte 1943 fallen. Erfolgten die beim Standesamt Völklingen registrierten Geburten von v. a. Ostarbeiterkindern bis Juli 1943 zumeist im Hüttenkrankenhaus, wurden die Entbindungen ab Juli 1943 im Lager Ost I vorgenommen. Im Entbindungsheim, das zehn Plätze umfasste, befanden sich am 30. November 1944 zwei Neugeborene. Das Personal rekrutierte sich aus russischen Arbeiterinnen. Auch eine sich freiwillig dem deutschen Reich zur Verfügung gestellte litauische Ärztin, Dr. Natalia von Butkewitsch, gehörte neben einer ihr unterstellten russischen Hebamme zum Mitarbeiterstab des Entbindungsheims und der Kinderstation.

Neben diesem Entbindungsheim gab es bereits seit spätestens Anfang des Jahres 1943 eine Säuglingsstation. Während die Mütter ihrer Arbeit nachgehen mussten, fand eine Betreuung der russischen Kinder durch besonders geschultes Personal, Kindergärtnerin und Sanitäterin russischer Staatsangehörigkeit statt. Die Kosten für die Unterbringung steuerten die RESW bei, aber auch die Mütter mussten zum Unterhalt durch ihren Arbeitsverdienst einen Beitrag leisten. Eine Separierung der Kinder von ihren Müttern scheint daher, zumindest bis Anfang 1943, nicht vorgenommen worden zu sein. Die Mütter wurden zunächst innerhalb des Lagers beschäftigt. Dennoch war die Zeit, in der die Mütter wegen der Geburt der Kinder nicht als Arbeitskraft zur Verfügung stehen mussten, relativ kurz. Zwar finden sich nur auf wenigen Karteikarten Hinweise, dass Arbeiterinnen zur Entbindung ausgefallen sind, doch betrugen die Ausfallzeiten in zwei Fällen zum einen elf und zum anderen sieben Tage. Im Mai 1943 stellte sich die in Völklingen praktizierende Kinderärztin Dr. Eugenie Kömen freiwillig für die Betreuung der Säuglinge zur Verfügung. Spätestens seit dem 27. Dezember 1943 war sie mit der Wiederherstellung der Gesundheit der Russenkinder betraut. In der Säuglings- und Wöchnerinnenbetreuung blieb sie bis zur Auflösung des Lagers tätig. Folgt man Kömens 1949 gemachten Aussage im Entnazifizierungsverfahren von Gemmingen-Hornbergs, dann soll sie die werkseigene Milchküche in die Versorgung der Kleinstkinder eingeschaltet haben und neben der üblichen Säuglingsnahrung auch kostspielige Heilnahrung für ernährungsgestörte Kinder hergestellt worden sein. Schwer kranke Kinder sollen auf die Kinderstation des St. Michaelkrankenhauses verbracht worden sein, wo sie gemeinsam mit deutschen Kindern stationär behandelt wurden. Außerdem hätten bei der Behandlung mit Medikamenten zwischen Lager und Krankenhaus keine Unterschiede bestanden.

Im Oktober 1943 befanden sich 43 Säuglinge bei den RESW in Völklingen. Der Betriebsführer der Völklinger Hütte forderte wegen der unbefriedigenden Unterbringung dieser Säuglinge ein gesondertes Kinderheim und einen Kindergarten. Eine Kontaktaufnahme mit DAF-Verantwortlichen ergab, dass für Kleinstkinder der Ostarbeiter besondere Kinderheime errichtet werden mussten. An der Wende Januar/Februar 1944 wurde ein Kostenanschlag und Mitte März 1944 im Benehmen mit der DAF ein Plan aufgestellt. Im Mai 1944 war die Kinderbaracke noch nicht errichtet. Die Bauplanungen wurden wegen der Errichtung der Tuberkulose-(TBC)-Baracken im Lager Am Leh zurückgestellt und offenbar kriegsbedingt nicht ausgeführt. Am 30. November 1944 war das Säuglingsheim mit einer Belegung von 68 Plätzen leicht überbelegt (Soll 64).

Im Lager befand sich außerdem eine Sanitätsstelle mit zwei kleinen primitiv ausgestatteten Räumen, die ab April 1944 auf Initiative des Arztes Dr. Paul Grouven erweitert werden sollte. Der Umbau zog sich allerdings über mehrere Monate hin. Mitte Juni 1944 musste das Krankenrevier des Lagers I sämtliche an Tuberkulose erkrankten Ostarbeiter und Polen aus anderen Lagern aufnehmen, die vermutlich in einer dort vorhandenen Isolierbaracke stationär aufgenommen waren.

Lager Schlafhaus / Lager 2/2a (12/12a) / (Russen-)Lager Ost II (Schlafhaus Bismarckstraße)

Ebenfalls auf dem Hüttengelände wurde das zweite Barackenlager der RESW für zivile Arbeiter errichtet. Das sogenannte Lager am Schlafhaus, das diese Bezeichnung aufgrund seiner Lage direkt hinter dem Röchling’schen Schlafhaus in der Bismarckstraße erhielt, lag zunächst in einem geringen Abstand neben dem werkseigenen gleichnamigen Kriegsgefangenenlager – nur durch Zaun und einen schmalen Pfad getrennt. Das Quartier, das größtenteils aus Fillod-Baracken bestand, war auch als Lager (Ost) II oder Lager 2 bekannt. Möglicherweise wurde es im Mai 1942 im Zuge des Eintreffens der ersten Ostarbeitertransporte errichtet. Noch im selben Jahr erfolgte eine Erweiterung des Lagers, sodass das Kriegsgefangenenlager nun von diesen beiden Komplexen in westlicher und östlicher Richtung umschlossen wurde. Dieser Neubau trug den Namenszusatz 2a – früher 12a. Noch 1944 wurde eine Küchenanlage in Massivbau im Lager aufgebaut. Anfang des Jahres 1943 konnten dort 810 Menschen untergebracht werden. An- und Umbaumaßnahmen wurden wohl Mitte des Jahres 1943 vorgenommen. Im Frühjahr des Jahres 1943 wurde auch ein Splitterschutzgraben angelegt.707 In diesem Zusammenhang wird ersichtlich, dass wenigstens 11 Baracken vorhanden waren. Mit dem Eintreffen der IMI im Herbst 1943 wurde das Lager in ein Gefangenenlager für diese umfunktioniert. Nachdem diese dort einige Zeit einquartiert worden waren, wurden sie in ein Lager in Fenne verlegt, bevor sie wieder im März erneut in das Lager am Schlafh aus verbracht wurden. Das erklärt wiederum, warum im Lager- und Belegungsverzeichnis vom 30. November 1944 für das Lager 2 + 2a Schlafhaus keine Angaben gemacht wurden.

(Russen-)Lager (Am) Schulzenfeld / Barackenlager III

Am Ende der Bebauung in der Hofstattstraße in Richtung Bouser Höhe, auf teilweise den RESW gehörigen Grundstücksparzellen entstand im Laufe der zweiten Jahreshälfte 1942 das spätestens ab Mitte/Ende 1943 größte Völklinger Lager, das Barackenlager III Am Schulzenfeld. Dieses lag in direkter Sicht zur Lebensmittelgroßhandlung Schwarz & Zinke (Hofstattstraße 178) und in der Nähe des Straßenzuges Am Schulzenfeld. Der nördliche Teil des Lagers grenzte unmittelbar an bewaldetes Gebiet. Die Errichtung dieses Großlagers könnte mit einiger Sicherheit bereits 1941 angedacht gewesen sein, da im Bericht der Bauabteilung für das Jahr 1941 als Maßnahme des darauffolgenden Jahres die Erstellung eines Barackendorfes für Ausländer mit Familie genannt wird.

Anfang des Jahres 1943 bot das zu diesem Zeitpunkt nur zu knapp dreiviertel belegte Lager Platz für 506 Personen. Allerdings war man bereits dabei, die Kapazitäten zur Unterbringung erheblich zu erweitern. In einer an das Staatliche Gesundheitsamt des Landkreises Saarbrücken übermittelten Aufstellung wurde mitgeteilt, dass für voraussichtlich 1.000 Mann ein Ausbau des Lagerkomplexes Schulzenfeld geplant bzw. bereits in Angriff genommen worden war. Am 15. Dezember 1942 konnte das erste Viertel des auf 1.500 Mann ausgelegten Lagers (im südlichen Bereich an der Hofstattstraße) fertiggestellt werden, nachdem frühere Termine offenbar nicht eingehalten werden konnten. Im Vormonat war das Unternehmen noch davon ausgegangen, dass die Bauarbeiten am neuen Russenlager im Dezember komplett beendet werden könnten. Ende November sollten sogar die ersten Ostarbeiter in das Lager einquartiert werden.

Da das Lager Am Schulzenfeld nicht voll belegt war und das Arbeitsamt Saarbrücken die Einrichtung eines Auff anglagers forderte, sollte im Februar 1943 zunächst eine dort leer stehende Baracke für diese Zwecke benutzt werden, ehe die Arbeiten zur Erstellung dieses Sammellagers an Torhaus 6 in Angriff genommen werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das Lager noch über keine Luftschutzeinrichtungen.

Tatsächlich hatte die kleine Kommission des Aufsichtsrates der RESW am 6. Oktober 1942 1.150.000 Reichsmark zum Bau eines Barackenlagers für Russen und eines Lagers für freie Arbeiter am Torhaus I bewilligt. Die Investition einer solch enormen Summe zeigt, wie rentabel der Einsatz der „billigen“ Ostarbeiter gewesen war. Die Genehmigung der Verausgabung der enormen Summe erfolgte schließlich am 11. Februar 1943 durch den Aufsichtsrat. Aufgrund der Einberufung der deutschen Arbeiter zum Wehrdienst und des Ausbaus der Rüstungsbetriebe rechnete das Völklinger Unternehmen mit starkem Einsatz freier Ostarbeiter. Aus diesem Grund sah sich die Unternehmensführung gezwungen, ein großes Lager für 1.500 freie Russen zu errichten, wofür 1.000.000 RM veranschlagt wurden. Für die Unterbringung von weiteren freien Arbeitern hatte die Hütte am Torhaus I unter Verwendung vorhandener Hallen ein weiteres Lager aufgebaut. Insgesamt sollten 1.800 Personen untergebracht werden. Im Juni 1943 musste dem Aufsichtsrat sogar eine Nachbewilligung von 400.000 RM vorgelegt werden. Bei dem hier genannten Lager für 1.500 Russen kann es sich nur um den Bau des Lagers Am Schulzenfeld handeln. Ende 1943 bot das aus 25 Mannschaftsbaracken bestehende Lager schließlich 1.299 Menschen Platz. Zu der 1943 vorgenommenen Lagererweiterung gehörte auch die Aufstellung einiger Verwaltungsbaracken. 1944 wurden weitere Baumaßnahmen im Lager Schulzenfeld vorgenommen, sodass laut Lagerliste vom 30. November 1944 Kapazitäten für 1.420 Personen erreicht werden konnten. Das Lager Am Schulzenfeld oder Barackenlager III, wie es auch genannt wurde, verfügte außerdem über eine Theaterbaracke, in der wohl für die französischen Arbeiter Vorstellungen aufgeführt wurden. Dieses Heim für französische Arbeiter wurde am 31. Oktober 1943 eingeweiht. Das Lager umfasste, gemäß der angeordneten getrennten Essenszubereitung für West- und Ostarbeiter, zwei Küchen, die eine für die untergebrachte Franzosen, die andere für Ostarbeiter.

Das ursprünglich wohl als Ostarbeiterlager gedachte Barackenlager III beherbergte spätestens seit 1943 auch Westarbeiter, v. a. Franzosen. Vermutlich hatte man das Lager im Zuge der Anwerbungen im Rahmen des STO auch für die Einquartierung französischer Arbeiter freigegeben. Im Oktober 1943 wurden Umquartierungen vorgenommen. Im Lager am Schlafhaus untergebrachte Ostarbeiter wurden nach Lager Schulzenfeld verlegt, während die dort befindlichen Franzosen nach Wehrden kamen. Allerdings war es am 31. Dezember 1943 ausschließlich und am 30. November 1944 zu 99% mit Ostarbeitern belegt.

Wie beim Lager Thomasmühle sollen auch im Lager Schulzenfeld die gleichen Maßnahmen zur Verbesserung der Unterkünfte vorgenommen worden sein. Allerdings gab es Schwierigkeiten mit der Entwesung zu Beginn des Jahres 1944 im Lager. Das Lagerrevier hatte im Juli 1944 Kapazitäten zur Aufnahme von 30 bis 40 Kranken.

Planungen im Benehmen mit der DAF zur Einrichtung eines Heims für Ostarbeiterkinder wurden Frühjahr 1944 in Angriff genommen. Dieses sollte im nördlichen Bereich des Lagers am Waldrand aufgestellt werden, wurde aber nicht mehr realisiert. Auch beabsichtigte man im Mai 1944 im südlichen Bereich eine weitere Krankenbaracke einzurichten. Allerdings wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt, da diese im Lager Am Leh aufgestellt wurde.

Anfang August 1944 konkretisierte sich die Einrichtung einer Russenschule für Ostarbeiterkinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren durch die Abteilung Lagerbetreuung. Als Klassenräume sollten die beiden Speisesäle im Lager genutzt werden. Als neben- und ehrenamtliche Lehrer waren ein Pfarrer Butko, ein russischer Facharbeiter sowie ein Fürst und eine Fürstin Walkonsky vorgesehen. Als Schulleiter sollte Fürst von Walkonsky fungieren, der regelmäßigen Rapport abzugeben hatte.

Lage des Zwangsarbeiterlagers Am Schulzenfeld an der verlängerten Hofstattstraße.

Lage des Zwangsarbeiterlagers Am Schulzenfeld an der verlängerten Hofstattstraße.

Lager Ost Am Leh (Lee) / Serbenlager Nr. 13 / Lager Am Leh / Dänenlager Am Leh / Lager 13 / Jugenderziehungslager

In den ersten Monaten des Jahres 1942, möglicherweise unter Verwendung von Baracken des Lagers Thomasmühle, wurde in der Flur Am Leh in der Verlängerung der Louis-Röchling-Straße ein kleineres Barackenlager für Russenfrauen aufgestellt, das im August 1942 200 Ostarbeiterinnen Platz bot. Das sogenannte Lager Am Leh führte auch den Namen (Serben-)Lager Nr. 13. Nachdem dieses anfangs zunächst ausschließlich mit Menschen aus dem Balkan belegt gewesen war, öffnete man das Lager später mit dem Rückgang des Einsatzes serbischer Arbeiter auch für andere Nationalitäten. Anfang Januar 1943 waren die auf 190 Mann ausgelegten Unterkünfte mit 183 Serben belegt. Das Lager weist zumindest im späteren Verlauf des Jahres 1943 eine sehr heterogene Belegung auf, wie eine Momentaufnahme zeigt. Von den 153 in einer alphabetischen Auflistung genannten Personen wird bei der Hälfte als Staatsangehörigkeit Albanier angeführt. Es folgen Franzosen mit ca. 27,5%. Es befanden sich lediglich 12 als Serben bezeichnete Personen im Lager (7,8%). Daneben waren zehn Kosaken, vier Polen, drei Tschechen und jeweils ein Kroate und Bulgare in diesem Lager einquartiert.

Verteilung der Nationalitäten im Serbenlager Nr. 13 (ca. 1943) (nach StadtA VK, A 2122)

Verteilung der Nationalitäten im Serbenlager Nr. 13 (ca. 1943) (nach StadtA VK, A 2122)

Nach einer offenbar zwischenzeitlich vorgenommenen Erweiterung der Aufnahmekapazitäten auf 268 Personen bot das Lager Am Leh, das Ende 1943 aus fünf Baracken, zwei Abortbaracken und einem Kohlenschuppen bestand, kurz vor der zweiten Evakuierung der Stadt Völklingen im Dezember 1944 Platz für 120 Personen. In dem nur zur Hälfte belegten Lager 13 waren 61 Ostarbeiter und zwei Letten, untergebracht.

Die Kapazitätenminderung im Laufe des Jahres 1944 ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass dort Baracken zur Unterbringung der TBC-Kranken benötigt wurden. Auf Drängen des Arztes Paul Grouven wurde ab Mitte des Jahres 1944 eine besondere TBC-Station eingerichtet, für dessen Herrichtungsarbeiten Kranke im Rahmen des Möglichen herangezogen werden sollten. Die Bauarbeiten, deren Kosten sich auf rund 83.000 Reichsmark beliefen, zogen sich jedoch über Monate hin. Erst im August wurde das Lager Am Leh als Standort festgelegt. Zum 1. September wurde mit der Belegung der Baracken mit Kranken begonnen. Erst Mitte Oktober 1944 konnte das Krankenlager fertiggestellt werden.

Lager Tacke / Russenlager Tacke und Lager Le Hoc (I und II)

An der Saar bei Kilometer 18,0 lag das sogenannte Lager Tacke, das in einer kleinen Halle eingerichtet gewesen sein dürfte. Dort betrieb vermutlich auf dem Hüttengelände eine Firma Tacke ein Bimsbetonwerk. Spätestens seit August 1942 kann das Lager Tacke, das am Hafen der Völklinger Hütte lokalisiert werden kann, nachgewiesen werden. Noch zu Beginn des Jahres 1943 war das Lager mit 240 Ostarbeitern belegt. Allerdings standen eine Räumung des als Durchgangslager genutzten Komplexes und eine Verlegung der einquartierten Arbeiter kurz bevor. Die Schließung des Lagers Tacke wurde in den ersten Januartagen 1943 letztlich vorgenommen, nachdem Putzerarbeiten an der mangelhaften Ausmauerung am Lager Le Hoc ausgeführt worden waren. Das Freimachen des Lagers Tacke war notwendig geworden, weil eine einwandfreie Entwesung infolge Fehlens einer dichthaltenden Decke nicht durchgeführt werden konnte. Die Funktion als Durchgangslager wurde ebenfalls aufgegeben.

Nach der Schließung wurde das Lager Tacke durch den Betrieb 41 als Steinschuppen genutzt. Folgt man den Geburts- und Sterbeeinträgen des Völklinger Standesamts, dann wurde das Lager bis November 1943 allerdings durchgehend belegt. Eine Benutzung der Halle Tacke ist sogar noch für Mai 1944 zu finden. In der Lager- und Belegungsaufstellung vom 30. November 1944 ist lediglich das ausschließlich mit Franzosen belegte Lager Le Hoc II (Soll: 276) aufgeführt. Von einem Lager Tacke ist keine Rede mehr. Ein zweites Lager Le Hoc wurde im Sommer 1943 fertiggestellt, konnte aber wegen von der DAF befundener Mängel (zu hohe Decken) noch nicht mit ausländischen Arbeitern belegt werden. Einen Monat später war man dabei, das Problem durch das Einziehen einer Decke zu beheben. Zum 1. November sollte das Lager 170 Personen aufnehmen können. Anfang des Jahres 1944 war das Lager Le Hoc II mit 150 Mann belegt.

1942 wurden für 150.000 RM in Nähe des Torhauses 1 gelegene Hallen zur Unterbringung freier Arbeiter ausgebaut – es handelte sich also um kein klassisches Barackenlager im eigentlichen Sinne. Das Ende August im Bau befindliche Lager Le Hoc war zunächst für 300 Unterbringungsmöglichkeiten geplant worden. Für Oktober 1942 wird eine Sollbelegungsstärke von 314 und Anfang 1943 eine von ca. 340 Plätzen angegeben. Ende 1943 konnten in den Hallen fast 390 Personen einquartiert werden, ein Jahr später standen 408 Betten in Le Hoc I bereit, die mit etwas mehr als der Hälfte durch Franzosen belegt waren. Im September 1944 hatten abwehrmäßige Erwägungen (wohl aufgrund des Kriegsverlaufs) es nämlich erforderlich gemacht, sämtliche französischen Arbeiter auf die Lager Wehrdener Berg und Le Hoc zu verteilen. Deshalb wurden die 468 zu diesem Zeitpunkt im Lager Le Hoc untergebrachten Ostarbeiter auf andere Lager aufgeteilt. Im Gegenzug sollten 518 französische Arbeiter einquartiert werden. Le Hoc bestand aus zwei massiven Hallen sowie zwei Abortbaracken.782 Dies spricht dafür, dass tatsächlich beide Hallen als Lager Le Hoc I galten.

Im März 1943 waren im Lager Le Hoc noch keine Maßnahmen gegen Luft angriffe vorgenommen worden. Allerdings war man bestrebt, die Angelegenheit zu lösen. Ende Juli 1944 kritisierte der Lagerarzt Dr. Paul Grouven die hygienischen Bedürfnisse im Lager, da die Badebrausen nur kaltes Wasser lieferten und die Warmwasserbereitung defekt war. Krankenstuben gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine, weswegen Grouven die Einrichtung dringend forderte.

Slowenenlager bei der Wehrdener Waldsiedlung

Mitte August 1941 stand den RESW durch die Vermittlung des Landesarbeitsamtes Westmark und des höheren Polizei- und SS-Führers in Metz durch eine geplante Umsiedlungsaktion die Zuweisung von 100 eindeutschungsfähigen Familien aus dem Südosten in Aussicht, die aufgrund der prekären Wohnungssituation in Völklingen zunächst in Notwohnungen untergebracht werden sollten. Ende Oktober 1941 konkretisierte sich das Vorhaben weiter, weswegen die Grundstücks-/Wohnungsverwaltung aufgefordert wurde, das nötige Gelände zum Unterbringen von nun nur noch 40 eindeutschungsfähige[n] slowenische[n] Familien bereitzustellen. Im Mai 1942 war das Projekt zur Erbauung eines Slowenenlagers bei der Waldsiedlung in Wehrden weiter Thema, da die Ankunft von 50 slowenischen Familien erwartet wurde. Als Platz des Lagers kam der Standort zwischen der Waldsiedlung und Waldschule Wehrden in Frage, einem Ort, wo bereits früher Notwohnungen gestanden hatten. 1943 wurde schließlich ein Slowenenlager in Wehrden für 12 Familien realisiert. Drei Slowenenfamilien, die vorübergehend im Saal Schuler in Geislautern untergebracht waren, wollten allerdings nicht in das Lager umziehen, wurden aber dennoch umquartiert. Zu Beginn des Jahres 1944 sollte eine Erweiterung des Slowenenlagers erfolgen, um weitere sieben slowenische Familien unterzubringen. Dabei war angedacht, für sieben Slowenenfamilien, die vorübergehend in einem Lager in Kusel untergebracht waren, eine neue Unterkunftsbaracke nebst Abortbaracke und drei kleinen Stallgebäuden aufzustellen. Die Baracken sollten aus Betonfertigteilen hergestellt werden. Allerdings bleibt fraglich, ob der Ausbau vorgenommen wurde, da sich die Anzahl der slowenischen Arbeiter 1944 überhaupt nicht erhöhte. Andererseits lässt sich aber nachweisen, dass auf dem Wehrdener Berg 1944 in einem zweiten Bauabschnitt Wohnbaracken für Familien errichtet wurden.

Lager am Wehrdener Berg und Lager Wuppermann (DAF-Lager am Sportplatz Wehrden)

Im Laufe des Jahres 1943 (Baubeginn Mai 1943) kamen verschiedene projektierte Bauvorhaben der Völklinger Hütte für bestehende und neue Lagerkomplexe zur Ausführung. Ein auf 400 Mann ausgerichtetes Lager am Wehrdener Berg entstand. Der Bau schritt in den ersten Wochen rasch voran. Eine Fertigstellung des Lagers war zunächst für Ende August in Aussicht genommen, konnte aber nicht eingehalten werden. Die Bauarbeiten zogen sich hin, immer wieder wurden neue Fertigstellungstermine (Oktober 1943) genannt. Nachdem die Arbeiten für einige Zeit ruhten, wurde im Januar 1944 der Aufbau, dessen Kostenrahmen um 20.000 RM höher war als ursprünglich kalkuliert, fortgesetzt und beendet. Der Lagerkomplex bestand neben den Unterkunft sbaracken aus Verwaltungs-, Kranken-, Wirtschafts-, Abort- und Waschbaracken.

Noch während der Bauarbeiten am Lager Wehrden wurde mit der Errichtung des Lagers Wuppermann begonnen, das zur Unterbringung von 400 IMI vorgesehen war. Bei dem Begriff Wuppermann handelte es sich um die Bauart der Baracken und nicht um einen Firmen- oder Lagerführernamen. Das Lager Wuppermann, eine massive Steinbaracke, war für 300 Menschen ausgelegt. Die Baumaßnahmen wurden erst im Ende Juli, Anfang August 1944 teilweise beendet. Die Wuppermann-Baracke hatte einen 70 m langen Hauptbau mit drei Anbauten.

Im Juni 1944 wurde ein Feuerlöschteich angelegt.805 Ein abgedeckter Deckungsgraben musste gemäß Bestimmungen vom 29. März 1944 angelegt werden. Die vollständige Fertigstellung erfolgte erst im Oktober 1944. Zum Zeitpunkt der Räumung der Stadt Ende November, Anfang Dezember 1944 hatte das Lager Wuppermann eine Sollbelegung von 762 Plätzen. Der Lagerkomplex Wehrdener Berg war möglicherweise Ende 1944 bereits geräumt, da in der Lagerzusammenstellung vom 30. November 1944 kein solches Lager genannt wird. Es ist aber auch denkbar, dass man darunter einen Bereich verstand.

Aufgrund der Lage des Sportplatzes in Wehrden ist die Nennung eines DAF-Lagers am Sportplatz in Wehrden, in dem ein tschechischer und ein französischer Arbeiter der RESW nachgewiesen sind, aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Lagerkomplex am Wehrdener Berg / Lager Wuppermann gleichzusetzen.

(Groß-)Lager Fürstenhausen / neues Lager

Die Planungen für ein letztes großes Barackenlagerprojekt begannen im Laufe des Jahres 1943. Aufgrund des hohen Einsatzes ausländischer Arbeiter sahen sich die RESW gezwungen, Mitte Juni 1943 dem Aufsichtsrat im Zusammenhang einer Nachbewilligung von 400.000 RM für den Umbau und die Errichtung von Ausländerunterkünften bereits die Summe von ca. 1.000.000 RM für den Bau eines auf 1.500 Mann ausgelegten Lagers anzukündigen.

Als Standort des Lagers wurde ein Teil des den Saargruben in Fürstenhausen gehörigen Zentralholzplatzes auserkoren. Die Idee, ein Lager auf diesem Gelände, das laut Völklinger Verwaltung größtenteils unbenutzt war, zu errichten, war bereits Mitte Mai 1942 auf einer gemeinsamen Besprechung zwischen Stadtverwaltung und Technischem Büro der Hütte wegen Schaffung von Unterkünften für ausländische Arbeiter seitens der Verwaltung in Vorschlag gebracht worden. Für den Fall eines etwaigen Widerstands zur Pachtung des Geländes seitens der Grubenverwaltung sollte das Rüstungskommando eingeschaltet werden.

Im Zuge der Verhandlungen mit der Saargruben AG über die Bereitstellung des Geländes wurde vereinbart, dass das Lager auf eine Kapazität von 2.000 Unterkunftsplätzen erhöht werden sollte. Nachdem die Grube gegen Ende des Jahres 1943 von den von ihr angedachten 500 Unterbringungseinheiten abgerückt war, reduzierte sich das Vorhaben wieder auf 1.500 Stellen. Die Baumaßnahmen (Küchenbaracke, zwei bis drei Wohnbaracken und Wegenetz) die im Sommer 1943 aufgenommen werden sollten, wurden wegen der vordringlichen Fertigstellung des Lagers am Wehrdener Berg trotz durch den Generalbevollmächtigten bereitgestellter Materialien und Arbeitskräfte vorübergehend zurückgestellt. Ein Splitterschutzgraben für die Arbeiter war geplant.

Aus einer Baubeschreibung des Lagers Fürstenhausen vom 17. Dezember 1943 geht hervor, welche Baracken in dem Lager aufgestellt werden sollten. Es war beabsichtigt, insgesamt zehn Unterkunft sbaracken, deren Außenwände mit feldgrüner Tarnfarbe angestrichen werden sollten, eine Großküche, einen Tagesraum, eine Krankenbaracke zur Aufnahme von 90 Mann sowie ein Verwaltungsgebäude zu errichten. Das Großlager Fürstenhausen sollte im Vergleich zu den Bauten in den anderen Lagern in Massivbauweise (behelfsmäßig) errichtet werden.

Das in vier Bauabschnitte aufgeteilte bautechnische Vorhaben, wurde noch im Jahr 1943 begonnen, u. a. durch den Einsatz von IMI und Strafgefangenen aus Saarbrücken. Eine genaue Terminierung zur Vollendung der gesamten Unternehmung wollte die Architekturabteilung nicht geben, da fehlende Transportmittel, Facharbeitermangel und Lieferschwierigkeiten bei den Materialien sowie die schlechte Witterung einen genauen Zeitplan für die Ausführung der Baumaßnahmen nicht gestatteten.

Anfang April 1944 waren die ersten beiden Bauabschnitte zumindest im Rohbau fertiggestellt. In den Folgemonaten konnte Bauabschnitt 1 noch abgeschlossen werden. Auch Bauabschnitt 2 kam noch zur Vollendung, während die beiden letzten Abschnitte kriegsbedingt nur noch teilweise zur Ausführung gebracht werden konnten, wodurch 640 Mann untergebracht werden konnten. Zwischenzeitlich beschloss die Führungsetage, das Lager für nur 1.400 Mann auszulegen, weswegen die Baukosten von rund 960.000 RM auf 660.000 RM reduziert werden konnten.

Eine Realisierung des Gesamtprojekts in dem geplanten Umfang kam somit letztlich nicht zustande – mit Fertigstellung des Bauabschnitts III sollten weitere 768 Plätze hinzukommen. Dies legt auch die Ende November 1944 von Betrieb 77 zusammengestellte Lagerübersicht dar. Demnach hatte diese in Fürstenhausen gelegene, als neues Lager bezeichnete Unterkunft zum Zeitpunkt der Evakuierung eine Sollbelegung von 580 Plätzen. Das Quartier war mit 230 Männern nur gut zur Hälfte belegt und wies eine sehr heterogene Belegung auf (56 Ukrainer, 96 Polen, 7 Kosaken, 13 Holländer, 3 Portugiesen, 21 Italiener, 1 Litauer, 9 Russen, 8 Serben, 3 Jugoslawen, 2 Tschechen, 2 Esten, 7 Staatenlose, 1 Reichsdeutscher, 1 Rumäne).

Bereits während des sukzessiven Lagerausbaus wurden erste Einquartierungen vorgenommen bzw. sollten vorgenommen werden. So beabsichtigten die RESW, auf Ansuchen des Ministeriums Speer für die Reichsbahn tätige OT-Kräfte – es handelte sich um 1.000 Juden aus dem Osten, vermutlich KZ-Häftlinge – drei der fünf fertiggestellten Baracken für deren Unterbringung zur Verfügung zu stellen. Ende Oktober 1944 sollten in drei Baracken 384 deutsche Arbeiter der Hütte einquartiert werden.

Lager Roma

Ein eigenes Italiener-Lager, das in Anspielung auf Italiens Hauptstadt als Lager Roma bezeichnet wurde, befand sich vielleicht in der Bismarckstraße oder einem verlängerten Arm dieser Straße. Das Lager, das aufgrund seiner Größe (Soll: 439) eher als Barackenlager angesehen werden sollte, lässt sich erst spät seit dem November 1944 nachweisen. Es wurde mit großer Wahrscheinlichkeit mit den in den Zivilarbeiterstatus versetzten IMI belegt.

Schlafhäuser der Grube Geislautern

Diese Unterkunft soll auch hier behandelt werden, auch wenn es sich um kein klassisches Barackenlager handelte. Am äußersten Rand des Völklinger Stadtgebietes, nicht unweit der Eisenbahnstrecke nach Großrosseln befand sich ein Lager der Saargrubenverwaltung. In den ehemaligen 1922/1923 erbauten Schlafhäusern des Steinkohlenbergwerks Geislautern wurden höchstwahrscheinlich im Sommer 1941 Unterkünfte für ausländische Arbeiter eingerichtet. Wie aus einem Schreiben der Werksverwaltung vom 13. Juni 1941 hervorgeht, stand eine Zuteilung ausländischer ziviler Arbeitskräfte in naher Zukunft bevor, deren Unterbringung in den Schlafhäusern der Grube vorgesehen war. Mit dem Einsatz von IMI wurde zumindest ein Teil des Lagers zu einem Gefangenenlager umfunktioniert.

Sonstige Barackenlager und Baracken

Größere Barackenlager für über 200 Mann, wie sie die RESW errichteten, wurden durch andere Firmen nicht gebaut. Lediglich die Vereinigte Saar-Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (VSE) legte ein größeres Lager für sowjetische Zivilarbeiter an. Das Lager, das im Mai 1943 aus drei Baracken bestand, befand sich auf dem Gelände des Umspannwerks direkt beim Sportplatz und dem Bahnhof in Geislautern. Das Gemeinschaft slager wurde vermutlich spätestens im Juni 1942 eingerichtet. Der Einsatzort der Arbeiter befand sich in dem in unmittelbarer Nachbarschaft zum Lager gelegenen Umspannwerk Geislautern, das um 1935 errichtet und 1941 erweitert wurde. Bereits 1941 hatten die VSE französische Kriegsgefangene des städtischen Lagers für die Erweiterungsarbeiten herangezogen. 1942 hatten die VSE das Gelände am Sportplatz erworben, um das Umspannwerk zu vergrößern. Die Bauarbeiten konnten zunächst allerdings kriegsbedingt nicht aufgenommen werden.

Neben dem bereits oben genannten Säuglings- und Entbindungsheim der RESW im Lager Thomasmühle dürfte es ein weiteres solches Heim im auch als Russenlager Geislautern genannten VSE-Lager gegeben haben. Ähnlich wie im Falle der Ostarbeiterkinder bei den RESW wurden in Geislautern ab Juni 1943 die Geburten im Lager vorgenommen. Im Falle des Entbindungsheims in Geislautern wurden die Geburten durch eine Hebamme begleitet.

Die übrigen Lager umfassten kaum mehr als eine Baracke. Das in Obervölklingen ansässige Betonzweigwerk der Saarbrücker Niederlassung des Wiesbadener Betonbauunternehmens Dyckerhoff & Widmann hatte auf seinem Werksgelände ein Lager, das Anfang Januar 1943 eine Belegschaft sstärke von mindestens 40 Mann aufwies. Aus den Nachkriegslisten geht hervor, dass in diesem Gemeinschaft slager ganze Familien untergekommen waren. Eingerichtet wurde das Lager wahrscheinlich zwischen Juli und November 1942.

Die zu 50% den RESW gehörigen Saardrahtwerke in Luisenthal verfügten über ein Lager auf ihrem Werksgelände, das sehr wahrscheinlich zwischen Juli und November 1942 eingerichtet wurde. Mitte Januar 1943 beherbergte das Firmenlager zwanzig russische Arbeiter.

Auch die Fenner Marmeladen- und Genussmittelfabrik Waldemar Kolb GmbH unterhielt ein Werkslager auf dem Firmengelände. In dem wahrscheinlich im August 1942 aufgebauten Quartier hatten ca. 15 Personen eine Unterkunft. Ein kleines Lager hatte die Firma Gebr. Heimer Hoch- und Tiefbaugeschäft, Bautechnisches Büro in Obervölklingen. Die Firma Westschrott GmbH, die möglicherweise als Zulieferer von Schrott für die RESW fungierte, hatte am Wehrdener Bahnhof ein Lager für Ostarbeiter, das noch im April 1944 bestand.

Die Werkzeug- und Maschinenfabrik der Gebrüder Kreis verfügte bereits Ende 1942 über ein eigenes Lager, das möglicherweise zunächst auf dem Werksgelände der Hütte fassbar ist. 1944 unterhielt das Unternehmen eine Russenbaracke an dem Looser in der Bismarckstraße, in welcher auch Ostarbeiter der Völklinger Revierförsterei Unterkunft fanden. Daneben befanden sich Waldarbeiterunterkünfte in einem Holzhauerhaus am Schillerpark (Forstlager), wo sich mindestens drei Arbeiter antreffen lassen.

Das Tiefbauunternehmen des Ferdinand Müller aus Niemegk im Kreis Zauch-Belzig richtete am Eisweiher in Völklingen, wo es seinen Sitz hatte, mindestens eine Baracke ein. Der als Lager Müller bzw. Lager am Eisweiher bezeichnete Komplex bestand seit spätestens Anfang 1943. Eine kleinere Massenunterkunft existierte am Fenner Gutshof, den der Landwirt Ludwig Schneider bewirtschaft ete. Dort wurden seit 1942 Arbeiter und auch Familien zur Hofarbeit eingesetzt.

Beim Kraft werk in Fenne kann spätestens seit dem 1. Januar 1943 ein Lager für Ostarbeiter und Ukrainer angenommen werden. Bis in den November 1944 hinein wurde das Lager genutzt. In welchem Zusammenhang ein Lager Firma Lehnard, Kraftwerk Fenne zu diesem stand, muss ungeklärt bleiben. Auch Holländer könnten dort untergebracht gewesen sein.

Aus zwei Sterbebucheinträgen wird ersichtlich, dass in Wehrden mindestens von Mai bis November 1944 ein Lager Trockle existierte. Die in der Grabenstraße gelegene Unterkunft beherbergte polnische und russische/ukrainische Arbeiterinnen. Das Lager, möglicherweise aus einer Baracke bestehend, befand sich wahrscheinlich auf dem Firmengelände der Schlackensteinfabrik Trockle in der Grabenstraße 28 in direkter Nachbarschaft zum Kraft werk Wehrden.

Ein weiteres, bislang unbekanntes Lager unterhielt die Saarbrücker Firma Kohlbecher & Co. aus Saarbrücken (Kaiserstraße 16) auf dem Holzplatz in Fürstenhausen, wo das Unternehmen Flächen angepachtet hatte.

Die Planungen der RESW zum Bau von größeren Barackenlagern waren spätestens seit 1942 im Gange. Zahlreiche Projekte wurden jedoch nicht umgesetzt oder scheiterten z. B. am Widerstand der örtlichen Bauverwaltung. Von der Absicht, ein Lager in den Saarwiesen in Fürstenhausen zu errichten, nahm die Werksverwaltung Abstand, da die Verwaltung dieses Gebiet als gutes Wiesengelände einstufte und die Hochwassergefahr zu groß war sowie zu viele Grundstückseigentümer ihr Einverständnis hätten geben müssen. Ebenfalls nicht errichtet wurden ein Lager am Fuße der Halde Hostenbach auf dem Gelände der früheren Kohlenwäsche der Hostenbacher Grube oder ein für 400 Mann ausgelegtes Lager im Alten Brühl.

Weitere Unterkünfte

Neben den Barackenlagern belegten die Stadtverwaltung, andere Firmen und v. a. die RESW im Stadtgebiet und angrenzenden Orten bzw. in den Ortschaften der Außenbetriebe zahlreiche Massenquartiere, die sich meist in Sälen von Gaststätten, Vereinsheimen oder Turnhallen befanden.

Bereits im Februar 1941 existierten in der Wilhelmstraße (heute Rathausstraße) und im katholischen Vereinshaus (in der Bismarckstraße 44) DAF-Lager, in denen ausländische Arbeiter untergebracht waren. Im Lager Bismarckstraße 44 befanden sich ein Gemeinschaft slager und eine Gemeinschaft sküche. Ende August 1942 waren laut eines Plans der Abteilung Technisches Büro der RESW 245 Schlafplätze vorhanden. Im Oktober 1942 war dort die Unterbringung von 90 Menschen möglich. In diesem Gebäude befand sich auch der Sitz der Oberlagerführung der DAF, was offenbar zur Folge hatte, dass Ende 1943 keine Quartiere mehr vorzufinden sind. 1944 lassen sich jedoch wieder ausländische Arbeiter in der Bismarckstraße 44 nachweisen.

Das in der Wilhelmstraße befi ndliche Lager war in den beiden dortigen Schulgebäuden eingerichtet. Dort lässt sich bereits im August 1940 ein von der DAF betriebenes Lager nachweisen, in dem aber zunächst auswärtige (deutsche) Arbeiter und Handwerker im Zuge des Wiederaufb aus der Stadt einquartiert waren. So war etwa die Arbeitsgemeinschaft Nürnberg im Januar 1941 im DAF-Lager Schule Wilhelmstraße in Völklingen untergebracht. Im Februar 1941 lassen sich dort erstmals ausländische Arbeiter (Italiener) nachweisen. Im Frühjahr 1941 konnten 300 Personen untergebracht werden. Später waren in dem Schulgebäude offenbar ausschließlich ausländische Arbeiter der RESW einquartiert. Ende August 1942 verfügten die beiden Schulhäuser über Platz für 240 Personen. Versuche der Stadtverwaltung seit spätestens Mai 1942, die beiden oder eines der Schulgebäude in der Wilhelmstraße wieder Unterrichtszwecken zuzuführen, scheiterten aufgrund des Fehlens von notwendigen Unterkunftsräumen der RESW für ihre ausländischen Arbeiter.

Ende des Jahres 1942 kam es zu einer Umnutzung.883 Während das hintere Schulgebäude weiterhin für 90 Mann als Unterkünfte vorgesehen war, wurde im vorderen Schulhaus ein Krankenrevier eingerichtet. Die Anlage war durch die RESW für ca. 25.000 Mark umgebaut worden. Dabei wurden Wände eingezogen, die sanitären Anlagen ausgebaut und Luftschutzvorkehrungen vorgenommen. Diesem DAF-(Kranken-)Hauptrevier stand von 1942 bis Ende Oktober 1943 der niederländische Arzt Dr. Lambertus Marinus van der Moer vor, der über den Gesundheitszustand der Lagerbewohner außerhalb der großen Barackenlager wachen sollte. Auf van der Moer folgte der italienische Arzt Dr. Vicente Nicolato, der bis Ende September 1944 in der Krankenabteilung der RESW arbeitete.

Im Krankenrevier konnten zunächst 70 bzw. 80/85 Menschen stationär behandelt werden. Eine Mitte 1943 geplante Krankenbaracke am Röchling’schen Krankenhaus durfte nicht gebaut werden, weswegen die Kranken in der Wilhelmschule untergebracht werden sollten, wozu 50 deutsche Arbeiter umquartiert werden mussten. Weitere Revierstuben wurden 1944 eingerichtet. 1944 dürft en die Räumlichkeiten dann nur noch als Revier benutzt worden sein, da am 30. November 1944 dort 130 Betten aufgestellt waren.

Weitere als Lager genutzte Massenunterkünfte, die in Völklingen bereits 1941 bestanden, waren die in Sälen eingerichteten Lager Kurtz in Wehrden und Sahner in Fürstenhausen. Der Saal Kurtz, der dem Kinobesitzer Caspar Kurtz in der Hindenburgstraße 4 (heute Ludweilerstraße) gehörte, wurde Anfang August 1941 von dort eingelagerten Gegenständen zur Unterbringung von ausländischen Arbeitern für die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke geräumt. Diese Unterkunft (Sollbelegungsstärke 102) ist somit im ehemaligen Union-Kino in Wehrden, das von Oktober 1940 bis August 1941 leer stand, zu lokalisieren. Das Gasthaus Sahner befand sich in der Saarbrückerstraße 14 in Fürstenhausen. Die Unterkünfte hatten Schlafmöglichkeiten für 80 Personen.

1941 wird das DAF-Lager Alter Markt 15, auch Lager Bürgerbräu genannt, in einem Sterbebucheintrag erwähnt. Die Unterkunft ist in einem Saal der dortigen Gaststätte zu lokalisieren. Nachdem das Lager zunächst für die Unterbringung von spanischen Arbeitern der RESW verwendet wurde, lassen sich ab März 1942 französische Arbeiter der Hütte und ab Oktober 1943 zudem sowjetische Arbeitskräfte der Reichsbahn antreffen. Ob das Lager auch als Sammellager/Lager der Reichsbahn/Reichsbahnlager bezeichnet wurde oder ob dieses Bezeichnung als eigenständige Unterkunft auf Reichsbahngelände zu betrachten ist, bleibt unklar. Möglicherweise hatte die Reichsbahn auch in Fenne ein bislang nur einmal belegtes Lager. Im Sommer des Jahres 1942 war das Lager für 126 Mann ausgerichtet.

Zwecks Unterbringung angeworbener ausländischer Arbeiter konnte das Arbeitsamt aufgrund des Reichsleitungsgesetzes Räumlichkeiten zur Quartiereinrichtung beschlagnahmen lassen, sofern eine freiwillige Bereitschaft zur Überlassung nicht gegeben war. Ein solches Vorgehen durch das Arbeitsamt war aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Mit dem zunehmenden Einsatz v. a. sowjetischer Arbeiter im zweiten Halbjahr 1942 benötigten die RESW dringend Unterkünfte, um überhaupt Arbeitskräfte zugewiesen zu bekommen. Als Anfang August 1942 im Bau befindliche Barackenlager noch nicht fertiggestellt waren, schlug das Unternehmen dem Saarbrücker Arbeitsamt vor, die Turnhalle der Gaststätte Becker/Madert in Wehrden zu requirieren. Allerdings stieß diese Maßnahme auf offenbar nicht geplante Gegenwehr. Der Wehrdener Verein für Leibesübungen (VfL), der auch beim Reichsstatthalter in der Westmark, Abteilung I a Sport, Beschwerde erhob, sah seinen Turn- und Spielbetrieb durch diese Aktion gefährdet. Außerdem erkannte der die Bürgermeistergeschäfte führende Völklinger Bürgermeister Karl Graf ein weiteres Problem darin, dass der Saal als Veranstaltungsort im kulturellen Bereich genutzt wurde.

Abgabe von Gegenständen an den Fuhrpark zur Einrichtung eines Lagers für zivile Arbeiter im Saal Schneider in Wehrden.

Abgabe von Gegenständen an den Fuhrpark zur Einrichtung eines Lagers für zivile Arbeiter im Saal Schneider in Wehrden.

Als Gegenvorschlag unterbreitete der Verein, den leer stehenden Saal Schneider in der Hostenbacherstraße 6 zu verwenden. Allerdings war der Vereinsvorstand nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass dieser als Massenquartier geeignete Raum bereits zur Unterbringung von im städtischen Einsatz befindlichen Arbeitern vorgesehen war, denn Ende Juli 1942 war der Fuhrpark damit beschäftigt, ein Lager für Ausländische Arbeiter in einem Saal des Gasthauses Schneider im Völklinger Stadtteil Wehrden einzurichten. Hierfür stellte man aus städtischen Beständen 41 Doppelbetten, 18 einfache Betten, 200 Stücke Seitenteile, 800 Stück Einlegebretter, 100 leere Strohsäcke und 7 Tische zur Verfügung.

Wahrscheinlich verzichtete die Stadt zu Gunsten der RESW auf eine Benutzung des Saals Schneider und richtete im Stadtteil Fürstenhausen in der Gastwirtschaft Weiland wenig später ein Ostarbeiterlager ein, wofür zunächst zehn Luftschutz-Doppelbetten, ein Eisenspind mit drei Türen, sechs Holzspinde und acht Wolldecken durch die Stadtverwaltung den städtischen Werken übergeben wurden. Anfang 1943 waren französische Arbeiter der Stadt in dem Saal der Gastwirtschaft Weiland einquartiert. Die Angelegenheit des Saales Becker/Madert wurde erst im September abschließend zugunsten des VfL Wehrden geregelt. Das Unternehmen zeigte zu einem späteren Zeitpunkt erneut Interesse an einer Anmietung des Saals Madert.

Seit 1942 existierten zahlreiche, v. a. von den RESW genutzte, Massenquartiere, in denen ausländische Arbeitskräfte untergebracht wurden. Diese verteilten sich über das gesamte Stadtgebiet. Auch das Schlafhaus in der Bismarckstraße diente als Unterkunft.

Das Lager Stiebel – in einer in der Hüttenstraße 9 in Fenne gelegenen Gastwirtschaft eingerichtet – konnte Mitte Oktober 1942 90 Menschen beherbergen. Die Zustände in diesem Quartier, wo ein französisches Bauunternehmen Arbeiter einquartiert hatte, waren zu Beginn des Jahres 1943 aus nicht näher genannten Gründen desolat, weshalb das Direktorium der RESW Abhilfemaßnahmen angeordnet hatte. Auch im Kasino bei der ehemaligen Fenner Glashütte wurde eine Unterkunft eingerichtet, die anfangs 46 und später 32 Unterkunft smöglichkeiten hatte. Räume in der alten Glashütte selbst, in denen Teile der Wehrfertigungsbetriebe eingerichtet worden waren, wurden ebenfalls zu Lagerzwecken genutzt. Spätestens seit Dezember 1942 existierte ein Lager Fenner Glashütte, in dem polnische und ukrainische Arbeiterinnen und Arbeiter untergebracht waren. Diese Arbeiterinnen waren im Betrieb 131 (Bearbeitungs- Werkstatt Fenne) eingesetzt. Anfang des Jahres 1943 hatte das Lager eine Aufnahmekapazität von 200 Plätzen, die am 10. Januar 1943 mit 196 russischen Männern belegt waren. 1943 erweiterte man die Bettenkapazitäten des auch als Polenlager Fenne bezeichneten Quartiers auf 216.

In Fenne verfügten die RESW über ein eigenes Jugendlager für Ostarbeiter, das eventuell Ende 1942 eingerichtet wurde, als Ausbildungskurse für junge Ostarbeiter ins Leben gerufen wurden.920 Im August 1943 wurde das Lager wegen Renovierungsarbeiten geräumt und war anscheinend Mitte Oktober, ja sogar Ende Dezember noch nicht fertig. Ende 1943 oder Anfang 1944 wurde die alte Hafenstube der ehemaligen Fenner Glashütte, wo Hafenöfen hergestellt worden waren, als Lager eingerichtet.

In Fürstenhausen gab es neben dem bereits genannten Lager Sahner 1942 auch ein Ausländerquartier in der Gastwirtschaft des Wilhelm Hafner in der Saarbrückerstraße 45/47, das bis Ende 1944 diese Funktion innehatte. In dem Saal der Gastwirtschaft konnten etwas mehr als 80 Leute untergebracht werden. In Fürstenhausen wurde im Jahre 1943 das evangelische Gemeindehaus (Friedrichstraße 14) mit ausländischen Arbeitern belegt bzw. für eine Benutzung vorbereitet.

Hatte es im Stadtteil Geislautern zu Beginn des dritten Quartals 1942 erst eine Unterkunft der RESW für ausländische Arbeitskräfte in einem Saal der Gastwirtschaft des Peter Schuler in der Hindenburgstraße 139 gegeben, kamen 1943 die ebenfalls im Geislauterer Teil der Hindenburgstraße gelegenen Quartiere Pütz und Wilhelm Schuler hinzu. Ersteres befand sich in einem Saal der Gastwirtschaft Franz Pütz oder Witwe Johann Pütz (Hindenburgstraße 178), letztere wahrscheinlich in der Bäckerei des Wilhelm Schuler (Hindenburgstraße 111). Der Saal Pütz bot ab 20. Februar 1943 120 Mann eine Unterkunft.

Die weitaus meisten Säle wurden in Völklingen selbst requiriert. In der Völklinger Bismarckstraße war nicht nur das katholische Vereinshaus in Anspruch genommen worden. Auch in den beiden Hausnummern Bismarckstraße 63 (Saal Theis) und Bismarckstraße 65 (Lager Jungfleisch) lassen sich abermals Unterkünfte für ausländische Arbeiter in Gaststätten nachweisen. Während über die Belegungszahlen des in der Gaststätte Josef Jungfleisch eingerichteten Lagers, das offensichtlich auch zur Unterbringung von RESW-Arbeitern diente, nichts bekannt ist, können für das Lager Theis unterschiedliche Sollbelegungen nachgewiesen werden. Im Oktober 1942 waren 74 Plätze vorhanden. Im Jahr 1943 waren es dann 80 bzw. 79 Schlafplätze. Ende November 1944 wurde das Lager nicht mehr für ausländische Arbeiter genutzt, sondern die Wehrmacht hatte den Saal (Soll nur noch 52) bereits in Anspruch genommen.

Eine weitere in Völklingen gelegene Röchling-Unterkunft befand sich in der Straße des 13. Januar 29, der Gaststätte der Witwe Johann Herber. Im Saal Herber war Ende 1943 ein Entwesungstrupp stationiert. Etwas mehr als ein halbes Jahr später ist ein belgischer Arbeiter nachweisbar.

Im Alten Brühl 5 befand sich das sogenannte Lager Lessel. Dieses war spätestens in der zweiten Jahreshälfte 1942 in dem ehemaligen Gasthaus des Johann Lessel (1941 war der Betreiber ein Matthias Johannes) eingerichtet worden. Das Lager Lessel könnte Ende 1944 bereits aufgelöst worden sein und in eine Gaststätte in der Straße des 13. Januar 18 verlegt oder durch eine Person namens Theobald geführt worden sein. Das Lager Lessel erreichte im Oktober 1942 eine Sollbelegungsstärke von 45, nachdem Ende August noch Kapazitäten von 60 angegeben worden waren. Die Zahl verringerte sich dann zu Beginn des Jahres 1943 bereits auf 38. Ende des Jahres 1943 sank die Kapazität noch einmal weiter auf 31 Plätze. Das Ende 1944 genannte Lager Theobald konnte 32 Personen aufnehmen.

Ein ursprünglich in der Obervölklinger Turnhalle vorhandenes Lager wurde vermutlich zu Beginn des Monats März 1943 geräumt und in einen Saal des Gasthauses Bidot in der Straße des 13. Januar 259 oder in der Schillstraße 6 (heute Theodor-Körner-Straße) verlegt (Platz für 140 Mann). Am Ende des Jahres 1944 war das auch als Spanienlager Luisenthal oder DAF-Lager Bidot bezeichnete Quartier fast unbelegt. Sicherlich ist der auf Karteikarten spanischer Arbeiter zu lesende Ort DAF-Lager Obervölklingen bzw. DAF-Lager Bahnhof Obervölklingen diesem als Unterkunft zuzuordnen.

Nicht näher einordnen ließ sich ein mit mindestens vier Italienern belegtes Lager Gorius in Fürstenhausen. Dass diese mit einer in der Freiherr-vom-Stein-Straße/Saarbrückerstraße 14 angesiedelten Klempnerei Josef Gorius in Verbindung standen, ist möglich. Allerdings bringen die Karteikarten die Arbeiter mit einer Firma Gorius und Co. in der Metzer Josef-Bürckel-Straße 3 (heute Avenue de Nancy) in Verbindung.

Eine kleinere Unterkunft dürfte spätestens 1944 in der Mühlenstraße 4 im Stadtteil Wehrden vorhanden gewesen sein. Dort befanden sich die Holzhandlung und das Sägewerk des Alois Riewer, dessen Firma off enbar 1941/1942 dorthin verlegt worden war. Aufgrund der mehrfachen Nennung der Klarenthaler Straße 10 in Fenne als Unterkunft ausländischer Arbeiter dürfte auch dieses als Lager in Betracht kommen. Dort befand sich zumindest 1941 die Gastwirtschaft/Kantine des Adolf Zaske. Zumindest zeitweise als Massenunterkunft, vielleicht nur zu Ausweichzwecken, dürfte die Turnhalle in der Völklinger Gatterstraße gedient haben. Im November 1942 ist von der Unterbringung französischer Arbeiter in der neu hergerichteten Turnhalle in Völklingen die Rede. Allerdings lässt sich in der Folge keine weitere Belegung der Turnhalle nachweisen.